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Der Sänger im Interview: Sänger Joel Brandenstein: "Ich brauche Gänsehaut"

KÖLNAuf Youtube ist Joel Brandenstein ein Star: Seine Musikvideos werden millionenfach geklickt. Im Frühjahr hat der Sänger sein erstes Album herausgebracht, das prompt auf Platz 1 der Charts landete. Wir haben mit ihm über seinen Erfolg gesprochen.

Sänger Joel Brandenstein: "Ich brauche Gänsehaut"
Bevor Joel Brandenstein eigene Songs veröffentlichte, hat er Cover-Versionen von seinen Lieblingsliedern gespielt. Foto: Marvin Stroeter

Dass seine Musik so einschlägt, davon hat Joel Brandenstein nur träumen können, als er vor einigen Jahren seine Industriekaufmannskarriere abbrach und sich von da an ganz der Musik widmete. Mittlerweile veröffentlicht Joel Brandenstein eigene Musik und geht dieses Jahr zum ersten Mal auf Tour. Im Interview spricht der 33-Jährige über Unabhängigkeit, Ängste und Perfektionismus.

 

Einen Youtube-Channel zu eröffnen und dort Cover-Songs hochzuladen, ist das heutzutage der moderne Weg, als Musiker bekannt zu werden?

Ja, schon. Ich kann das eigentlich jedem empfehlen, der Musik machen möchte. Man kann komplett sein eigener Herr sein. Niemand schreibt einem vor, was man zu tun oder zu lassen hat. Man kann sich kreativ voll ausleben und schauen, wo sich das Ganze hinentwickelt. Ich habe einfach angefangen, meine Lieblingssongs auf meine Art zu interpretieren, um mir eine kleine Zuhörerschaft aufzubauen.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich dachte: Jetzt musst du dich auch mal trauen, einen selbst geschriebenen Song zu veröffentlichen. Dieser wurde dann der bis heute am meistgeklickteste Song von mir. Das war für mich das Zeichen, dass es der richtige Weg ist, mit der selbst geschriebenen Musik weiterzumachen.

 

Dein erster Song, „Diese Liebe“, ist 2014 auf Platz 18 der Charts gelandet. Wie schwierig ist es, einen Song ohne Label herauszubringen?

Ich hatte am Anfang gar keine Ahnung, wie das alles funktioniert. Meine ersten Videos hatten noch einen ganz schlechten Ton und schlechtes Bild. Ich habe mich dann erkundigt, welches Equipment man braucht, damit die Qualität besser wird, und habe mir von Monat zu Monat mein eigenes Tonstudio gebaut. Das hat einfach Spaß gemacht, weil ich von der Produktion bis hin zum Mischen alles selbst in der Hand hatte. Das ist für einen Künstler toll, wenn man am Ende ein Produkt hat, das wirklich zu hundert Prozent von einem selbst kommt.

Nachdem ich meinen ersten selbst geschriebenen Song veröffentlichte, suchte ich nach jemandem, der ihn für mich in die Download-Portale einstellt. Aber dass ich damit in die Charts komme, hätte ich nie gedacht. Ich dachte, um wirklich in die Charts zu kommen, braucht man auf jeden Fall eine Plattenfirma.

Für dein Album hast du dann mit dem ProSiebenSat.1-Label Starwatch Entertainment zusammengearbeitet. Was läuft seitdem anders?

Eigentlich gar nichts. Ich habe künstlerisch weiterhin das absolute Entscheidungsrecht. Ich habe insofern Unterstützung, dass TV-Präsenz stattfindet und dass die Spots fürs Album laufen. Ansonsten hat sich gar nichts verändert. Ich bin immer noch in meinem kleinen Kellerstudio, nehme da meine Songs auf und schreibe meine Lieder. Das war mir auch wichtig.

 

Mittlerweile werden deine Videos millionenfach geklickt, deine Facebook-Seite hat über 580.000 Likes. Wenn du ein Video oder Bild hochlädst, wirst du mit Kommentaren überhäuft. Wie bleibt man da auf dem Boden?

Das macht mich in vielen Dingen eher noch kritischer, wenn ich sehe, dass mir so viele Menschen folgen und meine Videos und Bilder kommentieren. Je größer mein Erfolg, desto kritischer bin ich mir gegenüber geworden. Ich suche immer Dinge, die ich besser machen möchte. Durch Chart-Positionierungen oder Aufrufzahlen hat sich da gar nichts geändert.

Egal, welches alte Video ich von mir anschaue, ich denke mir jedes Mal: Hach, das und das hättest du besser machen können. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und will immer einen Fortschritt sehen. Das zieht sich in allen Bereichen durch mein Leben – auch in der Musik.

Mal ehrlich: Wie sehr bist du auf Klickzahlen, Likes und Kommentare fokussiert?

Man schaut natürlich ständig, was die Leute schreiben. Gerade, wenn etwas Neues rausgekommen ist, verfolge ich das die ersten Tage und versuche, mir jeden Kommentar durchzulesen. Es ist spannend zu sehen, was den Leuten so auffällt, was sie gut finden oder vielleicht nicht so gut. Aber irgendwann versuche ich dann auch abzuschalten und lasse es einfach laufen. Dann denke ich schon wieder an das nächste Lied. Würde ich bei jedem Video jeden Tag gucken, was da so geschrieben wird, hätte ich wenig Zeit für andere Dinge.

 

In deinem Lied „Blindflug“ singst du: „Ich hab furchtbar Angst vorm Fallen“. Hast du Angst, als Musiker zu scheitern?

Ja. Ich bin allgemein ein Mensch mit großen Ängsten. Ich bin ein unheimlich schlechter Beifahrer, habe Flugangst und mache mir ständig Sorgen um meine Stimme. Mein Albtraum ist es, dass ich vorm Konzert aufwache und merke, dass ich keine Stimme mehr habe. Aber ich versuche, das durch positive Gedanken beiseite zu legen. Wenn es kleine Tiefpunkte gibt, die es gerade als Musiker ja immer gibt, muss man sich immer vor Augen halten, was man schon erreicht hat. Das motiviert einen dann wieder und lässt einen die ganzen Ängste, die man so hat, ein bisschen vergessen.

In „Zeitmaschine“ heißt es, du würdest gern die Zeit zurückdrehen. Würdest du rückblickend etwas anders machen?

Jein. Jeder hat, glaube ich, viele Ereignisse in seinem Leben, bei denen man denkt: Könnte ich die Zeit noch mal zurückdrehen, würde ich es tun und etwas ändern. Aber eigentlich glaube ich auch daran, dass aus allen vermeintlich negativen Dingen, die so passieren, viele positive Dinge resultieren können. Wenn ich zum Beispiel mal einen Song gemacht habe, der nicht so gut angekommen ist und dann einfach den nächsten Song gemacht habe. Der ist dann eigentlich nur entstanden, weil ich ein bisschen traurig war. Oft war es auch so, dass das genau der Song war, der das positivste Feedback bekommen hat.

Ich bin momentan sehr glücklich, so wie alles gekommen ist. Ohne die Dinge, die geschehen sind, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Ich glaube allgemein daran, dass das Leben auch aus Rückschlägen besteht, damit man daraus lernt. Also – ich würde schon mit dem Gedanken spielen, die Zeit zurückzudrehen. Aber letzten Endes würde ich es nicht machen, weil schon alles Sinn macht am Ende.

 

Deine Lieder handeln meist von der Liebe. Wenn du Songs schreibst, denkst du dabei an konkrete Personen?

Manchmal sind es konkrete Personen oder ganz konkrete Situationen. Aber manchmal ist es auch einfach nur ein Gefühl, in dem man sich verliert. Ich kann mich auch sehr gut in Situationen hineinfühlen oder mir etwas vorstellen. Das meiste ist aber schon autobiografisch und hat wirklich in meinem Leben stattgefunden.

Welche Musik hörst du am liebsten in deiner Freizeit?

Ich höre sehr gerne Balladen, aber auch mal schnellere Nummern. Ich versuche, jeden Tag joggen zu gehen, und da ist es dann immer schön, wenn ein Song dabei ist, der nach vorne geht. Ich habe eigentlich einen recht breit gefächerten Musikgeschmack. Aber wenn ich mich für etwas entscheiden müsste, sind es schon die ruhigeren Nummern, die emotional sind. Das ist das, was mich am meisten an der Musik begeistert. Ich brauche Gänsehaut. Und die habe ich meistens bei Balladen.

Konzert in Dortmund
Joel Brandenstein kommt am 19. Oktober ins Konzerthaus Dortmund.

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