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Ausstellung in Köln: Das "Liebeslabyrinth" entpuppt sich als echter Tintoretto

KÖLNEine Ausstellung in Köln wagt einen neuen Blick auf das frühe Werk des italienischen Malers Jacopo Tintoretto. Kunsthistoriker Roland Krischel hat dabei eine sensationelle Entdeckung gemacht.

Das "Liebeslabyrinth" entpuppt sich als echter Tintoretto
Das "Liebeslabyrinth" entstand 1538 und um 1552. Heute weiß man, dass es von Tintorettos eigener Hand stammt. Foto: dpa

Himmelwärts steigt der Blick empor. Er streift das aus Ovids „Metamorphosen“ bekannte, aus einer Flut errettete gottesfürchtige Paar Pyrrha und Deukalion, zielt vorbei an der Statue der für Gerechtigkeit zuständigen Göttin Themis und verliert sich in der Weite des Firmaments. Ein Gemälde von solch kolossaler Sogkraft und solch gewagter Perspektive hatte vor Jacopo Tintoretto noch kein Künstler geschaffen.

Der Maler forderte Tizian heraus

Mit diesem spektakulären Werk für die Kassettendecke eines Palastes in Modena forderte der junge Venezianer 1541 keck den bis dahin unangefochtenen Meister Tizian heraus. Es ist eines der verblüffenden Prachtstücke einer mit 74 Exponaten überwältigenden Ausstellung. Mit ihr bewertet das Wallraf-Richartz-Museum vor dem großen Jubiläumsreigen zum 500. Geburtstag Tintorettos dessen frühes Werk unter dem Motto „A Star was born“ völlig neu.

Experte führte Nachweis

Das lag nahe, da das Kölner Haus mit Roland Krischel über einen führenden Tintoretto-Experten verfügt. Für ihn wuchs sich die mehrjährige Vorbereitung zu einem Forschungsprojekt aus – mit sensationellen Ergebnissen. So weist der Kölner Kunsthistoriker nach, dass ein galantes „Liebeslabyrinth“ aus dem Besitz der britischen Königin nicht, wie bisher angenommen, von einem flämischen Maler, sondern von Tintoretto stammt.


Ihm neu zuordnen konnte er auch eine frühe „Fußwaschung“ aus Grenoble als Vorbild für die monumentale Fußwaschung im Prado in Madrid. Auch das kühne „Bildnis eines Mannes“ aus dem Palazzo Pitti in Florenz, das die psychologisierende Porträtkunst um Jahrhunderte vorwegnahm, ordnete er Tintoretto, dem frühreifen Sohn eines venezianischen Färbers, zu.

Sartre nannte ihn den "ersten Filmregisseur"

Als „ersten Filmregisseur“ charakterisierte Jean-Paul Sartre das malwütige, mit spontaner Gestik vor Lust am Experiment und an der Provokation strotzende Genie. Der Kulissenzauber der „Bergung des Markusleichnams“ aus Brüssel, dessen Kleinformat auf das mächtige gleichnamige Gemälde in der venezianischen Galleria Accademia hinweist, bestätigt das. Den Hintergrund bildet nicht Alexandria, sondern der venezianische Stadtteil Dorsoduro. Wie Tintoretto in jungen Jahren Allegorien, biblische Themen, Porträts eher von alten Männern als von jungen Damen und erotisch Gewagtes meisterte – das weist ihn in der Kühnheit der spontanen, auffallend stofflich anmutenden und alles andere als glatten Darstellung als jungen Wilden der Spätrenaissance im 16. Jahrhundert aus.

Wenig gesicherte Informationen

Vieles liegt in seiner frühen Entwicklung noch immer im Dunklen. Als gesichert gilt, dass Tintoretto in seinen Anfängen als Subunternehmer für andere Maler tätig war, bevor er sich mit Giovanni Galizzi, einem eher handwerklich begabten Maler mit ähnlicher Stilistik, die Arbeit an Gemälden teilte. Die Altmeister seiner Zeit forderte Tintoretto durch die Prägnanz der Körper und eine hinreißende Dramatik heraus.

Wallraf-Richartz-Museum Köln: „Tintoretto – A Star was born“, Obenmarspforten (am Rathaus) bis 28.1.2018 , Di-So 10-18 Uhr, an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr, Katalog 35 Euro.

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