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Mozart-Komödie in Dortmund: Teodor Currentzis bringt Beethoven zur Raserei

DORTMUNDWiener Klassik, ein wenig gegen den Strich gebürstet - das hatten wir ja alles schon einmal, als sich Nikolaus Harnoncourt vor 30 Jahren daran machte, mit historischer Aufführungspraxis die Wohlfühlklassik zu revolutionieren.

Teodor Currentzis bringt Beethoven zur Raserei
Dirigent Teodor Currentzis. Foto: Anton Zavjyalov

Teodor Currentzis geht mit seiner MusicAeterna einen Schritt weiter. Am Sonntag, 19. März, riss er mit Beethovens "Eroica" das Publikum im Konzerthaus Dortmund von den Stühlen. Wie ein Orkan fegte das Heldenwerk über die Köpfe der Zuhörer im ausverkauften Haus hinweg.

Die Tempi, die der 45-jährige Grieche aus dem sibirischen Perm anschlägt, sind mehr als heldenhaft. Aber seine Musiker, die im Stehen auf historischen Instrumenten die Musik skelettieren, dabei aber höchst aufregend klingen lassen, folgen diesem Mick Jagger der Klassik bedingungslos.

Immer für Überraschungen gut

Harsch klingt das manchmal, von den Streichern so trocken, ganz ohne Vibrato gespielt, aber mitreißend. Und für Überraschungen ist Currentzis immer gut: Darauf, mal im Finale zwischendurch Kammermusik zu machen und nur ein Streichquartett spielen zu lassen, ist auch noch keiner gekommen.

Zuvor hatte er in Mozarts kleiner g-Moll-Sinfonie kurzerhand die Naturhörner verdoppelt und ließ vier davon wild schmettern. Die Beethoven-Sinfonien würde man von Currentzis mit MusicAeterna gerne alle auf CD hören.

Tanz am Abgrund

Geigerin Patricia Kopatchinskaja ist eine Seelenverwandte dieses Dirigenten. - Ebenso wild, ebenso überraschend, mit ebenso viel Mut zum nicht aalglatten Klang in Mozarts viertem Violinkonzert. Das war ein Tanz am Abgrund zum Straßenköterton. Und Kopatchinskaja improvisierte nicht nur lustvoll in eigenen Kadenzen mit Mozarts Musik und dem Orchester.

Auch im Rondo-Finale ließ sie die Königin der Nacht kurz dazwischenjuchzen und Papagano flöten. Originell und spaßig war das, vielleicht nichts für Mozart-Puristen. Eine rasende "Figaro"-Ouvertüre gab's als Zugabe. Mehr von Currentzis dann in der nächsten Saison in Dortmund.

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Kommentare
  • 4 Hörner - von Currentzis?
    von Punto am 21.03.2017 17:32 Uhr

    Die Besetzung von 4 Hörnern hat Mozart selbst im 1., 3. und 4. Satz der Sinfonie vorgeschrieben, je ein Paar in G und B alto. Die rasche, takt-, bzw. mitunter sogar tonweise Abwechslung der beiden Hornpaare ermöglicht den Hörnern "ungestopft" (d.h. ohne Veränderung der Tonhöhe durch die Hand im Schallbecher) auch moll-Themen vollständig zu spielen, was aufgrund der akustischen Eigenschaften der Instrumente sonst nicht möglich ist. Ein Blick in die Partitur des 4. Satzes zeigt diese Technik exemplarisch beim Forte-Thema ab Takt 9. Haydn macht das ähnlich in der 39. Sinfonie in g-moll, Krauss in seiner c-moll Sinfonie mit je zwei Hörnern in C und Es. Interessanterweise wiederholt Mozart diese Technik nicht bei der sogenannten großen g-moll Sinfonie, Nr. 40. Dort kommen nur 2 Hörner, jedoch in den Stimmungen G und B alto, und nicht selten zeitlich versetzt zum Einsatz, was in dieser Zeit aussergewöhnlich ist, da Hörner üblicherweise gleich gestimmt waren und paarweise geführt wurden.

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