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Boxen: Interview: Hammer über Vorbereitung, ihren Kampfstil und Mode

DORTMUNDDer 1. April wird der vorerst wichtigste Tag in der Karriere von Christina Hammer. Dann boxt sie in der Westfalenhalle, erstmals in ihrer Dortmunder Heimat. Gegen die Schwedin Maria Lindberg, die sie vor sechs Jahren schon mal geschlagen hat. Und das als Vorkampf von Marco Huck. Christopher Stolz hat mit der 26-Jährigen gesprochen.

Hammer über Vorbereitung, ihren Kampfstil und Mode
"Eine härtere Niederlage", verspricht Weltmeisterin Christina Hammer (r.) ihrer Gegnerin in der Westfalenhalle. Foto: dpa

Wie groß ist die Aufregung vor dem Kampf jetzt schon?

Lange dauert es nicht mehr und das ist auch gut so. Jetzt kommt auch die Sparringsphase, da wird es nochmal ein bisschen intensiver. Bis zum 1. April ist es nicht mehr lang, die Zeit läuft schnell.

 

Ist der Kampf denn etwas Besonderes, weil es der Vorkampf von Marco Huck ist?

Ja, auf jeden Fall. Vor allem wegen der Westfalenhalle, da passen ja 10.000 Leute rein, das ist schon eine Hausnummer. Auch mit RTL das Ganze aufzuziehen, ist etwas ganz Besonderes, denn mein Kampf wird ja auch gezeigt. Und das ist für mich schon eine sehr, sehr große Motivation, da Frauenboxen ja immer so ein bisschen im Hintergrund war.


Kennen Sie Marco Huck eigentlich persönlich?

Wir haben uns im Dezember 2016 auf der WBC-Convention in Miami kennengelernt – er ist ein sehr sympathischer Boxer. Er hat einen schweren Gegner vor sich, aber er macht das schon.


Zu Ihrem Kampf: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Ich sehe mich klar im Vorteil, weil unser erster Kampf schon so lange her ist. Die Zeit spricht für mich, ich bin 26 Jahre alt und stärker als vor ein paar Jahren. Deshalb wird das für sie mit Sicherheit eine härtere Niederlage diesmal.


Was können Sie mir spontan über Ihre Gegnerin sagen?

Ihre Schwäche ist, dass sie fast zehn Zentimeter kleiner ist als ich und deswegen eine geringere Reichweite hat. Sie wird nach vorne gehen, um den In-Fight zu suchen. Das muss ich unterbinden.


Mal eine ganz einfache Frage: Sie haben mit 15 Jahren mit dem Boxsport angefangen. Wie kamen Sie dazu?

Meine Familie ist sehr boxsportbegeistert, schon immer gewesen. Meine Onkel haben damals Boxen trainiert und mich hat das so sehr interessiert, dass ich einfach mal mitgekommen bin. Ich war nie so ein richtiges Mädchen, sondern habe lieber mit meinem Bruder Fußball gespielt. Und Kampfsport an sich hat mich schon sehr interessiert, ich bin mit ins Gym gegangen und dabei geblieben.


Hatten Sie damals schon das Gefühl, dass das, was Sie momentan erleben, möglich sein könnte?

Nein, gar nicht, ich hatte zu Beginn einfach nur Spaß, bin aber ein sehr ehrgeiziger Typ. Und wenn ich etwas will, dann mach ich das zu 100 Prozent. Die ersten Kämpfe sind gekommen, und auf einmal war ich Deutsche Meisterin. Und so kam das alles nach und nach. So hat es sich auch ergeben, dass ich in den Profisport wechseln konnte. Aber dass ich Weltmeisterin werden könnte, hab ich nie auf dem Schirm gehabt. Mit 17 oder 18 denkst du nicht „ah, ich werde mal Weltmeister“. Du machst es, weil es deine Leidenschaft ist. Das ist auch das Geheimnis dabei, dass man Spaß hat und die Leidenschaft behält.


Sie haben mal gesagt, dass Sie das Gesicht des Frauenboxens werden wollen. Sind Sie auf einem guten Weg dahin?

Ja, auf jeden Fall. Ich kann dem Frauenboxen ein anderes Bild geben, gerade weil ich nicht die typische Boxernase habe. Das fragen mich tatsächlich viele, weshalb mein Gesicht noch so ist, wie es jetzt ist. Ich denke schon, dass ich da in viele Richtungen etwas anderes darstellen kann.


Sie studieren nebenbei noch Sportwissenschaften an der Fernuniversität. Wie bekommen Sie das unter einen Hut?

Es ist alles nicht so einfach, das stimmt schon. Ich muss schon einiges opfern, aber ich liebe das Boxen und mache das mit vollem Herzen. Das Studium bleibt da schon mal auf der Strecke, vor allem in der Vorbereitung. Aber ich versuche das nachzuholen und die Klausuren so gut es geht mitzuschreiben. Irgendwie schaffe ich es immer.


Sie sind nicht nur Boxerin und Studentin, sondern auch Model. Wie kam es dazu?

Neben dem Boxen interessiere ich mich schon sehr für Mode, was ganz normale Frauen auch so machen. Und da sind einige Unternehmen auf mich zugekommen und ich mache das auch sehr gerne, vor der Kamera zu stehen.

 

War es ihr Ziel, neben der harten Seite im Boxring auch Ihre weibliche Seite zu zeigen?

Klar. Viele denken ja, jeder Boxer hat eine gebrochene Nase oder sonst was. Doch das ist nicht so. Du kannst trotzdem noch athletisch aussehen, und nicht nur wie so ein Brecher. Ich hab da schon verschiedene Seiten. Und damit stelle ich auch ein anderes Bild vom Frauenboxen dar. Ich denke, dass interessiert viele Menschen.


Manche Leute nennen Sie eine „Ballerina im Ring“. Sehen Sie das als Kompliment?

Ich sehe das auf jeden Fall als Kompliment, weil es auf meine Bewegungen und meine Beinarbeit bezogen ist. Denn sich hölzern zu bewegen, das kann ja jeder, aber das Ganze leicht aussehen zu lassen, ist das Schwere dabei.


Und wie viel Zeit geht dafür drauf, diesen Kampfstil, diese Leichtigkeit zu erarbeiten?

Es ist schon sehr viel Arbeit. Ich muss schon zweimal am Tag trainieren, fünf bis sechs Stunden. Aber ich denke, harte Arbeit zahlt sich immer aus. Wenn man dranbleibt, wird man auch dafür belohnt.

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