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Doppelmord-Prozess gegen Marcel H.: Mutter des getöteten Christopher sagt aus

BOCHUM/HERNE„Lebst Du noch?“, schrieb die Mutter in einer Nachricht an ihren Sohn Christopher. Tagelang hatte sie nichts von ihrem Sohn gehört. Eine Antwort bekam sie auch diesmal nicht. Was die 50-Jährige erst kurz nach dieser Nachricht erfuhr: Christopher war vom mutmaßlichen Täter Marcel H. umgebracht worden.

Mutter des getöteten Christopher sagt aus
Der Angeklagte Marcel H. sitzt am Landgericht in Bochum. Archivfoto: Bernd Thissen/dpa

„Alles gut, mein Kind?“ Als die Mutter des zweiten Opfers im Doppelmord-Fall von Herne am 9. März per WhatsApp diese fürsorgliche Frage absendete, war der 22-Jährige bereits zwei Tage tot. Diese und weitere traurigen Details wurden am Dienstag am 8. Verhandlungstag am Bochumer Landgericht bekannt.

Sieben Monate ist es inzwischen her, dass die Mutter die schockierende Nachricht erhielt, dass ihr Sohn Christopher in Herne-Baukau mit grausamen 68 Messerstichen getötet worden ist. Was die Zeugin (50) über ihren Christopher zu am Dienstag zu berichten hatte, ging tief unter die Haut. „Christopher hat in jedem Menschen immer nur das Gute gesehen. Er war lebensfroh und hilfsbereit, hat jeden und alles vor sich selbst gestellt“, sagte die Mutter. Er habe sogar einmal einen Obdachlosen zu sich eingeladen und dem Mann ein Drei-Gänge-Menu auf einer Tischdecke serviert. „Er wollte einfach, dass es auch diesen Menschen gut geht“, sagte die Mutter. 

Tod von Christopher hat Mutter traumatisiert

Als die 50-Jährige im März seit Tagen von ihrem Sohn nichts gehört hatte, fragte sie am 9. März per WhatsApp nach – erhielt aber keine Nachricht. Dass sie ihrem Sohn ausgerechnet an dem Tag, an dem später tatsächlich herauskommen sollte, dass ihr Sohn umgebracht worden ist, die völlig harmlos gemeinte Zusatzfrage „Lebst Du noch?“ stellte, lässt die 50-Jährige heute beinahe verzweifeln. Die Gewissheit um den Tod ihres Sohnes hat die Mutter traumatisiert. „Mich hat’s voll umgehauen“, sagte die Mutter.

Eine Zeugin aus der Nachbarschaft der Wohnung des zweiten Opfers berichteten den Richtern gestern zudem von Schuldvorwürfen. Die direkte Hausnachbarin hatte offenbar am Morgen der Tötung merkwürdige Geräusche („Das hörte sich nicht freundlich an“) aus der Wohnung des Christopher gehört, letztlich jedoch nichts unternommen. Dass sie nicht weiter gelauscht habe, hätten ihr jedoch ihre schon als Kind gelernten Benimmregeln verboten.

Staatsanwaltschaft sieht Absage der Bundeswehr als Teil des Motivs

Marcel H., der seit zwei Tagen 20 Jahre alt ist, hat über seinen Verteidiger bereits gestanden, am 6. März erst den neunjährigen Nachbarsjungen Jaden und tags darauf seinen Ex-Schulfreund Christopher umgebracht zu haben. Am 9. Verhandlungstag (Donnerstag, 12. Oktober) steht unter anderem die Feuerlegung am zweiten Mord-Tatort sowie die Frage der beruflichen Absage für Marcel H. durch die Bundeswehr im Mittelpunkt. Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklage davon aus, dass die Absage der Bundeswehr unter anderem einer der Gründe war, warum Marcel H. zum Mörder geworden ist. 

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