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Serie: Herzblut: Peter Middel ist mehr als nur ein Mitläufer

DortmundViele Menschen opfern für ihren Sport und ihren Verein viel Zeit - oftmals, ohne dafür auch nur einen müden Cent zu erhalten. Ehrenamtler stecken ihr ganzes "Herzblut" in ihr Hobby. Und ohne sie geht es meist gar nicht mehr. In unserer neuen Serie stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute: Peter Middel, Leichtathletik-Trainer, Helfer und Organisator.

Peter Middel ist mehr als nur ein Mitläufer
Peter Middel mit Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Berlin 2009. Foto: Middel

Peter Middel hat die Leichtathletikszene immer im Blick – nicht nur, weil er seit vielen Jahren als Pressewart nah am Geschehen ist, sondern ganz einfach, weil Laufen die große Leidenschaft des pensionierten Lehrers ist. 170 000 Kilometer hat der 67-Jährige laut eigenen Berechnungen bereits in den Beinen. Ein Teil davon verhalf ihm zu mehreren Kreismeistertiteln und so manchen Kilometer hat er in 50 Jahren als Teilnehmer und Organisator des Westfalenparklaufs abgespult. Middel lief vor Hunden davon, fuhr als Unterstützer neben Blinden und stand neben Usain Bolt.

Erinnerung an Usain Bolt sorgt für ein Grinsen

Wenn Peter Middel auf das Bild blickt, das ihn und Superstar Usain Bolt im Jahr 2009 bei der Leichtathletik-WM in Berlin zeigt, kann er sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Ein eigenartiges Aufwärmprogramm habe der Jamaikaner gehabt, erklärt Middel: lockere Sprints von 60 bis 70 Metern, dann passives Überdehnen. Ziemlich untypisch im Vergleich zu den anderen Sprintern. Faul sei Bolt allerdings auch gewesen, habe die 400 Meter vom Aufwärmplatz bis zur Laufbahn ins Stadion ebenso wie seine Gegner mit dem kleinen Golfwagen zurückgelegt. Aber so aufbrausend wie Zehnkämpfer Daley Thompson bei der EM 1986 oder Stabhochspringer Sergej Bubka sei er nicht gewesen.

Middel kann das beurteilen. Er stand in seiner Funktion als Volunteer schließlich direkt daneben. „Ich hätte natürlich auch als interessierter Leichtathlet auf der Tribüne sitzen können. Aber so konnte ich die Sportler hautnah erleben. Zu den besten Athleten der Welt Kontakt zu haben – das ist schon eine tolle Sache. Etwas Besonderes“, sagt Middel.

Trainer von Blindensportler Werner Rathert

Ganz besonders war für den früheren Mathelehrer, der seit Jahrzehnten schon die Pressearbeit für verschiedene Vereine und den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) erledigt, auch die Zusammenarbeit mit Werner Rathert. „Er wurde irgendwann zu schnell für mich. Da musste ich halt das Rad nehmen, um mitzukommen“, sagt Middel, der in den 1970er-Jahren als Trainer des Blindensportlers fungierte, der während dieser Zeit gleich mehrere Weltrekorde aufstellte. 

Heute ist Middel nicht mehr als Trainer tätig. Die Überzeugung, sich für den Sport einsetzen zu müssen, ist aber stärker denn je: „Gerade jetzt, weil Sport in der heutigen, schnelllebigen Zeit ein wichtiger Ausgleich ist. Aber für viele Menschen ist ein Ehrenamt inzwischen kaum mehr möglich. Es fehlt ihnen einfach die Zeit“, sagt Middel. Um sich für seinen Sport einzusetzen, brauchte der Dortmunder keineswegs immer die ganz große Bühne.

Im Westfalenpark von Hunden gejagt

Manchmal genügte schon ein nettes Plätzchen vor der eigenen Haustür. In Middels Fall war dieses Plätzchen der Westfalenpark. Mit ein paar Laufgenossen vom TSC Eintracht suchte er Anfang der 1960er-Jahre eine neue Trainingsstrecke. Warum also nicht einfach eine Runde durch den Westfalenpark drehen? Der bot sich schließlich gleich in mehrfacher Hinsicht an. „Er war nicht weit weg und wir mussten keinen Eintritt zahlen. Wir waren schließlich zu schnell für die Pförtner“, erinnert sich Middel und lacht: „Allerdings haben sie uns dann mit Hunden gejagt. Die Polizei kam und es gab eine Anzeige.“

Weil ihnen die Laufstrecke dennoch zusagte, suchten Middel und seine Mitstreiter kurzerhand eine legale Alternative – und organisierten den Westfalenparklauf. Eine Veranstaltung, die sich schon in den 70er-Jahren zu einem der wichtigsten Langstreckenrennen Deutschlands mauserte, das Starterfeld gespickt mit Spitzensportlern. Vor zwei Jahren fand der Lauf, nach 50 erfolgreichen Jahren, zum vorerst letzten Mal statt – weil sich niemand fand, der die Nachfolge von Middel und seinem Organisationsteam antreten wollte. „Wir haben immer gesagt, dass für uns nach 50 Jahren Schluss ist. Irgendwann muss man auch mal etwas kürzertreten“, sagt Middel.

Bis zu 30.000 Schritte am Tag

Ob er das inzwischen tatsächlich geschafft hat? Da lächelt der 67-Jährige. „Ich laufe zumindest jeden Tag noch meine 20.000 bis 30.000 Schritte, inklusive der Runden um den Phoenixsee.“ Die Arbeit für den Verband und verschiedene Vereine erledigt der Besitzer des FLVW-Ehrenrings für langjährige Mitarbeit natürlich auch weiterhin. Irgendwer muss diese Dinge ja schließlich am Laufen halten.

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