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Ex-BVB-Spieler: Steffen Freund über Tottenham und Dembele

DORTMUNDDen heutigen BVB-Gegner kennt Steffen Freund wie seine Westentasche. Der ehemalige BVB-Profi wechselte im Januar 1999 zu Tottenham und spielte vier Jahre lang für die Spurs. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er noch als Co-Trainer an der White Hart Lane. Dirk Krampe hat mit dem 47-Jährigen über den heutigen Auftakt in der Champions League gesprochen.

Steffen Freund über Tottenham und Dembele
In der Saison 2012/13 stand der frühere Dortmunder Steffen Freund als Co-Trainer von Andre Villas-Boas bei Tottenham unter Vertrag. Foto: imago

Wie intensiv verfolgen Sie den Klub heute noch?
Es waren am Ende fast acht Jahre, die ich bei den Spurs war. Das gibt es heutzutage ja nicht mehr allzu oft. Dafür werde ich auch heute noch wiedererkannt, wenn ich mal dort bin (lacht). Allein schon deshalb wird die White Hart Lane für mich auch immer ein bisschen „zu Hause“ sein. Generell schaue ich bei allen meinen Ex-Vereinen etwas genauer hin und fiebere mit ihnen mit. Daher wird der Mittwoch wieder ein ganz schwerer Abend für mich.


Vor zwei Jahren hat der BVB die beiden K.o.-Spiele gegen Tottenham dominiert und sich sicher durchgesetzt. Ein Muster ohne Wert?
Ja. Und wissen Sie, warum? Man ist damals in der Europa League aufeinandergetroffen. In Deutschland hat auch dieser Wettbewerb einen gewissen Stellenwert. In England aber zählt nur die Champions League. Mauricio Pocettino, Tottenhams Trainer, hat damals in beiden Spielen nicht seine beste Mannschaft aufgestellt. Das wird am Mittwoch anders sein.

 
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Tottenham spielt während des Stadion-Neubaus in Wembley und fremdelt ein wenig mit der Spielstätte. Welche Rolle könnte das spielen?
Seit dem Umzug haben sie dort nur ein Spiel gewonnen. Das könnte also tatsächlich ein Faktor sein. Es ist gleich zum Auftakt der Gruppenphase für beide ein sehr wichtiges Spiel. Auch wenn sich Real Madrid bestimmt nicht über das Los Dortmund gefreut haben wird, sind sie für mich das Maß aller Dinge. Es dürfte also zwischen Tottenham und Dortmund um Platz zwei in der Gruppe gehen.


Wie haben es die Spurs geschafft, in den Kreis der finanzstärkeren Vereine in England vorzudringen?
Durch gute Arbeit, Kontinuität und ein bisschen Glück. Tottenham ist ein bisschen wie Schalke, da ist die Erwartungshaltung und der Druck immer sehr groß. Als ich dort war, brauchten sie unbedingt mal einen Trainer, der etwas aufbauen und entwickeln kann. Einer, dem sie länger vertrauen. Dann kam Pochettino, der es gewiss nicht leicht hatte am Anfang. Aber er hat einen klaren Plan, eine hohe Fußball-Kompetenz. Und sie haben auch gut gescoutet. Soll ich ein Beispiel geben?


Gerne…
Sie haben jetzt Kyle Walker an Manchester City verloren und dafür gutes Geld kassiert. 50 Millionen Euro. Auf den qualitativen Verlust aber haben sie sich schon seit zwei Jahren vorbereitet. In der Zeit haben sie Kieran Trippier zu einem fast gleichwertigen Ersatz entwickelt, und in Kyle Walker-Perez steht ein riesengroßes Talent dahinter. Somit fällt der Verlust von Walker gar nicht so sehr ins Gewicht.

Teuerster Neuzugang ist Davinson Sanchez, den BVB-Trainer Peter Bosz von Ajax kennt. Insgesamt hat Tottenham sogar einen Transferüberschuss entwickelt. Warum haben sie sich auf dem Markt zurückgehalten?
Sie mussten nur gezielt auf wenigen Positionen tätig werden, weil es Pochettino gelungen ist, bis auf Walker alle Stammspieler zu halten. Man ist dort mittlerweile wieder stolz, für diesen Klub zu spielen. Das hat Pochettino super in den Griff bekommen. Schauen Sie mal auf Arsenal. Was für ein Theater! Früher war es umgekehrt, da war die Unruhe immer bei den Spurs groß.


Was zeichnet Pochettinos Mannschaft generell aus?
Sie pressen sehr früh, stehen sehr hoch. Und aus Ballgewinnen können sie blitzschnell nach vorne spielen. Tottenham hat die beste Offensive der Premier League gestellt in der vergangenen Saison, sie haben aber auch die beste Defensive gehabt. Das heißt, sie sichern ihr Pressing auch noch gut ab, sind sehr kampfstark und stehen sehr kompakt.


Dortmund spielt unter Peter Bosz in einem 4-3-3. Wie wird Tottenham agieren?
Sie haben in Everton jetzt mit einer Dreierkette sehr erfolgreich gespielt. Es wäre eine Variante, bei der sie noch offensiver aufgestellt wären als im normalen 4-2-3-1.


In Dele Alli fehlt gegen den BVB ein spektakulärer Offensivspieler wegen einer Rotsperre. Wie weh tut das den Spurs?
Er sitzt eine Drei-Spiele-Sperre aus der Europa League ab, als er sich gegen Gent ein ziemlich übles Foul geleistet hat. Man kann ihn in einem Spiel ersetzen, aber in drei der sechs Gruppenspiele? Das könnte ein entscheidendes Handicap sein. Alli bildet mit Harry Kane ein kongeniales Duo, überhaupt besticht die Offensive dadurch, dass alle Spieler sehr beweglich sind und viel rotieren. Dass Alli fehlt, ist für die Spurs eine Katastrophe, auch wenn Pochettino noch gute Alternativen hat. Sissoko hat es nicht ganz leicht gehabt, ich halte aber sehr viel von ihm. Auch Son hat ja Qualitäten.

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BVB-Abschlusstraining vor dem Spiel bei den Tottenham Hotspur
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Der BVB auf dem Weg zum Spiel bei den Tottenham Hotspur

Alli ist jetzt durch die „Mittelfinger-Affäre“ auch in der Nationalmannschaft negativ aufgefallen…
Ich würde das nicht zu hoch hängen. Dele ist bereits jetzt einer der Spieler, die den Unterschied machen. Er kann dafür sorgen, dass Tottenham endlich wieder einen Titel gewinnt.


Borussia Dortmund wird künftig ohne Ousmane Dembele spielen müssen. Wie schwer wiegt das?
Er ist auch ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Ich will ehrlich sein: Ich hätte es sehr gerne gesehen, wenn Dortmund hart geblieben wäre und ihn nicht verkauft hätte. Der BVB ist doch auf dem Weg, die Abstände zu den Top-Acht in Europa immer weiter zu verkürzen. Wenn sie richtig weit kommen wollen, brauchen sie Spieler seines Formats.


Wie bewerten Sie seinen Trainingsstreik?
Mir gefällt diese Entwicklung nicht. Und wenn ich höre, Barcelona hatte mit dem Streik nichts zu tun, das ist doch völlig lächerlich. Es gab mal Regeln, doch die sind wohl außer Kraft gesetzt. Dembélé hatte noch einen gültigen Vertrag über vier Jahre. So ein Spieler wäre früher nie angesprochen worden. Der Fußball darf den Faustpfand des gültigen Vertrages nicht so leichtfertig aus der Hand geben. Ich sehe da auch die Uefa in der Pflicht. Sperre für den Spieler, Transfersperre für Barcelona, das hätte ein Zeichen gesetzt.


Und am Ende hat der Spieler dann noch sein Ziel erreicht…
Ja, und ich finde, das ist ein gefährlicher Weg. Wenn man früher einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat, wusste man, ich spiele da jetzt mindestens zwei oder drei Jahre. Der Fußball ist vor allem ein großes Geschäft geworden, da hängen an jedem Spieler auch noch Berater, die mitverdienen wollen. Man muss aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen.

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