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"Die Hauptstadt": Robert Menasse bekommt den Deutschen Buchpreis

FRANKFURT/MAINDer Österreicher Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis 2017 für den Roman „„Die Hauptstadt“. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montagabend in Frankfurt bekannt.

Robert Menasse bekommt den Deutschen Buchpreis
Der österreichische Autor Robert Menasse hat am Montagabend im Frankfurter Römer den Deutschen Buchpreis für seinen Roman "Die Hauptstadt" bekommen, Arne Dedert

Zum 13. Mal wurde die Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres vergeben. Der Preis ist mit 37 500 Euro dotiert.

Philosoph und Historiker, aber vor allem Schriftsteller: So könnte man das Wirken des Österreichers Robert Menasse einigermaßen fassen - doch fehlt dabei noch die politische Komponente. Denn der 63-jährige Autor versieht viele seiner Romane mit einem zeitgeschichtlich-politischen Hintergrund, seine Essays werden häufig von philosophischen Fragestellungen geleitet.

Prägende Familiengeschichte


Dieses Gesellschaftspolitische wurde Menasse quasi in die Wiege gelegt. Als Sohn einer jüdischen Familie wurde er 1954 in Wien geboren - sein Vater war 1938 vor den Nationalsozialisten aus Österreich geflohen und erst nach Kriegsende zurückgekehrt. Sicherlich eine prägende Familiengeschichte.


Als junger Mann studierte Menasse Germanistik, Philosophie und Geschichte. Nach einer Anstellung als Lektor im brasilianischen Sao Paulo arbeitet er seit 1988 als freiberuflicher Schriftsteller.

Durchbruch mit "Schubumkehr"


Der Durchbruch gelang ihm 1995 mit dem Roman „Schubumkehr“, für den er später mit dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet wurde. Darin beschreibt Menasse, wie der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 auch in Österreich die bestehenden Verhältnisse durcheinanderbrachte. Weitere bekannte Werke sind „Sinnliche Gewissheit“, „Land ohne Eigenschaften“ sowie „Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust“.


Menasse ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller Österreichs und sicherlich einer mit den meisten Auszeichnungen: Er hat den Heinrich-Mann-Preis, den Max-Frisch-Preis, den französischen Orden der „Arts et Lettres“ und jetzt eben den Deutschen Buchpreis erhalten, um nur einige zu nennen.


Und Menasse ist überzeugter Europäer - davon zeugt nicht zuletzt seine Rede vor dem Europaparlament in Brüssel im Frühjahr dieses Jahres, sondern auch sein ausgezeichneter Roman „Die Hauptstadt“, in dem er aufzeigt, was seiner Meinung nach alles falsch läuft in der EU-Bürokratie.

Sprachlos bei der Preisverkündung

Eine Dankesrede konnte der österreichische Schriftsteller Robert Menasse am Montagabend im Frankfurter Römer nicht halten. „Ich wusste ja nicht, dass ich den Deutschen Buchpreis bekomme“, sagte er. Den Europa-Roman „Die Hauptstadt“ hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Vorabend der Frankfurter Buchmesse als besten deutschsprachige Roman des Jahres ausgezeichnet. Der 63-jährige Wiener bekommt 25 000 Euro; im Finale standen sechs Titel.


Menasses Buch, ein ironischer Gesellschaftsroman mit Krimi-Elementen, spielt in Brüssel und setzt sich mit der EU-Bürokratie auseinander. Am Beispiel zahlreicher Figuren und Erzählstränge entwirft er ein schillerndes Panorama der europäischen Eliten.
 

Vielschichtiger Text
 

Die siebenköpfige Jury würdigte das Buch als „vielschichtigen Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt“. „Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen“, urteilte die Jury weiter. Das Buch mache „unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können.“

Das Humane ist immer erstrebenswert, niemals zuverlässig gegeben: Dass dies auch auf die Europäische Union zutrifft, zeige Menasse mit seinem Roman auf eindringliche Weise. „Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns“, heißt es in der Begründung weiter. Dramaturgisch gekonnt grabe Menasse „leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen“.
 

Der 63-jährige Menasse gilt als leidenschaftlicher Anhänger eines supranationalen Europas. Mit der europäischen Idee hat er sich schon mehrfach in Büchern und Essays beschäftigt. Für seinen neuen Roman hat Menasse auch in Brüssel recherchiert.

Sechs Finalisten


In der Endausscheidung setzte sich Menasse gegen Gerhard Falkner („Romeo oder Julia“), Franzobel („Das Floß der Medusa“), Thomas Lehr („Schlafende Sonne“), Marion Poschmann („Die Kieferninseln“) und Sasha Marianna Salzmann („Außer sich“) durch.  Diese Autoren erhalten je der 2500 Euro. Im vergangenen Jahr hatte Bodo Kirchhoff für seinen Roman „Widerfahrnis“ den Buchpreis gewonnen.
 

Für den Deutschen Buchpreis haben Verlage aus Deutschland, der Schweiz und Österreich mehr als 200 Neuerscheinungen eingereicht. Vor der Shortlist hatte die Jury eine 20 Titel umfassende Longlist erstellt.
 

Der Deutsche Buchpreis wird vom Dachverband des Deutschen Buchhandels seit dem Jahr 2005 vergeben. Er hat sich zur wichtigsten Auszeichnung der Branche entwickelt. Mit dem Preis ist in der Regel auch ein vorderer Platz auf den Bestsellerlisten verbunden.

 

Von dpa

 

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