Ein Angebot aus dem Medienhaus Lensing

Horrorunfall in Baden-Württemberg: Müllwagen stürzt auf Auto - fünfköpfige Familie stirbt

NAGOLDFünf junge Menschen sind im baden-württembergischen Nagold mit ihrem Auto unterwegs - und kehren nicht mehr nach Hause zurück. Bei der Fahrt über eine Landstraße werden sie von einem umgestürzten Müllwagen zerdrückt. Jetzt stellt sich vor allem eine Frage: Wie konnte das passieren?

1/2
  • Müllwagen stürzt auf Auto - fünfköpfige Familie stirbt
    Ein Müllwagen kippte auf ein Auto und tötete eine fünfköpfige Familie. Foto: Andreas Rosar/dpa

Es klingt wie ein Alptraum: Ein tonnenschwerer Müllwagen kippt auf ein Auto - und begräbt eine Familie unter sich. Alle fünf Insassen sind tot: zwei junge Erwachsene, eine Jugendliche, ein Vorschulkind und ein wenige Wochen alter Säugling.

Das Wrack an der Landestraße 361 am Industriegebiet kurz vor Nagold (Kreis Calw) ist kaum noch als Auto zu erkennen. Lediglich das Nummernschild ist noch lesbar. Neben dem Wagen ist ein herausgerissener Kindersitz zu sehen. Leichter Nieselregen setzt nach dem Unfall ein, es ist kalt.

Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort 

Der Wagen ist in Konstanz zugelassen, die Familie kommt nach Angaben der Polizei aus Singen. „Einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen“, meint ein Beamter.

Die Polizei spricht auch von „einem Bild des Grauens“. Es ist eine Beschreibung, die die Beamten in ihrem Alltag häufig benutzen - doch in diesem Fall trifft sie zu. Die Feuerwehrleute mussten nach ihrem Eintreffen zunächst das begrabene Autowrack und den Müllwagen mit großen dunklen Planen vor neugierigen Blicken abschirmen. Dann galt es, möglichst rasch schweres Gerät heranzuschaffen, um den umgestürzten 26-Tonner wieder aufzurichten - doch das war nicht leicht.

„Es hat eine ganze Weile gedauert, bis der Müllwagen aufgerichtet war und wir an den begrabenen Pkw herankamen“, berichtet der Feuerwehrmann Udo Zink. „Das Dach war völlig eingedrückt“. Die fünf Menschen in dem Auto hatten keine Chance, zu überleben.
 

Rund 40 Kilometer südwestlich von Stuttgart ereignete sich der Unfall.

Rund 40 Kilometer südwestlich von Stuttgart ereignete sich der Unfall  Grafik: A. Brühl/dpa

Es gibt so gut wie keine Augenzeugen

Zu Einzelheiten über Verletzungen und Todesursache will sich Erhard Schulz von der Polizei in Nagold nicht äußern. Selbst ältere Beamte von Polizei und Feuerwehr können sich nicht an einen ähnlichen Unfall in der Region erinnern. Die Frage bohrt: Wie konnte ein solches Unglück geschehen? Das Problem: Es gibt so gut wie keine Augenzeugen.

Im Industriegebiet Nagold sind vor allem mittelständische Unternehmen angesiedelt - Autozubehör, Metallverarbeitung, ein paar Logistiker, aber es gibt auch schicke Büros und Anwaltskanzleien. Eine sterile Gegend. Hier war der Müllwagen auf Tour, bevor er gegen Mittag die Graf-Zeppelin-Straße in Richtung Nagold fuhr.

Kurz vor der Auffahrt auf die Landstraße 361 macht die Straße eine sanfte Kurve - und es herrscht leichtes Gefälle. „Der Fahrer gibt an, es habe Probleme mit der Bremse gegeben“, berichtet Schulz. „Der Wagen habe nicht gebremst, im Gegenteil, er habe weiter beschleunigt.“

Müllwagen müsse schnell gefahren sein

Schulz spricht im Konjunktiv - ob er der Beschreibung Glauben schenkt oder nicht, lässt er bewusst offen. Der Müllwagen müsse schnell gefahren sein, meint er. So schnell, dass er nicht mehr die Kurve auf die L 361 geschafft habe - und stattdessen auf das vorbeifahrende Auto stürzte.

Auf die Frage nach Bremsspuren zuckt der Polizist mit der Schulter und deutet auf die Straße. „Ich sehe hier keine Bremsspuren. Was ich erkenne, sind lediglich Driftspuren.“ Fahrer und Beifahrer des Müllwagens haben den Unfall überlebt, sie seien leicht verletzt. Es gebe einen einzigen Augenzeugen: ein Autofahrer, der in unmittelbarer Nähe fuhr. Ob er etwas zum Unfallhergang sagen kann, ist völlig unklar.

dpa

Zur Startseite >

Themen

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars unsere Kommentarregeln.

Verkehr ohne Verkehrsregeln führt ins Chaos. Internet-Debatten ohne Verhaltensregeln auch. Deshalb gibt es diese Kommentarregeln. Sie definieren den Rahmen, der eine sachliche, niveauvolle, faire und offene Diskussionskultur möglich machen soll. Wir bitten alle Leserinnen und Leser, sich an die folgenden Regeln zu halten:

  • Registrierung: Um bei uns mitdiskutieren zu können, müssen Sie sich registrieren. Bitte tun Sie dies mit Ihrem tatsächlichen Namen. Wir behalten uns das Recht vor, Accounts mit Fantasienamen zu sperren.
  • Seien Sie freundlich, fair und tolerant! Ein guter Umgangston ist die Grundlage für eine gute Diskussion. Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden möchten.
  • Das bedeutet: Keine persönlichen Angriffe auf andere Nutzer! Beleidigende, rassistische, sexistische, vulgäre, hetzerische oder gewaltverherrlichende Töne sind bei uns nicht erwünscht und werden vom Administrator gelöscht. Gleiches gilt für Links auf entsprechende Seiten im Internet.
  • Teilen Sie Informationen mit uns! Schenken Sie uns und den anderen Lesern Ihr Expertenwissen! Schildern Sie uns Ihre Beobachtungen als Augenzeuge! Stellen Sie Fragen und sagen Sie uns, wozu Sie noch mehr erfahren wollen!
  • Das Veröffentlichen urheberrechtlich geschützter Inhalte - zum Beispiel kompletter Artikel anderer Internetseiten - ist nicht erlaubt. Inhalte und Links mit werblichem oder kommerziellem Charakter werden gelöscht.
  • Es ist verboten, private Daten (Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen) zu veröffentlichen.
  • Beachten Sie das Thema einer Diskussion - Off-Topic-Beiträge sind unerwünscht.
  • Mit der Teilnahme an der Diskussion erkennen Sie die Kommentarregeln an. Bei Verstößen kann ein Diskussionsteilnehmer dauerhaft ausgeschlossen werden. Eine Registrierung unter einem anderen Namen wird nicht gestattet.
  • Wir behalten uns vor, einzelne Nutzerbeiträge in anderen Medien zu veröffentlichen. Ein Anspruch auf ein Honorar besteht nicht.
  • Bei technischen Problemen schreiben Sie bitte eine E-Mail an online@ruhrnachrichten.de.
Sie können bis zu 1000 Zeichen als Text schreiben.

Mehr aus diesem Ressort

Auch interessant

Weitere Artikel

Nach Oben
© 2016 Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG