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Kellner-Job für Jugendliche: Wurde 16-Jähriger "systematisch ausgebeutet"?

DORTMUNDArbeiten Minderjährige in der Gastronomie länger, als es das Gesetz erlaubt? Der Fall eines 16-jährigen Dortmunders wirft diese Frage auf. Der Jugendliche arbeitete für einen Baroper Caterer über elf statt der gesetzlichen acht Stunden. Sein Vater spricht von "systematischer Ausbeutung", der Firmen-Chef ist sich keiner Schuld bewusst.

Wurde 16-Jähriger "systematisch ausgebeutet"?
Ein Kellner. Symbolbild: dpa

Der Junge wollte das, was viele in seinem Alter wollen: eigenes Geld verdienen. Mit 16 darf er das unter bestimmten Voraussetzungen. Er bewarb sich beim Catering-Unternehmen „Service am Gast“ aus Barop. Am Dienstag gab es eine Infoveranstaltung, am Donnerstag erhielt er seinen ersten Arbeitseinsatz. Er und vor allem seine Eltern waren davon ausgegangen, dass er nach acht Stunden, also gegen 23 Uhr, wieder zuhause sein würde. So wie es das Jugendarbeitsschutzgesetz vorsieht.

Tatsächlich arbeitete er bis 2.15 Uhr, musste dann noch aus Kreuztal im Siegerland mit dem Zug zurück nach Dortmund. Der Vater des 16-Jährigen weiß von vielen Altersgenossen seines Sohnes, bei denen es ähnlich war, und nennt das im Gespräch mit dieser Redaktion „systematische Ausbeutung“. Was den Vater außerdem stört: Die Erstausstattung (Hose, Hemd, Fliege und ein Kellnermesser) für den Kellner-Job musste sein Sohn beim Unternehmen selbst kaufen, was dann mit dem Lohn verrechnet wurde.

"Sie machen es freiwillig, mit gegenseitigem Einverständnis"

Dirk Hintz, Inhaber von „Service am Gast“, sagt, dass regelmäßig unter 18-Jährige für sein Unternehmen bei Veranstaltungen im Einsatz sind. „Aber ich breche das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht.“ Die Jugendlichen würden vorab darüber informiert, dass Schichten länger als acht Stunden dauern könnten und gebeten, dies mit ihren Eltern zu besprechen. „Sie machen es freiwillig, mit gegenseitigem Einverständnis“, sagt er.

Diese Option sieht der Gesetzestext aber nicht vor. Es gebe, sagt Hintz, für die Aushilfen die Möglichkeit, den Einsatz nach acht Stunden zu beenden.

Jugendliche würden bis zu 150 Euro pro Abend verdienen

Das Interesse von Jugendlichen, in der Gastronomie an einem Abend bis zu 150 Euro zu verdienen, sei immens. Tatsächlich ist laut offiziellen Beschäftigungsstatistiken die Zahl von Jugendlichen mit Nebenjobs steigend. Zugleich gebe es die Problematik, dass die Teenager nicht mit ihren Eltern sprechen, sagt Hintz. 

„Die Mehrheit der Eltern ist zufrieden, dass ihre Kinder den ersten Schritt ins Arbeitsleben gehen. Ein kleiner Teil weiß nichts davon und argumentiert dann mit dem Jugendschutz“, sagt Hintz. Viele seiner Kollegen hätten mit dieser Thematik zu tun.

Dehoga: "Regelungen sind einzuhalten"

Hintz vergleicht die Situation mit der Frage, ob man nachts bei leerer Straße an einer roten Ampel stehen bleibt oder nicht. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW sieht das anders. „Es gibt die Regelungen und sie sind einzuhalten“, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. Verstöße gegen das Gesetz seien bisher noch nicht als „strukturelles Problem“ aufgefallen. Viele Betriebe würden auf die Arbeit mit Minderjährigen verzichten, weil der Umgang mit den „Schutzgesetzen“ zu umständlich ist.

Das bestätigen Nachfragen bei Dortmunder Catering-Unternehmen. „Man kommt in der Gastronomie immer in die Problematik mit der Arbeitszeit“, sagt eine Firmen-Inhaberin.

Das sagt das Gesetz: Laut §8 des Jugendarbeitsschutzgesetzes darf ab 16 Jahren eine Anzahl von acht Stunden Arbeit pro Tag nicht überschritten werden. In der Gastronomie gilt zeitlich eine Ausnahmeregelung bis 22 Uhr. Bei Verstößen drohen Unternehmern Bußgelder.

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