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Bäume stürzen auf Wohnwagen: Unwetter wüten auf Campingplatz in Italien

Venedig/DortmundUnwetter mit starkem Wind und Regen haben im Norden Italiens Campingplätze unter Wasser gesetzt und das Stromnetz lahmgelegt. An der bei Touristen beliebten Küste bei Venedig wurden mehrere Menschen verletzt. Familien aus Dortmund und Dorsten erlebte das Unwetter hautnah - und berichten.

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  • Unwetter wüten auf Campingplatz in Italien
    Eine Frau geht auf dem Campingplatz Sant Angelo Village in Cavallino bei Venedig an umgestürzten Bäumen vorbei. Foto: Michael Krämer

Heftige Unwetter mit starkem Wind, Regen, Hagel und Gewitter sind über Norditalien hinweg gezogen. Im äußersten Nordosten des Landes saßen 70.000 Stromkunden am Donnerstagabend im Dunkeln. Campingplätze an der Adriaküste nahe Venedig wurden unter Wasser gesetzt, zahlreiche Bäume stürzten um. Mehrere Menschen wurden verletzt.

"Ich habe das Gewitter über dem Meer heranziehen sehen und bin zum Campingplatz gelaufen. Die Bäume um mich herum stürzten um, und einer traf eine 42-jährige Touristin", sagte ein Feuerwehrmann, der in dem Ort Jesolo Ferien machte, der Zeitung "Corriere della Sera". Zusammen mit einem Arzt habe er am Donnerstag die Äste durchbrochen, bis die Frau befreit war. Die Verletzte hätten sie dann auf einem Surfbrett zum Strand transportiert, von wo aus sie mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde.

Familie aus Dortmund will abreisen

Eine Dortmunder Familie, die auf der Halbinsel vor Venedig Urlaub macht, berichtet auf "DerWesten", wie plötzlich Bäume umfielen und auf die Wohnwagen der Camper krachten. Man habe zunächst ein ein Erdbeben geglaubt. Die Familie mit drei Kindern blieb unverletzt, will ihren Urlaub nun aber vorzeitig abbrechen, sobald man den Campingplatz wieder verlassen könne. 

Um die 50 Menschen hätten sich an die Unfallstellen der umliegenden Krankenhäuser gewandt, nachdem über die Orte Caorle, Jesolo und San Michele al Tagliamento an der Adriaküste eine Windhose gezogen war. Die Menschen waren von umherfliegenden Gegenständen getroffen worden. Die meisten seien leicht verletzt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Tochter weinte im Wohnwagen vor Todesangst

Denise und Josef Krüskemper und ihre Töchter Marie und Lena aus Dorsten sind ebenfalls noch bis Sonntag auf einem Campingplatz bei Venedig in Cavallino. Camper sind sie erst seit drei  Jahren. „Wir haben mit Campern gesprochen, die seit 30 Jahren hier Urlaub machen. Sie haben gesagt, so ein Unwetter hätten sie noch nie in Italien erlebt", berichten sie. „Wir habe eine Viertelstunde lang unsere Markise am Wohnwagen festhalten müssen, weil der Wind sie sonst mitsamt der Wohnwagenwand abgerissen hätte. Dabei sind wir tropfnass geworden“, sagte Denise Krüskemper. Die ältere Tochter Marie habe im Wohnwagen die Dachluke festgehalten, damit diese nicht abriss, die jüngere habe die ganze Zeit sehr geweint, weil sie Todesangst hatte. Dennoch wolle man im nächsten Tag wiederkommen. 

„Der Tornado hat eine 200 Meter breite Schneise gerissen, Tretboote vom Strand hoben vom Boden ab und wurden bis zum Campingplatz geschleudet, Bäume stürzten auf Autos. Aus einem völlig zerstörten Wohnwagen aus der Nachbarschaft konnten zwei Kinder unverletzt befreit werden“, so Denise Krüskemper.

In Portogruaro deckte der starke Wind einen Supermarkt ab, in Caorle wurden Unterkünfte und Strandbäder in Mitleidenschaft gezogen, wie "Corriere della Sera" berichtete. Die Schäden werden in der Region Venetien auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

Unwetter auch an der Grenze zu Österreich

Unwetter wüteten am Donnerstag auch in der Region Friaul-Julisch Venetien, die an der Grenze zu Österreich und Slowenien liegt. Das Stromnetz brach zusammen, 70 000 Kunden waren betroffen, wie der Versorger e-distribuzione mitteilte. Rund 500 Techniker waren im Einsatz, am Freitagmorgen war ein Großteil der Haushalte wieder versorgt. 18 000 Kunden mussten allerdings noch ohne Strom ausharren.

Während die Feuerwehren im Norden wegen Unwetterschäden im Einsatz waren, hielten bereits am Freitagvormittag mehr als 100 Wald- und Buschbrände in südlicheren Regionen die Kräfte auf Trab. Die Temperaturen mäßigen sich zum Wochenende hin aber auch dort. Hatte das Gesundheitsministerium in den vergangenen Tagen noch die höchste Hitzewarnstufe für mehr als ein Dutzend Städte verhängt, gilt diese jetzt nur noch für das sizilianische Catania und Bari in der Region Apulien.

Auch Österreich ist erneut von schweren Unwettern mit Sturmböen heimgesucht worden. In der Nacht zu Freitag regnete es wieder heftig. Der Wind zog nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde durch das Land. Die Feuerwehren waren wegen Schlammlawinen, umgestürzter Bäume und überfluteter Straßen im Dauereinsatz. In mehreren Bundesländern kam es zu Unterbrechungen von Bahnverbindungen. Erstmals waren die Wetterkapriolen auch in Wien zu spüren. Österreich hat seit knapp einer Woche mit Unwettern zu kämpfen.

Mit Material von dpa

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