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Reitsport: Dopingkontrollen bei Pferden als Geduldsprobe

WERNEFußball-Nationaltorwart Manuel Neuer wurde 2010 nach einem Länderspiel nach der Dopingkontrolle gefragt, was denn dabei raus gekommen sei. „Urin“, antwortete Neuer. Das soll im besten Fall auch bei Kontrollen im Pferdesport rauskommen. Nur: Wie der Mensch kann auch das Tier selten auf Kommando. Dann ist Geduld gefragt.

Dopingkontrollen bei Pferden als Geduldsprobe
Jörg Hattebier spritzt Askadina die Beine ab, um den Harndrang zu fördern. Aber auch das hat nichts gebracht. Foto: Christian Greis

Eine halbe Stunde müssen Tierärztin, Reiter und Pferd warten, bis statt einer Urin- eine Blutprobe entnommen werden darf. Am vergangenen Sonntag traf die unangekündigte Kontrolle Jörg Hattebier und seine Stute Askadina, die gerade beim Reitturnier des RV St. Georg Werne eine Springprüfung beendet hatten. Auf dem Weg zum Abreiteplatz tritt die Dortmunder Tierärztin Annette Herling an Hattebier heran, Richter Patrick Quaden im Schlepptau. Er steht als dritte Instanz zwischen Reiter und Ärztin, sodass sich jeder gegenseitig überwachen kann. „Medikationskontrolle“, sagt Herling.

„Ich reite seit ich 14 bin, aber das ist erst meine zweite Kontrolle“, sagt der 36-jährige Kamener wenig später in einer frisch ausgestreuten und geputzten Box auf der Reitanlage in Ehringhausen, die der Veranstalter für die unangekündigten Kontrollen zur Verfügung stellen muss. Im Beisein von Reiter und Richter öffnet die Tierärztin das Kontroll-Kit, das den Ärzten durch den Dachverband der Pferdesportler, die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), zugeschickt wird.

Darin enthalten sind neben den nötigen Formularen, Vakuumspritze, Blutröhrchen und zwei Flaschen für Urin – Probe A und B. Wird Blut gezogen, bilden vier Röhrchen die A- und zwei die B-Probe. Meist findet sich nichts (siehe Infokasten), trotzdem fordert die FN Kontrollen auch auf ländlichen Turnieren wie in Werne. „Es geht um Sensibilisierung. Darum zu wissen, welche Medikamente ohne Einschränkungen gegeben werden dürfen“, sagt Herling.

Sperren und Geldbußen

Viele Medikamente unterliegen einer Karenzzeit, meist entzündungshemmende Mittel. Steigen Reiter zu früh ins Geschehen ein und werden verbotene Substanzen beim Pferd nachgewiesen, drohen Strafen von einem Monat bis zu mehreren Jahren. Bestraft wird nicht der Besitzer, sondern der Reiter, Fahrer ,Voltigierer oder Longenführer. Ihm drohen Sperren und Geldbußen. Auch das Pferd kann unter Umständen gesperrt werden. Leistungssteigernde Substanzen, sprich Doping, sind im Pferdesport am ehesten mit Beruhigungsmitteln denkbar. Das würde längere Sperren nach sich ziehen als Medikationsvergehen.

Wenn es denn läuft, würde sich Urin besser zum Nachweis von Substanzen eignen als Blut. Zwar setzt Askadina zwei Mal an, beim Plätschergeräusch im Auffangbecher Marke Eigenbau ist es aber stets vorbei. „Ich brauche einen Viertel Liter. So reicht das nicht“, sagt Herling. Das frische Stroh, eine Abspritzkur auf dem Hof, selbst die typischen Geräusche, die man bei Kleinkindern anwendet, probiert die Tierärztin aus, aber Askadina will kein Pipi machen. Annette Herling muss eine Blutprobe ziehen.

Reiter Hattebier hätte das Pferd eigentlich längst im Transporter. „Was will man machen? Das gehört eben zum Hobby“, sagt er entspannt. Entspannt bleiben, darf der Kamener, wenn er per Post in den nächsten Wochen keinen Brief bekommt. Dann hat das Labor in Köln, das alle Proben analysiert, die von Tierärzten geschickt werden, nichts gefunden. Falls doch, müsste Hattebier die Analyse der B-Probe beantragen und Stellung nehmen. Bei einer zweiten positiven Probe wäre das Vergehen klar. Negative Proben lassen sich per Download beim westfälischen Pferdesportverband einsehen.

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