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Das BVB-Interview: Watzke: "Wir werden in Ruhe miteinander reden"

DortmundDie über die Video-Bilder aus dem Stadion identifizierten Straftäter könnte auch eine Regressforderung des BVB erwarten, kündigt Hans-Joachim Watzke an. Im zweiten Teil des großen Interviews mit Dirk Krampe und Jürgen Koers äußert sich der BVB-Geschäftsführer zudem zur Zukunft von Trainer Thomas Tuchel und zu geplanten Veränderungen des Kaders im Sommer.

Watzke: "Wir werden in Ruhe miteinander reden"
„Wir müssen aber auch schauen, ob wir uns in der strategischen Ausrichtung des Klubs einig sind, bei kommunikativen Themen, bei tausend Dingen“, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über anstehende Vertragsgespräche mit Thomas Tuchel. Foto: imago

DFB-Präsident Grindel hat den „Aufstand der Anständigen“ gefordert. Ein frommer Wunsch?

Wir haben lange über das Urteil diskutiert und hatten das Gefühl, es hier mit einer sehr harten Kollektivstrafe zu tun zu haben. Wenn mehr als 24 000 komplett Unbeteiligte, Anständige ausgeschlossen werden, das ist schon ein krasses Urteil. Auf der anderen Seite wussten wir auch, dass ein Nicht-Akzeptieren dieser Strafe in der Gesellschaft verheerend angekommen wäre. Wir hatten keine Alternative, die öffentliche Meinung hätte uns vernichtet. Kämpfe, die man nicht gewinnen kann, muss man auch nicht führen. Demzufolge haben wir uns dafür entschieden. Ich stand selbst 15 Jahre auf der „Süd“, wenn ich früher da ausgeschlossen worden wäre, das hätte ich auch nicht verstanden. Aber auf der „Süd“ wird es eine Klärung geben, davon bin ich überzeugt.

Die Rechtsprechung ermöglicht es, dass die Täter Schadenersatz leisten müssen. Holen Sie sich das Geld zurück?

Grundsätzlich ist das unser Anliegen, wir haben das übrigens auch schon häufiger so gemacht! Es gibt in diesem Fall aber zwei Probleme: Die Geldstrafe und die Ausfälle bei den Einnahmen müssten wir differenzieren in dem Sinne, welche Strafe es für welches Vergehen gibt. Da das DFB-Urteil aber bekanntlich sehr pauschal ist und verschiedene Vergehen zusammenfasst, ohne sie einzeln zu bewerten, haben wir da ein Problem. Das zweite Problem ist, dass wir unter Umständen eine Menge von Prozessen führen, die womöglich auch gewinnen könnten, aber bei den Tätern dann gar nichts zu holen wäre, weil sie nicht zahlen können. Wir werden das juristisch prüfen.


Wie hoch beziffern Sie den Schaden für Borussia Dortmund?

Den ökonomischen Schaden beziffern wir auf eine halbe Million Euro. Der Imageschaden ist zusätzlich auch da. Auf der anderen Seite: Alle, die sich mit dem BVB beschäftigen, die wissen, was wir an Integrations-, an Präventiv-, an Anti-Diskriminierungs-Arbeit leisten, die wissen auch, dass Borussia Dortmund immer auf der richtigen Seite steht. Das werden wir auch wieder hinbekommen. Wichtig ist, dass wir nicht alleine gelassen werden und intern den Klärungsprozess vorantreiben.

Wir würden mit Ihnen gerne auch noch über Sportliches reden....

In dieser Hinsicht gab es schon schlimmere Momente, nach Darmstadt wäre mir das Gespräch deutlich schwerer gefallen.


Die Situation mit Platz drei in der Bundesliga, dem Achtelfinale in der Champions League und dem Viertelfinale im DFB-Pokal ist okay. Trotzdem gibt der BVB nach außen kein harmonisches Bild ab. Können Sie das nachempfinden und erklären?

Wenn Sie alles, was in den letzten Monaten gesagt worden ist, übereinanderlegen, dann glaube ich nicht, dass ich mir einen Vorwurf machen muss. Die Kommunikation bei Borussia Dortmund ist von meiner Seite aus stringent. Da ist es in den letzten zehn Jahren nie zu Irritationen gekommen! Manchmal drückt sich vielleicht jemand missverständlich aus, aber in der Sache selbst gibt es doch gar keine Irritationen.


Können Sie ein Beispiel geben?

Vor der Saison haben wir wenig überraschend gesagt, unser Ziel ist es, uns direkt für die Champions League zu qualifizieren. Im Winter haben wir uns wieder zusammengesetzt, der Trainer, der Sportdirektor und ich. Wir waren uns einig, dass wir an den Zielen nichts ändern müssen. Und vor einer Woche hat Thomas Tuchel selbst gesagt, dass wir „mindestens Dritter“ werden möchten. Es gibt da also keinen Dissens. Thomas Tuchel erkennt auch, wie wichtig eine gemeinsame Kommunikation ist.

Gehen Sie mit Thomas Tuchel in dessen letztes Vertragsjahr, ohne die Zukunft geklärt zu haben?

Nein, diese Aussage steht. Thomas hat in einem Interview allerdings ja bekanntermaßen selbst den Wunsch geäußert, dass er erst unmittelbar nach der Saison mit uns sprechen möchte, weil er sich in der Saison voll auf den Sport konzentrieren will. Er hat darum geworben, dass wir dies akzeptieren. Und sein Wunsch ist auch total nachvollziehbar. Die Saison endet meines Wissens Ende Mai, dann ist genug Zeit, bis am 1. Juli das letzte Vertragsjahr beginnt. Es wird in dieser Zeit Gespräche geben. Ganz unaufgeregt.


Was würde es bedeuten, wenn sie sich nicht über eine Vertragsverlängerung einig werden?

Wir werden die Gespräche erst einmal führen. Denn dazu sind sie da. Fakt ist, dass Thomas Tuchel ein außergewöhnlich guter Trainer ist! Wir müssen aber auch schauen, ob wir uns in der strategischen Ausrichtung des Klubs einig sind, bei kommunikativen Themen, bei tausend Dingen. Das werden wir in Ruhe und seriös miteinander besprechen. Und das ist in jedem Klub völlig normal.

Sie haben mit Alexander Isak einen Transfer für die Zukunft getätigt, der Wechsel von Ömer Toprak ist auch eingetütet. Wo sehen Sie noch Potenzial für Verbesserungen?

Es wird sicher nicht so viele Transfer-Aktivitäten wie im letzten Jahr geben. Wir wollen den Kader noch einen Tick schlagkräftiger machen, vielleicht einen Mentalitätsspieler holen. Die wachsen allerdings auch nicht auf Bäumen. Wir hatten in der Vergangenheit eine Menge Ideen, und die allermeisten waren offensichtlicht nicht so schlecht.


Der Name Mahmoud Dahoud schwirrt im Raum herum.

Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu diesen ganzen Transfer-Gerüchten.


In dem großen Kader gibt es zwangsläufig Unzufriedene. Erwarten Sie, dass Spieler gehen möchten?

Speziell im Offensivbereich haben wir tendenziell zu viele Spieler. Dort kann etwas passieren. Wir haben in diesem Umbruchjahr gesehen, wer uns bereits weiterhelfen kann und wer aktuell noch nicht.

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