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Fragen und Antworten: BVB-Aktie: Was ist dran am Mythos vom „Zockerpapier“?

DortmundDie BVB-Aktie galt lange als Papier nur für Zocker und wahre Fans. Das hat sich inzwischen geändert. Und doch ist es keine Aktie wie jede andere.

BVB-Aktie: Was ist dran am Mythos vom „Zockerpapier“?
Mit dem Slogan "Anpfiff! - Der BVB geht an die Börse - jetzt zeichnen!" ermunterte der BVB im Jahr 2000 dazu, Aktien zu kaufen. Foto dpa

Der BVB ist der einzige deutsche Fußballverein, der den Gang aufs Börsenparkett gewagt hat. Seit dem Handelsstart im Jahr 2000 hat der Aktienkurs abenteuerliche Bewegungen hinter sich. 

Warum ist der BVB als einziger Bundesliga-Verein an die Börse gegangen und was hat es ihm gebracht?

Borussia Dortmund hatte sich vom Börsengang im Jahr 2000 den finanziellen und damit auch sportlichen Befreiungsschlag erhofft. Der Verein wollte international ganz vorne mitspielen. „Der BVB ist nun einer der wohlhabendsten Sportvereine der Welt“, sagte der damalige Vereinspräsident Gerd Niebaum zum Börsenstart. Umgerechnet rund 140 Millionen Euro spülte der Verkauf von Aktien in die klamme Vereinskasse. Das Geld wurde in teure Spieler gesteckt, doch die Erfolge blieben aus. Die Vereinsführung musste sich sogar den Vorwurf der Verschwendung und des Missmanagements gefallen lassen. 2005 stand der Verein kurz vor der Pleite. Seitdem gilt der BVB in Sachen Börse als abschreckendes Beispiel für andere Vereine.

Wie hat sich der Aktienkurs seitdem entwickelt?

Verkauft hatte der BVB die Aktie für 11 Euro das Stück, doch gleich nach dem Börsenstart ging es bergab. Mitte 2009 war das Papier nicht einmal mehr 1 Euro wert. „Unter Trainer Jürgen Klopp ist der Erfolg wiedergekommen, das hat natürlich die Attraktivität der Aktie verbessert“, sagt Marcus Silbe von der Investmentbank Oddo Seydler. Er ist einer der wenigen Analysten, die die BVB-Aktie intensiv beobachten. „Die Wachstumsaussichten des BVB waren nie besser als jetzt“, sagte er. Das spiegelt sich auch im Kurs wider: Zuletzt kostete ein Papier wieder gut 5,50 Euro.

Hat der Anschlag die Aktie abstürzen lassen?

Nur kurzzeitig und auch nicht besonders deutlich. Letztlich ging das Papier am ersten Handelstag nach dem Anschlag sogar mit einem Gewinn von 1,7 Prozent aus dem maßgeblichen Xetra-Handel. Ob der Verdächtige wirklich Geld gewonnen hat, ist derzeit unklar.

Passiert es häufiger, dass Spekulanten mit kriminellen Methoden versuchen, Aktien abstürzen zu lassen?

Es gibt immer wieder Fälle, die zumindest im Graubereich liegen. Statt mit Bomben wird mit negativen Meldungen gearbeitet. Vor allem in den USA hat sich eine regelrechte Industrie etabliert, die nach dunklen Flecken in Firmenbilanzen sucht und diese dann öffentlich macht mit dem Ziel, von fallenden Kursen zu profitieren.

Der mutmaßliche BVB-Bomber wollte über Verkaufs- oder auch Put-Optionen viel Geld machen. Wie funktioniert dieses Konstrukt?

Im Grunde handelt es sich um eine Wette: Ein Investor spekuliert darauf, dass ein Kurs fällt, die andere Seite - oft eine Bank - hält dagegen und bekommt dafür eine kleine Prämie. Rutscht nun beispielsweise die BVB-Aktie tatsächlich unter den zwischen beiden Seiten vereinbarten Preis, kann der Investor die Differenz praktisch als Gewinn einstreichen Vor allem wenn der Kursrutsch schnell und heftig ausfällt, rechnet sich das für den Investor. Es winkt ihm die Chance, binnen kürzester Zeit seinen Kapitaleinsatz zu vervielfachen. Anders gesagt: Es lassen sich bei Optionsgeschäften mit vergleichsweise geringen Einsätzen große Summen verdienen. 

Zurück zum BVB. Was bewegt die Aktie?

Es sind die sportlichen Leistungen des BVB. Vor allem Siege oder Niederlagen bei internationalen Veranstaltungen wie der Champions League lassen den Kurs heftig ausschlagen. Denn international winkt das ganz große Geld - und darauf kommt es den Anlegern am Ende an: Auf den Gewinn des Unternehmens Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA.

Ist die BVB-Aktie also nur was für Zocker und Fans?

Früher galt die BVB-Aktie tatsächlich als „Zockerpapier“ oder „Liebhaberaktie“. Das habe sich aber gründlich geändert, sagt Analyst Silbe: „In den letzten fünf, sechs Jahren hat sich der BVB zu einem sehr interessanten Unternehmen entwickelt.“ Es seien längst nicht mehr nur Fans, die die Aktie kauften - die könnten die Millionenumsätze an der Börse auch gar nicht stemmen. „Woran man sehen kann, dass das keine Fan-Aktie ist: Sie ist im SDax“, sagt Silbe. Der SDax gehört zu den vier großen deutschen Aktienindizes.

Wer sind die größten Aktionäre des BVB?

Hauptaktionär ist der Hauptsponsor Evonik. Der Chemiekonzern hatte zig Millionen in den BVB gepumpt und besitzt im Gegenzug nun knapp 15 Prozent der Anteile. Weitere große Aktienpakete halten der Unternehmer Bernd Geske, die Versicherung Signal Iduna, der Sportartikel-Konzern Puma und der Verein Borussia Dortmund selbst. Gut 60 Prozent der Aktien sind jedoch im Streubesitz, also auf viele kleinere Aktionäre verteilt.

Gibt es andere Fußball-Clubs an der Börse?

In Deutschland nicht, auch wenn der FC Bayern München eine Aktiengesellschaft ist. Die Anteile werden jedoch nicht an der Börse gehandelt. International gibt es aber einige Beispiele. Das bekannteste ist Manchester United. Die Aktien der Briten werden seit 2012 an der Wall Street gehandelt und haben seitdem 18 Prozent an Wert gewonnen. Insgesamt ist Manchester United derzeit umgerechnet 2,5 Milliarden Euro schwer. Zum Vergleich: Der BVB kommt auf gut 500 Millionen Euro.

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