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Amateurfußball: Kreis wünscht sich mehr Frauen an der Pfeife

DortmundSeit dem Wochenende ist der Name Bibiana Steinhaus in aller Munde. Sie leitete die Bundesliga-Partie zwischen Hertha BSC und dem SV Werder Bremen. Eine Schiedsrichterin im Fußball-Oberhaus - aber wie sieht es im Verband und dem Kreis Dortmund mit weiblichen Referees aus?

Kreis wünscht sich mehr Frauen an der Pfeife
Für die einen Vorreiterin, für die anderen kein großes Thema: Bibiana Steinhaus ist Deutschlands erste leitende Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga. Foto: dpa

Das 1:1 im Bundesligaduell zwischen Hertha BSC Berlin und dem SV Werder Bremen wurde am Sonntag zur Randnotiz. Die alles beherrschende Nachricht anschließend: Bibiana Steinhaus hat es getan. Die 38-jährige Bad Lauterbergerin ist die erste leitende Schiedsrichterin in der Bundesliga. Doch wie sieht es in Westfalen mit Frauen an der Pfeife aus? Wir haben beim Verband und dem Kreis Dortmund nachgehakt - und sind auf erstaunliche Normalität, aber auch auf Probleme gestoßen.

Für Verband keine große Nachricht

"Bei uns im Verband und auch bei den Schiedsrichtern und den Vereinen ist das kein großes Thema", macht Michael Liedtke umgehend klar. Der Vorsitzende des Verbands-Schiedsrichterausschusses im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sieht im Steinhaus-Debüt keine große Nachricht. "Man sollte keinen großen Hype darum machen, dass eine Frau als Schiedsrichterin die Spiele leitet, das ist längst nichts Besonderes mehr", ergänzt Liedtke.

4975 Referees tauchen in der aktuellen Auflistung des FLVW auf, davon sind 157 Unparteiische weiblich. Keine sonderlich hohe Zahl, gänzlich neu ist das Phänomen aber nicht. Und deshalb glaubt Liedtke nun auch nicht an einen besonderen Effekt: "Schon seit einiger Zeit unterstützen wir Frauen und machen ihnen bewusst, dass es für sie schnell auf der Leiter nach oben gehen kann." Das aber will nicht jede Schiedsrichterin. "Manche möchten auch lieber in den unteren Klassen bleiben und dort pfeifen."

Trio beweist sich ganz oben

Dass es aber manche bis nach ganz oben schaffen, hat ein Westfalen-Trio bereits bewiesen. Marina Wozniak (Herne) hat es bis in die Frauen-Bundesliga und auf die Fifa-Turniere geschafft. Auch Kathrin Heimann (Gladbeck) und Nadine Westerhoff (Castrop-Rauxel) pfeifen die höchste deutsche Frauen-Spielklasse und bei den Männern in der Oberliga. Vanessa Arlt (Greven) hat sich bis in die Herren-Westfalenliga und die 2. Frauen-Bundesliga hochgearbeitet.

Neu ist das Modell "Schiedsrichterin" beim FLVW also nicht. Und doch wünschen sich Michael Liedtke und die übrigen Verbandsverantwortlichen die eine oder andere Frau mehr an der Pfeife. "Jede Schiedsrichterin hilft uns weiter. Denn irgendwann werden die Plätze der Ranghöchsten frei, und die wollen wir adäquat ersetzen." Mit der nächsten fußballbegeisterten Frau - die keine Extrawurst will, sondern nur das, was Schiedsrichtern am liebsten ist: Mit der eigenen Anwesenheit möglichst gar nicht auffallen.

Nur drei weibliche Schiedsrichter

Ganz so positiv kann man beim Kreis Dortmund nicht über weibliche Schiedsrichterinnen berichten. "Auf dem Feld sind wir aktuell leider schlecht aufgestellt", sagt Jürgen Oelker, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichterausschusses. Denn in Dortmund sind von rund 320 aktiven Unparteiischen gerade einmal drei weiblich: Celina Brandt (pfeift Junioren und assistiert im Senioren-Kreisligabereich), Diana Bleidick (Kreisliga C) und Mahsume Keskin (Kreisliga A).

Dass es kaum weibliche Schiedsrichter in Dortmund gibt, hält Oelker für ein grundsätzliches Problem: "Andere Kreise haben das auch. Wegen geringer Nachfrage haben wir entsprechende Lehrgänge irgendwann eingestellt." Deshalb verspricht sich der Dortmunder Schiedsrichter-Chef auch keinen positiven Effekt vom Steinhaus-Debüt. "Natürlich würden wir bei Events im Dortmunder Frauenfußball auch gerne Schiedsrichterinnen ansetzen, aber wir können auch nicht immer die gleichen drei Damen ansetzen."

Keskin ist Dortmunder Aushängeschild

Mahsume Keskin ist also das Dortmunder Aushängeschild für weibliche Referees. "Viel zu spät" findet sie den Meilenstein in der Bundesliga. "Endlich pfeift eine Frau in der obersten Liga, da gehen die Spieler gleich ganz anders mit der einen oder anderen Situation um." Als aktive Spielerin hat sie selbst gerne über Schiedsrichter und ihre Entscheidungen geschimpft. "Mein Bruder meinte irgendwann, dass ich es doch selbst mal versuchen sollte, wenn ich so eine große Klappe habe", schmunzelt die 26-Jährige. Mit 13 pfiff sie zum ersten Mal - ihr halbes Leben lang leitet sie nun schon die Spiele im Dortmunder Amateurfußball.

Keskin fragt sich selbst häufig, warum das Feld der Schiedsrichterinnen in Dortmund so rar gesät ist. "Vielleicht müssten Schulen und Vereine kooperieren", sagt sie. Dass Steinhaus zum Vorbild werden könnte, glaubt die Unparteiische aber schon: "Viele Frauen schauen Fußball. Wenn sie nun sehen, dass da auch Frauen pfeifen, dann kann das durchaus motivierend wirken." Für sie selbst war der Antrieb nicht nötig, seit 13 Jahren ist sie dabei. Und höher als auf Kreisebene zu pfeifen? "Das wäre schön, aber es muss natürlich mit allen anderen Dingen im Leben passen." Für sie ist eine Frau an der Pfeife nichts Außergewöhnliches mehr.

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