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Ruderer vom RV Rauxel im Interview: WM-Sieger Malte Jakschik: "Alle Muskeln brennen"

CASTROP-RAUXELDer Ruderer Malte Jakschik vom RV Rauxel hat am Sonntag mit dem Deutschland-Achter die Weltmeisterschaft gewonnen und ist wieder daheim. Im Interview berichtete Malte Jakschik darüber, was rund um den WM-Sieg in Sarasota (Florida/USA) passiert ist und wie er sich auf den Empfang seines Vereins RV Rauxel freut.

WM-Sieger Malte Jakschik: "Alle Muskeln brennen"
Malte Jakschik (4.v.r.) und der Deutschland-Achter, hier bei der Teamvorstellung im Mai in Dortmund, haben in den USA die Weltmeisterschaft gewonnen. Das war der erste WM-Titel für Deutschland seit 2011. Foto: Caroline Seidel (dpa)

Herr Jakschik, Glückwunsch zum Gewinn des Weltmeister-Titels. Dadurch ist der Deutschland-Achter in der gesamten Saison ungeschlagen geblieben. Fühlen Sie sich auch für die Saison 2018 unbesiegbar?
Dankeschön für Glückwünsche. Das ist tatsächlich etwas Besonderes für mich: mein erstes WM-Gold. Ich denke, dass diese Medaille der Lohn für unsere konstanten Leistungen in der Vergangenheit ist. Unbesiegbar sind wir dennoch nicht. Zuletzt war es ja auch schon so, dass wir bis zum abschließenden Rennen der Saison erfolgreich waren – und dann bei der WM oder bei den Olympischen Spielen gegen Großbritannien verloren haben. Das war bitter.

Sie sprechen es an. Die Briten waren in den vergangenen Jahren Ihre großen Rivalen. Warum haben diese diesmal das Finale nicht erreicht?
Sie haben vor der Saison einen großen Umbruch vollzogen. Effektiv ist nur ein Ruderer der alten Besatzung übrig geblieben. Dennoch haben wir im Saisonverlauf immer mit ihnen gerechnet. Ich denke, sie werden den Misserfolg in der Saison 2018 nicht auf sich sitzen lassen.

Die Italiener haben die Experten mit dem Gewinn der Bronzemedaille überrascht. Auch Sie?
Nicht wirklich. Man muss wissen, dass die Italiener in dieser Besetzung schon seit einigen Jahren zusammen rudern. Sie sind beim italienischen Staat angestellt und sind daher Profis. Bei denen ist auch in den so genannten zwischen-olympischen Jahren Pfeffer im Boot, während andere Nationen einen Gang rausnehmen.

Bevor die WM in Florida begann, wütete im östlichen Atlantik der Hurrikan Irma. Hat das Ihre Anreise erschwert?
Wir selbst hatten keine Probleme. Vielmehr betraf das unser Boot. Dieses wurde per Schiff angeliefert. Die Reiseroute wurde wegen Irma geändert und über Mexiko nach Houston umgeleitet. Dort wurde unser Boot auf einen LKW verladen. Daher kam es für unser Training mit zwei Tagen Verspätung an. Zum Glück bekamen wir in der Zwischenzeit ein Leihboot von einem Schulruder-Klub vor Ort.

Nach Ihrem souveränen Vorlauf-Sieg gab es vor dem Finale eine kurze Irritation. Die Fairness-Kommission änderte die Bahnverteilung. War das für Sie nachvollziehbar? Und: Welchen Nachteil hatte das?
Im Startbereich war es für uns nicht ersichtlich, wie der Seitenwind Einfluss nehmen könnte. Dort wo im Ziel die Tribüne aufgebaut ist, hatte das allerdings tatsächlich eine Auswirkung. Wir wurden auf Bahn sechs, der dem Wind zugewandten Seite, gesetzt. Daher hatten wir die Gegner nicht im Blick.

Hat sich das sehr negativ auf Ihre Renntaktik ausgewirkt?
Eigentlich gar nicht. Die einzige Änderung, die wir vorgenommen haben, betraf unseren Steuermann Martin Sauer. Wir haben ihm eingeimpft, dass er mehr denn je mit uns sprechen muss und uns über die Position sowie Geschwindigkeit der Gegner erzählen muss. Ich glaube, so viel wie hier hat er noch nie geredet.

Nach solch einem 2000 Meter-Rennen fallen die Besatzungsmitglieder vor Erschöpfung beinahe ins Wasser. Mit welcher Anstrengung ist Ihr Rudern vergleichbar?
Schwer zu sagen. Vielleicht mit einem 400 oder 800 Meter-Lauf. Denn neben Ausdauer ist viel Schnellkraft gefragt. Die Muskeln brennen dabei regelrecht. Nach dem Vorlauf sind wir in Eisbecken gestiegen, um die Durchblutung wieder zu regeln.

Mit welchen Vorzügen würden Sie für den Rudersport im RV Rauxel Werbung machen?
Es ist ein schöner Sport, den man auch ohne Wettkampfgedanken betreiben kann. Toll ist, dass dabei alle großen Muskelgruppen beansprucht werden und man in der Natur ein schönes Ambiente genießt. Das Teamgefühl beflügelt mich dabei sehr. Man kann spüren, dass die Kraft, die man selbst hineinsteckt, das Boot voranbringt.

Traditionell stellt der RVR nach Ihren Erfolgen einen Sektempfang auf die Beine…
Auf den freue ich mich auch wieder, obwohl ich noch nicht weiß, wann dieser sein wird. Ich komme stets gerne auf die Wartburginsel. Wir wohnen zwar kurz hinter der Stadtgrenze in Datteln. Ich selbst sehe mich aber als Castrop-Rauxeler an, weil ich mich hier sehr wohl fühle.

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