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Piloten melden sich krank: Air Berlin streicht Flüge in Düsseldorf und Berlin

BERLINFluggäste der insolventen Air Berlin waren am Dienstag erneut von Flugausfällen und Verspätungen betroffen. In Düsseldorf und Berlin fielen zahlreiche Flüge aus. Grund: Krankmeldungen von Piloten. Außerdem gibt es Streit um die Langstreckenflüge der Airline.

Air Berlin streicht Flüge in Düsseldorf und Berlin
Auch in Berlin-Tegel fallen zahlreiche Flüge aus. Foto: dpa

Wegen Krankmeldungen zahlreicher Piloten hat Air Berlin am Dienstag rund 100 der geplanten 750 Flüge gestrichen. „Der Grund sind circa 200 Krankmeldungen von Piloten“, sagte Unternehmenssprecher Ralf Kunkel. Air Berlin hat rund 1500 Piloten. Eine so hohe Zahl von Krankmeldungen sei absolut unüblich, hieß es. Allein an den Drehkreuzen Düsseldorf und Berlin-Tegel fielen nach Betreiberangaben jeweils 20 Abflüge aus. Die Airline bat Passagiere, vor der Anfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges unter www.airberlin.com/fluginfo zu prüfen.

Reisenden, die von Streichungen betroffen seien, solle die „bestmögliche Reisealternative“ angeboten werden. Die Airline verwies außerdem auf ihre Infohotline. Dort wird Anrufern allerdings geraten, wegen des erhöhten Anrufaufkommens später anzurufen.

In Düsseldorf bildete sich vor dem Air Berlin-Schalter nach Augenzeugenberichten eine etwa 30 Meter lange Schlange. Fluggäste versuchten umzubuchen, nachdem ihre Maschinen gestrichen worden waren. Nach Angaben eines Flughafensprechers fielen insgesamt 58 Air-Berlin-Flüge unter anderem zu Karibik-Zielen, aber auch auf der Nahstrecke nach Berlin, München und Zürich aus.

Am Airport Köln/Bonn waren laut Flughafen 22 Flüge betroffen, davon 13 Air-Berlin- und 9 Eurowings-Flüge. Die Fluglinie Eurowings setzt gemietete Air-Berlin-Maschinen und Crews ein.  

20 Flüge fallen in Düsseldorf aus

In einer internen Mitteilung der Air Berlin, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wählte Oliver Iffert, der den Flugbetrieb steuert, deutliche Worte: „Heute ist ein Tag, der die Existenz der Air Berlin bedroht.“ Für die Verhandlungen mit Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Unternehmens seien die Ausfälle „pures Gift“, ebenso für das Ziel, dabei so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor über eine „Piloten-Revolte“ berichtet. Grund dafür soll dem Bericht zufolge eine Auseinandersetzung über den Übergang von Piloten der insolventen Airline auf den potenziellen neuen Käufer sein.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) befürchtet, dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. VC-Präsident Ilja Schulz sagte der „Rheinischen Post“ (Dienstag), es bestehe die Sorge, dass mit einer „enormen Preiserhöhung die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden soll, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann“.

Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man insbesondere die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme. „Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen“, sagte Schulz der Zeitung. „Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen.“

Karibik-Programm beendet

Erst am Montag hatte Air Berlin bekanntgegeben, ihr Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancún in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Noch bis zum 15. September können Kaufangebote für die Fluggesellschaft abgegeben werden.

dpa/sag

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