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Prozess in Bochum: Marcel H. gesteht brutalen Doppelmord von Herne

BOCHUMAm Bochumer Landgericht hat der Angeklagte Marcel H. zu Prozessauftakt über seinen Verteidiger gestanden, den neunjährigen Jaden und später den 22-jährigen Christopher umgebracht zu haben. Die Mütter der beiden Getöteten waren ebenfalls im Gerichtssaal. So wurde es emotional - obwohl Marcel H. vollkommen emotionslos blieb.

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  • Marcel H. gesteht brutalen Doppelmord von Herne
    „Er hat mir sein Geständnis praktisch diktiert“, sagte ein Polizeikommissar über den angeklagten Marcel H.. Foto: Jörn Hartwich

„Der Angeklagte betont, dass er den Anklagevorwürfen nicht entgegentritt“, sagte sein Anwalt Michael Emde zum Prozessauftakt am Freitag am Bochumer Landgericht. Zu Einzelheiten wolle der 19-Jährige aber keine Angaben machen - auch nicht zu seinem Lebenslauf. 

„Ich gewichte das als Geständnis“, sagte Emde in einer Prozesspause. Zuvor hatte es Irritationen gegeben, ob die knappe Aussage vor Gericht juristisch als Geständnis gewertet werden kann.  

Die ersten Besucher waren schon um kurz vor sechs Uhr vor dem Eingang des Gerichts. Einige waren in der Nacht sogar extra aus Hamburg angereist, um den Prozessauftakt zu verfolgen. Bereits um kurz nach sieben war klar, dass längst nicht alle auch einen der knapp 60 Plätze im Gerichtssaal bekommen können. Einige trugen extra bedruckte T-Shirts – in Gedenken an Jaden.

"Als Mutter kann man das alles eigentlich nicht verkraften"

Während die Besucher ab halb acht in das Gerichtsgebäude strömten, wurden die Mutter des kleinen Jaden, ihr Ehemann und zwei Brüder durch einen Hintereingang eingelassen. Auch sie wurden intensiv auf Waffen durchsucht – wie alle anderen Prozessbesucher auch.

Auch die Mütter der beiden Opfer waren anwesend. „Eigentlich ist das alles nicht zu ertragen“, sagte die Mutter des kleinen Jaden am Rande des Prozesses. „Aber ich will ihn mit meinen Augen fixieren.“ Ihr Anwalt Reinhard Peters hat inzwischen auch eine Schmerzensgeldklage über 100.000 Euro eingereicht.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Marcel H. ihren Sohn unter einem Vorwand in den Keller seiner ehemaligen Herner Wohnung gelockt hat. Der Junge, der gleich nebenan wohnte, habe ihm beim Aufstellen einer Leiter helfen sollen. Dann soll alles ganz schnell gegangen sein: „Der Angeklagte stach mit einem Klappmesser mit circa neun Zentimeter langer Klinge insgesamt 52 Mal auf das überraschte Kind ein“, heißt es in der Anklage. Das angebliche Motiv: Mordlust. „Er handelte in dem Streben danach, einen Menschen sterben zu sehen“, sagte Staatsanwalt Danyal Maibaum. 

Schulfreund des Angeklagten

Nach der Tat soll Marcel H. Bilder der Kinderleiche verschickt haben, die kurze Zeit später im Internet aufgetaucht sind. Außerdem nahm er eine Sprachnachricht auf, die ebenfalls im Netz zu hören war. Darin heißt es unter anderem „Ich habe hier gerade den Nachbarn umgebracht. Meine Hand blutet jetzt - und das ist das Einzige, was mich gerade stört.“

Das zweite Opfer war ein ehemaliger Schulfreund des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Marcel H. bei dem 22-Jährigen verstecken wollte. Als der jedoch mit der Polizei gedroht habe, soll Marcel H. auch ihn ermordet haben. „Da der Angeklagte nicht verhaftetet werden wollte, entschloss er sich Christopher zu töten“, sagte Ankläger Maibaum. Laut Anklage hatte sich ein Kampf entwickelt, in dessen Verlauf Marcel H. 68 Mal zugestochen haben soll. Außerdem soll er die Geheimnummern für ein Handy und die EC-Karte erpresst haben, ehe er den 22-Jährigen schließlich mit einem Gürtel stranguliert haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Marcel H. noch zwei Tage in der Wohnung des 22-Jährigen versteckt hat.

Der 19-Jährige hatte sich schließlich am 9. März selbst gestellt. Er war am Abend in einem Imbiss aufgetaucht, der ganz in der Nähe des zweiten Tatorts lag. Zuvor soll er in der Wohnung des Christopher W. laut Anklage Feuer gelegt haben, um Spuren zu verwischen. Als Heranwachsendem droht Marcel H. eine Höchststrafe von 15 Jahren. 

Lebenslange Freiheitsstrafe ist möglich

Verteidiger Michael Emde aus Bochum bezeichnete den erst 19-jährigen Marcel H. am Rande des Prozesses als völlig emotionslos. „Wenn er überhaupt Gefühle hat, dann zeigt er sie nicht“, so Emde. Und auf die Frage, ob es überhaupt eine Erklärung für die grausamen Taten gibt, sagte er: „Für mich nicht.“
 



Der Fall Marcel H.: Chronologie der Ereignisse

  • Montag, 6. März: Der mutmaßliche Täter Marcel H. soll den neunjährigen Jaden in Herne unter einem Vorwand ins Haus gelockt und ihn mit 52 Messerstichen getötet haben. Die Polizei teilt am 6. März zunächst mit, dass ein 19-Jähriger aus der Nachbarschaft auf der Flucht sei.
  • Dienstag, 7. März: Die Polizei gibt mehr Details über den Gesuchten bekannt. Der mutmaßliche Mörder, Marcel H., habe sich im Internet mit der Tat gebrüstet und auch Bilder davon online verbreitet, heißt es.
  • Mittwoch, 8. März: Bei der Fahndung durchsuchen Polizisten eine Schule im 25 Kilometer von Herne entfernten Wetter. Ein Passant will den Flüchtigen dort gesehen haben, doch der bleibt verschwunden.
  • Donnerstag, 9. März: Mittlerweile gibt es rund 1400 Hinweise aus der Bevölkerung, doch zunächst noch immer keine heiße Spur. Die Ermittler durchsuchen unter anderem ein Krankenhaus in Mönchengladbach. Am Abend meldet die Polizei: Der mutmaßliche Kindermörder ist gefasst. Er habe sich in einem Imbiss in Herne selbst gestellt, heißt es. In einer brennenden Wohnung wird ein weiterer Toter entdeckt – Marcel H. selbst hatte den Hinweis darauf gegeben. Dort soll er den 22-jährigen Christopher – einen alten Schulfreund, bei dem er sich versteckt hielt – zuvor mit 68 Stichen umgebracht haben.
  • Freitag, 10. März: Der mutmaßliche Kindermörder wird von der Polizei vernommen. Welchen Zusammenhang es zwischen beiden Fällen gibt, bleibt zunächst ungeklärt. Der junge Mann sei nach seinen Aussagen in der Vernehmung nicht nur von gescheiterten Bewerbungen unter anderem als Zeitsoldat bei der Bundeswehr frustriert gewesen. Der 19-Jährige sei zudem dabei gewesen, mit den Eltern in eine Nachbarstadt Hernes umzuziehen. In dem Zusammenhang habe er befürchtet, den Zugang zum Internet zu verlieren.
  • Montag, 3. Juli: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Marcel H.. Sie wirft ihm als Motiv Mordlust vor.
  • Freitag, 8. September: Der Prozess gegen Marcel H. beginnt in Bochum. Er legt über seinen Anwalt ein Geständnis ab. Und lässt ausrichten, "dass er den Anklagevorwürfen nicht entgegentritt“.

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