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Radsport: Zum 80. Geburtstag: Buch über Dieter Kemper

DortmundNormalerweise macht Christian Kemper Filme oder schreibt Bücher über Haie, über Weiße Haie, Tigerhaie. Ziemlich gefährlich. In diesen Tagen hat der Berliner ein Buch über seinen Vater herausgebracht. Und das sei nicht weniger spannend als mit Haien zu tauchen. Ein Buch über Dieter Kemper, Dortmunder Radsport-Idol der 1960- und 1970er-Jahre.

Zum 80. Geburtstag: Buch über Dieter Kemper
Begeisterte fast zwei Jahrzehnte lang die Fans in der Dortmunder Westfalenhalle: Dieter Kemper. Foto: privat

Der Titel lautet ganz passend „Der Kämpfer“. Irgendwie ist er in Dortmund in Vergessenheit geraten. Was macht eigentlich der Mann, der 1957 beim RV Sturmvogel begann und danach fast zwei Jahrzehnte lang die Fans in der Westfalenhalle begeisterte? Am 11. August feiert er seinen 80. Geburtstag. Ein Rückblick auf einen großartigen Sportler, der viel Glück hatte im Leben, aber auch eben so viel Pech – und trotzdem immer wieder aufgestanden ist.

Neun Tage lang im Koma

Eine Szene wird der Radsport-Fan sicherlich niemals vergessen. Es ist der 5. Dezember 1976 in der Kölner Sporthalle. Kemper stürzt, prallt mit 70 km/h gegen die Bande und wird anschließend von einem 200 kg schweren Schrittmachermotorrad am Kopf getroffen. Den Helm vom Kopf gerissen liegt Kemper blutend auf der Bahn. Der damals fast 40-jährige Dortmunder liegt neun Tage lang im Koma, überlebt schließlich. Seine Radsportlaufbahn endete ein gutes Jahr später mit dem Weltpokal der Steher in der Westfalenhalle. Da hatte er in 18 Jahren als Berufsfahrer 166 Six Days gefahren, 26 gewonnen. „Er war in Dortmund ein Held“, erinnert sich Sohn Christian.

„Dietze“ wurde auch siebenmal Deutscher Meister, siebenmal Europameister und einmal Weltmeister. Er bestritt die Tour de France und gewann bei der Tour de Suisse das Grüne Trikot des besten Sprinters. Er lernte die Welt kennen, fuhr 6-Tage-Rennen in Australien, Südamerika und den USA.

Radsportgeschäfte liefen nicht

Später lief nicht mehr alles rund. Eigentlich sollte der im Dortmunder Süden geborene Kemper die Nachfolge von 6-Tage-Chef Otto Weckerling antreten. Klappte aber nicht. Danach eröffnete Kemper ein Radsportgeschäft in Scharnhorst, später eins in Barop. Beide liefen nicht. Irgendwie schien Dortmund mit Kemper zu hadern. Und umgekehrt.

2006 verließ er Dortmund, verkaufte das Haus im benachbarten Hengsen, zog mit Ehefrau Carola ins holländische Julianadoorp in ein Ferienhaus am Meer. Bei einem Telefonat kurz vor Weihnachten 2010 – seine Frau war da schon an einem Gehirntumor verstorben – ließ er seinen Unmut raus. Über das Ende des Dortmunder 6-Tage-Rennens, des Großen Weihnachtspreises der Steher, den er fünfmal gewann. „Die Westfalenhalle ohne Weihnachtspreis oder 6-Tage-Rennen, das geht mir ans Herz, das tut richtig weh, die Halle war mehr als mein Arbeitgeber“, sagte Kemper. Mit seiner Heimatstadt Dortmund hatte er nichts mehr zu tun („das ist abgehakt“).

Seit 2012 in Berlin wohnhaft

Am Strand zwischen Julianadoorp und Callantsoog wurde er aber noch immer von Touristen angesprochen. Auf die Duelle mit Winfried Peffgen, mit Theo Verschueren, Pit de Wit oder Cees Stam. Oder auf 6-Tage-Rennen an der Seite von Rudi Altig, Horst Oldenburg oder seinem Lieblingspartner Graeme Gilmore aus Australien. An seine Schrittmacher „Noppie“ Koch oder Dieter Durst, hinter dem er Weltmeister wurde. Natürlich ist das alles Historie. 2012 holte ihn Sohn Christian nach Berlin. Seitdem wohnt Kemper in einer Zweizimmer-Wohnung in Pankow. Es gehe ihm gut, auch wenn die Hüfte nach einer OP zwicke, so Kemper. Er freue sich auf die Abende mit der Familie seines Sohns und den beiden Enkeln.

Ein Jahr lang recherchierte Sohn Christian, ackerte 30 Aktenordner mit allen Zeitungsausschnitten durch, dann schrieb er ein Jahr lang an dem Buch. „Ich bereue nichts und ich bin auch nicht der Typ, der alten Zeiten nachtrauert“, sagte Kemper im Gespräch mit unserer Zeitung: „20 Jahre Radrennen, was habe ich alles erlebt, Wahnsinn. Ich würde es wieder tun.“

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