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Konzerthaus Dortmund: Currentzis macht Abschied zum Ereignis

DORTMUNDEs gibt diese Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint, in denen man alles vergisst. Dafür geht man in ein Konzert oder in eine Opernaufführung.

Currentzis macht Abschied zum Ereignis
Eindrucksvolle Lichtstimmungen, Solisten, Chor und Orchester hatte Teodor Currentzis im „Titus“ in Dortmund. Foto: Brau

So ein Moment war am Samstag im Konzerthaus Dortmund in der konzertanten Aufführung von Mozarts „La clemenza di Tito“ mit Teodor Currentzis am Pult die Arie des Sesto mit Bassettklarinette. Ein intimes Kammerspiel, hinreißend gesungen, überirdisch schön. Unvergesslich.


Nicht Hass, Eifersucht und Machtstreben stellte der Dirigent aus Perm mit seinem tollen, elanvollen Chor und Orchester MusicAeterna in den Mittelpunkt, sondern Milde („Clemenza“). Wie Bassa Selim aus der „Entführung“ und Sarasto in der „Zauberflöte“ lässt Mozart auch Titus am Schluss großmütig verzeihen.

Weiche Klänge geschärft

Da wunderte es nicht, dass Currentzis meist nicht der temperamentvolle Wilde am Pult war, sondern die weichen Klänge schärfte. Schon in der Ouvertüre stellte er Sturm und Drang neben die in Zeitlupe gedehnten Klänge. Und da machte es auch Sinn, dass Currentzis diese Oper über Verzeihen und Abschied emotional vertieft hat, indem er Teile aus Mozarts c-Moll-Messe und der „Mauerischen Trauermusik“ eingefügt und dafür die Rezitative, die ohnehin nicht von Mozart, sondern von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr stammen, gestrichen hat. Harmonisch und inhaltlich passte das perfekt.


Die Salzburger Festspiele hat Currentzis mit dem „Tituts“ in der Inszenierung von Peter Sellars eröffnet. Die konzertante Aufführung war nicht weniger eindrucksvoll, die Solistenbesetzung sogar besser. Und mehr als im Graben konnte Currentzis den Sängern das Gefühl geben, dass er nur für sie dirigiert.

Fantastischer Sesto

Zwei der fast durchweg farbigen Salzburger Sänger (Willard White und Jeanine de Bique) waren noch dabei, das Ereignis war jedoch Stéphanie D‘Oustrac (ürbigens die Urgroßnichte von Poulenc) als Sesto. Ihr Mezzo hat eine fantastische Intensität, die Sängerin eine berührende Ausdruckskraft. Vitellia war Karina Gauvin, die die Koloraturen farbig, aus dem Geist des Barock leuchten ließ. Und Maximilian Schmitt passte als lyrischer Legato-Titus wunderbar zu Currentzis‘ Interpretation.


Riesenjubel für ein Ereignis. Am 5. November kommt Currentzis mit „La Bohème“ zurück.

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