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Theater Hagen: „Tschick“ als temporeiche Roadopera uraufgeführt

HAGENDa sage noch einer, die Oper sei eine zeitraubende Darstellungsform. Mit der Adaption des Jugendromans "Tschick" beweist das Theater Hagen das genaue Gegenteil. Am Samstag war die Uraufführung des Auftragswerks.

„Tschick“ als temporeiche Roadopera uraufgeführt
Karl Huml gibt den Spätaussiedler-Jungen Tschick als originellen Typen. Foto: Lefebvre

"Pleite, Idioten, Faschisten!" So viele Schimpfwörter auf einmal hatte Bassbariton Rainer Zaun wohl noch nie in einer Arie zu singen. Als aufgebrachter Immobilienhai bestreitet er die Eingangsszene zur Roadopera des Berliner Komponisten Ludger Vollmer, der das beachtliche Kunststück vollbracht hat, ganze 29 Szenen in zwei Stunden Aufführungsdauer zu packen.

Verdichtete Sprache

Mit schonungslos, aber geschickt verdichteter Sprache (Libretto: Tina Hartmann) und hohem Tempo ist eine Musiktheater-Adaption des Erfolgsromans von Wolfgang Herrndorf gelungen, die garantiert keine Langeweile im Theater Hagen aufkommen lässt.

Opern, die für ein junges Publikum in Auftrag gegeben werden, laufen Gefahr entweder zu anbiedernd oder zu pädagogisch auszufallen. Vollmer ist dieser Falle entgangen, indem er sich und seine mitunter recht spröde Tonsprache nicht verleugnet und trotzdem an populäre Musik anknüpft.

Hip-Hop-Elemente

So baut er Hip-Hop-Elemente wie eine Beatboxing-Passage ein, also eine Art Schlagzeugsolo, das nach elektronischen Sounds klingt, aber mit Stimme und Mikro gemacht wird. Auch das ins Orchester integrierte Drumset und die E-Gitarre prägen den Sound. Andere Zitate sind leicht zu verstehen wie die klischeehaft russisch-melancholische Färbung in den Passagen Tschicks.

Es ist kein reines Jugendstück geworden, für ein erwachsenes Publikum funktioniert es ebenso tadellos. Das liegt auch an der Besetzung: Karl Huml als Tschick, Andrew Finden als Maik und Kristine Funkhauser als Isa sehen nun wirklich nicht mehr aus wie 14-Jährige. Man nimmt ihnen ihre Rollen dennoch ab, weil sie starke Typen verkörpern: den Klein-Ganoven, aber auch grundehrlichen Tschick, den luxusverwahrlosten Maik und das Punk-Mädchen Isa.

Visuelle Illusionen

Für Regisseur Roman Hovenbitzer stellte sich das Problem, die Handlung eines Roadmovies - die Protagonisten kurven mit einem gestohlenen Lada durch Ostdeutschland - auf eine kleine Bühne mit beschränkten Möglichkeiten zu bringen. Seine Lösung ist mehr als überzeugend: Die niederländische Grafik- und Video-Künstlerin Krista Burger übernimmt einen Großteil der visuellen Illusionen.

Mit viel Witz, Einfallsreichtum und oft einfachen Mitteln zaubert sie wirkungsvolle Kulissen bis hin zur Braunkohlengrube. Den realen Teil der Bühne sowie die treffenden Kostüme besorgt Ausstatter Jan Bammes. Am Pult des quicklebendig aufspielenden Orchesters: Generalmusikdirektor Florian Ludwig.

Termine: 24.3./13./20./26.4., 10./28.5.; Karten: Tel. (02331) 2073218.

 

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