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Fußball: Kreisliga A: SVS-Zwillinge spielen Fußball mit dem Spiegelbild

NORDKIRCHENDie Brüder Robin und Marvin Schulz vom SV Südkirchen sind eineiige Zwillinge und sehen sich zum Verwechseln ähnlich – ein Umstand, der bei Gegnern in der Fußball-Kreisliga B für Verwirrung sorgt. Sie haben nicht nur das gleiche Erbgut, sondern tragen auch die DNA des SV Südkirchen in sich. Was die Zwillinge beim SV Südkirchen erlebt haben, lesen Sie hier.

SVS-Zwillinge spielen Fußball mit dem Spiegelbild
Robin (l.) und Marvin Schulz sind nicht nur Brüder. Sie sind eineiige Zwillinge. Foto: Sebastian Reith

Beide sind in Südkirchen aufgewachsen, halten ihrem Verein bis heute die Treue. In guten, wie in schlechten Zeiten. Verwechslungen gab es auch in ihrer Sportlerkarriere immer wieder: bei Schiedsrichtern, bei Mitspielern, bei Gegenspielern. Bei längerem Hinsehen unterscheiden sich die Zwillinge äußerlich dann doch. 

Bei den Fußballern Robin und Marvin Schulz muss man schon zweimal hingucken, um sie auseinanderzuhalten. Komplizierter wird es für Zuschauer und Gegenspieler auch noch, weil beide auf der gleichen Seite beim SV Südkirchen wirbeln. Marvin Schulz spielt vorne links, sein Bruder Robin meistens hinter ihm.

Verwechslungsgefahr

Unübersichtlich wird es dann, wenn die beiden Brüder mit den Rückennummern 21 und 23 Doppelpässe miteinander spielen, sich der defensivere Robin mit nach vorne einschaltet oder der offensive Marvin sich zurückfallen lässt. Im einheitlichen Trikot, das sich auch in der Größe nicht unterscheidet, ist das Verwirrspiel perfekt.

Verwechslungen sind die beiden 23-Jährigen gewohnt. „Der Schiedsrichter guckt manchmal zweimal hin. Vor allem, wenn er das Passbild zweimal sieht“, sagt Marvin Schulz, der jüngere der beiden. Zehn Minuten liegen zwischen ihm und seinem älteren Bruder Robin. Es habe auch schon Momente gegeben, in denen der eine Bruder eine Verwarnung gesehen hat, die eigentlich für den anderen Zwilling vorgesehen war, erzählen beide.

„Der Schiedsrichter hat auch schon einmal eine falsche Gelbe Karte durch eine Verwechslung gegeben. Angeblich hatte ich mal gemeckert, obwohl ich gar nicht gespielt habe“, sagt Marvin Schulz. Auch schon mal auf den Pass des anderen gespielt? „Die Versuchung war vielleicht mal da. Aber es schadet dem Verein. Wir haben es nie gemacht“, sagt Marvin Schulz.

Nummer als Markenzeichen im Verein

Und der Verwechslungsmarathon geht auf dem Trainingsplatz weiter. „Intern kommen manche an und fragen, was die Arbeit macht. Aber dabei meinten sie meinen Bruder und nicht mich“, sagt Robin, „manche Leute, die hier im Verein sind, können uns nicht auseinanderhalten, nur anhand der Nummer.“

Trainer Jens Kalender ist sich seiner Sache aber sicher. Beide sind ähnlich groß, Marvin mit 1,75 Metern zwei bis drei Zentimeter größer als sein Bruder. Beide haben kurze blonde Haare, beide haben grau-grüne Augen. „Bei der Frisur wird es schwierig“, sagt Kalender und kommt dann doch auf etwas, woran er die beiden unterscheidet: „Der Gesichtsausdruck!“ Charakterlich, bestätigt Kalender, seien sich beide ähnlich. „Sie sind ehrgeizig“, sagt Südkirchens Trainer.

Nur im Doppelpack

Die Zwillinge haben beide Kfz-Mechatroniker gelernt. „Uns gibt es fast nur im Doppelpack“, sagt Marvin Schulz. Das war schon zu Kindestagen so. Am 16. März 1994 wurden beide in Werne geboren. „Von der Spielgruppe bis zur Gesamtschule waren wir immer in der gleichen Klasse. Und alle Lehrer haben uns vertauscht, egal welcher. Bei der weiterführenden Schule war es ganz extrem“, sagt Robin Schulz. Im engen Freundeskreis sei das aber kein Problem, versichern beide. „Aber wenn ich bei Marvin auf der Arbeit vorbeikomme, ist es extrem: Dann fragen sie sich, was der denn hier schon wieder macht. Ansonsten erkennen uns die für uns wichtigen Leute alle“, sagt Robin Schulz.

Wie ist die Ähnlichkeit zu erklären? Ursache: die Natur. Die Eizelle der Mutter teilt sich bei eineiigen Zwillingen in den Tagen nach der Befruchtung – es entstehen zwei Embryos mit gleichem Erbgut. Statistisch gesehen ist Eineiigkeit die deutlich seltenere Zwillingsform. Nur eine von fünf Zwillingsgeburten ist auf eine Eizelle zurückzuführen. Die meisten Zwillinge sind dagegen zweieiig. Tendenz steigend, vor allem aufgrund von medizinischen Fortschritten wie der künstlichen Befruchtung.

Haben es Zwillinge auf dem Feld leichter? „Wenn es möglich ist, spiele ich am liebsten mit Marvin zusammen. In der Jugend waren wir sechs Mal pro Woche auf dem Sportplatz. Der eine weiß genau, was der andere macht. Ich weiß, wie ich ihn anspielen kann“, sagt Robin Schulz. Sechs Jahre war ihr Vater ihr Jugendtrainer beim SV Südkirchen. Unter Klaus Lohmann schaffte Marvin Schulz den Sprung in die erste Mannschaft.

"Besonderes Kennzeichen"

„Unter ihm habe ich sehr viel gelernt. Er hat mich schon an die erste Mannschaft herangeführt“, sagt er. Robins Comeback folgte vor ein paar Jahren. Er hatte pausiert, ist aber jetzt wieder zurück. „Auch unsere Freundinnen sind gut befreundet“, sagt Robin Schulz. Sogar der Musikgeschmack geht nicht weit auseinander. „Musik, Freizeit – wir haben früher als Kinder alles zusammen gemacht“, sagt Marvin zu den ähnlichen Interessen.

Bei aller Gleichheit gibt es Unterschiede, auch äußerlich, die man unter „Besondere Kennzeichen“ wohl früher ins Freundesbuch geschrieben hätte. Marvin Schulz hat sich tätowieren lassen. Auf dem Arm ist die Nordschleife des Nürburgrings konturiert. „Weil ich hobbymäßig öfter mal zur Strecke fahre und auch schon draufgefahren bin“, sagt er.

Eine weitere Tätowierung ist das Datum des ersten Arbeitstages. „Das sind Erinnerungen und Dinge in meinem Leben, die mir schon recht wichtig sind“, sagt er. Marvin Schulz trägt den Bart etwas länger, hat außerdem einen schwarzen Ohrstecker – vielleicht auf den ersten Blick der beste Anhaltspunkt, um beide sofort zu unterscheiden.

Zwangspause für Marvin Schulz

Südkirchener durch und durch sind beide. „Hier will keiner weg. Ich habe immer in Südkirchen gewohnt. Und ohne Fußball geht es nicht“, sagt Robin Schulz. Marvin stimmt ihm zu: „Der Gedanke, mal aus Südkirchen wegzugehen, egal ob es läuft oder nicht, war nie da und wird auch nie da sein.“ Doch ausgerechnet er ist es, der erst mal zugucken muss. Vor ein paar Wochen stellte er sich wieder ins Tor.

„Dann bin ich unglücklich aufs Knie gefallen“, sagt er. Die Diagnose: Hinteres Kreuzband und Meniskus im rechten Knie sind betroffen. Als Südkirchen vor einer Woche in Selm testete, schwenkte Marvin Schulz die Fahne an der Seitenlinie. Nicht mal Lauftraining geht. Bis das Zwillingsduo wieder wirbelt, wird es wohl noch etwas dauern.

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