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Chronologie: BVB-Anschlag aus Geldgier - der Tag im Überblick

BERLINNach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat die Polizei in Tübingen am Freitagmorgen einen Tatverdächtigen festgenommen. Am Nachmittag erließ ein Richter einen Haftbefehl gegen den 28-Jährigen. Er wettete offenbar auf den Kursabsturz der BVB-Aktie und nahm dabei Tote und Verletzte in Kauf. Wir habe den ganzen Tag aktuell im Ticker berichtet.

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  • BVB-Anschlag aus Geldgier - der Tag im Überblick
    Der Anschlag auf den BVB-Bus ereignete sich am 11. April in unmittelbarer Nähe des Mannschaftshotels. Foto: dpa

Das Wichtigste in Kürze:

  • ein 28-Jähriger wurde am Freitagmorgen in Tübingen festgenommen, er soll für die Explosionen am BVB-Bus verantwortlich sein. Er stammt aus Baden-Württemberg und soll Elektriker in einem Heizwerk gearbeitet haben, daher wohl sein technisches Know-How beim Bau der Sprengkörper.
  • Am Nachmittag wurde Haftbefehl gegen den Mann erlassen. 
  • Der Mann soll Verkaufsoptionen für Aktien im Wert von mehreren tausend Euro gekauft und auf Kursverluste spekuliert haben.
  • Laut Bundesanwaltschaft gebe es aktuell keine Hinweise auf Komplizen des Mannes. 
  • Der Verdächtige sei bereits seit mehreren Tagen intensiv beobachtet worden, einen ersten Hinweis habe es bereits in der vergangen Woche gegeben, sagte Innenminister Thomas de Maizière. Mit dem Bekennerschreiben am Tatort auf islamistische Täter zu verweisen, sei außerdem "besonders perfide".
  • Die Zündungen am BVB-Bus seien präzise geplant gewesen, so die Bundesanwaltschaft, einer der Sprengkörper war aber zu hoch angebracht, er entfaltete nicht seine volle Wirkung. Die Ermittlungen zum Art des Sprengstoffs dauern an. 
  • NRW-Innenminister Ralf Jäger spricht von einer "guten Nachricht für den Fußball", er sagte weiterhin, er sei von der "Schuld des Tatverdächtigen überzeugt"
  • BVB-Kapitän Marcel Schmelzer sagte, eine lückenlose Aufklärung würde für alle Betroffenen "den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern". 
  • Der BVB will eine eigene Sicherheits-Abteilung einrichten. Dafür sind laut Geschäftsführer Watzke auch ehemalige GSG9-Leute im Gespräch.

 

18.37: Wir beenden an dieser Stelle jetzt unseren Live-Ticker.

Eine Zusammenfassung und die weitere aktuelle Entwicklung finden Sie hier:

 

17.49 Uhr:  Haftbefehl gegen Tatverdächtigen erlassen

Gegen den festgenommenen 28-Jährigen ist am Freitagnachmittag Haftbefehl erlassen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Der Mann sei dringend tatverdächtig. Sergej W. wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. 

 

17.44 Uhr: BVB-Bus in der nächsten Woche wohl einsatzfähig

Der bei dem Anschlag schwer beschädigte Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist wohl in der kommenden Woche wieder einsatzfähig. Die zerstörten Scheiben werden dann ausgetauscht sein ebenso wie die durch die drei Sprengsätze beschädigten Sitze. Die Beulen und Lackschäden werden ausgebessert. Wie es hieß, hat die Polizei auch die Bordelektronik des Busses, die quasi wie eine kleine Black Box in Flugzeugen funktioniert, ausgebaut. Zwar wurde eine neue Elektronik eingebaut, aber nicht programmiert. Das hatte auch zur Folge, dass der Bus bei der Rekonstruktion des Anschlags am vergangenen Dienstagabend nicht funktionierte. 

 

17.07: Auch bei den Fans ist die Erleichterung groß

Millionen BVB-Fans waren nach dem Anschlag beunruhigt, betroffen, aber auch verärgert. Umso größer ist auch bei ihnen, so der allgemeine Tenor, die Erleichterung, dass der Täter wohl gefasst ist. „Es ist für alle Fans gut, dass die Unsicherheit nun weg ist“, sagt Thilo Danielsmeyer vom Fan-Projekt Dortmund. „Was viele umtrieben hat: Sie wollten die Freude an diesem Spiel nicht verlieren.“ Viele Fans hätten die Sorge geäußert, dass die Sicherheitsvorkehrungen nun noch größer werden, und der Sport noch weiter in den Hintergrund rücke.

 

16.49: Unser Reporter Dirk Krampe meldet sich mit Neuigkeiten

 

16.43: Frühere GSG9-Leute sollen beim BVB für Sicherheit sorgen 

Borussia Dortmund will die Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöhen. „Wir werden viel Geld in die Hand nehmen, um die Sicherheitssituation der Mannschaft weiter zu verbessern“, sagte der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Hans-Joachim Watzke der „Süddeutschen Zeitung“. Borussia Dortmund werde im Unternehmen eine eigene Abteilung Sicherheit einrichten. „Ich habe in den letzten Tagen bereits Vorstellungsgespräche mit Sicherheits-Experten geführt, die wir dafür einstellen wollen, etwa mit früheren GSG9- und BKA-Leuten“, wird Watzke in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. „Die Entwicklungen zwingen uns offenbar dazu, Sicherheitsmaßnahmen in ganz neuem Stil zu ergreifen.“

 

16.22 Uhr: Tatverdächtiger soll Soldat gewesen sein

Der Tatverdächtige ist einem Medienbericht zufolge Soldat bei der Bundeswehr gewesen. Der 28-Jährige leistete von April bis Dezember 2008 seinen Grundwehrdienst beim Lazarettregiment in Dornstadt bei Ulm ab, wie  „Der Spiegel“ berichtet. Währenddessen soll er unter anderem in einer Unterstützungseinheit für die Sanitäter der Bundeswehr tätig gewesen sein, die sich um die Instandsetzung der Elektrotechnik kümmerte. Während seiner dreimonatigen Grundausbildung wurde er auch - wie üblich - im Umgang mit Waffen geschult. 

 

16.09 Uhr: Das sagt BVB-Trainer Thomas Tuchel zur Festnahme

Am Freitagnachmittag hat sich BVB-Coach Thomas Tuchel zur Festnahme des Tatverdächtigen geäußert. Natürlich ging es in der Pressekonferenz auch um das Spiel am Samstag gegen Mönchengladbach.

 

15.47 Uhr: Politiker und Prominente erleichtert nach Festnahme

Auf die Nachricht, dass der mutmaßliche BVB-Bomber festgenommen worden ist, haben Politiker und Prominente erleichtert reagiert. Wir haben einige Reaktionen in einer Fotostrecke gesammelt. 

7 Bilder
Das sagen Prominente nach der Festnahme des Tatverdächtigen

 

 

15.12 Uhr: "Aufklärung für uns alle wichtig"

"Ich bin überzeugt, dass die Aufklärung für uns alle sehr wichtig sind - und es scheint ja so, dass wir kurz davor sind", sagt BVB-Trainer Thomas Tuchel am Freitag bei der BVB-Pressekonferenz. Ihm ginge es gut, aber für alle seine Spieler könne er das nicht sicher sagen. Der BVB wolle am Samstag ein Tageshotel beziehen", sagte Tuchel weiter. Das Spiel in Gladbach könne nicht losgelöst von den Ereignissen betrachtet werden.

 

15.09 Uhr: BVB-Pressekonferenz vor nächstem Spiel

Vor dem nächsten BVB-Spiel am Samstag äußert sich auch Thomas Tuchel in einer Pressekonferenz. Die Details folgen.


 

15.05 Uhr: Wenn sich das auf dem Platz zeigt - freuen wir uns gemeinsam

Auch Dortmunds Oberbürgermeister Ulrich Sierau ist erleichtert, über die Ergreifung des mutmaßlichen Täters. „Das ist eine sehr gute  Nachricht. Man ist fassungslos angesichts der perfiden Motivation und der  Tathintergründe, die offenbar ausschließlich in Habgier und Gewinnsucht zu  sehen sind.“ Die Nachricht gebe Vertrauen in die  Ermittlungsarbeit der Behörden und beseitige die Ungewissheit und sei sicher auch für die Aufarbeitung der Ereignisse wichtig.  „Ich wünschen jedem einzelnen Spieler viel Erfolg bei der Aufarbeitung der  Ereignisse", so Sierau weiter. Wenn sie sich dann in zurückgewonnener Unbeschwertheit auch  auf dem Platz äußert, werden wir uns alle gemeinsam freuen.“


14.45 Uhr: Ermittlungen konzentrieren sich auf vier Orte

Die Ermittlungen zu dem Verdächtigen konzentrieren sich auf vier Orte in Baden-Württemberg. Nach dpa-Informationen ist der 28-Jährige mit Erstwohnsitz in Freudenstadt gemeldet. In Rottenburg am Neckar gibt es eine Wohnung, die er häufig genutzt haben soll, ohne aber dort aber gemeldet gewesen zu sein. In Tübingen hatte der 28-Jährige seinen Arbeitsplatz in einem Heizwerk. In dem kleinen Ort Haiterbach (Landkreis Calw) lebt offenbar eine Freundin oder Ex-Freundin des Tatverdächtigen.  

 

14.40 Uhr: Verdächtiger auf dem Weg zur Arbeit gefasst

Der 28-Jährige Tatverdächtige wurde auf dem Unigelände in Tübingen gefasst - er war auf dem Weg zur Arbeit, schreibt die Stuttgarter Zeitung

 

14.25 Uhr: "Das geht über jegliche Vorstellung hinaus"

Im Jahr 2000 ging der BVB als erster und bis heute einziger deutscher Sportverein an die Börse, federführend waren der damalige Präsident Dr. Gerd Niebaum und der BVB-Manager Michael Meier. „Dass es kriminelle Akte auch bei anderen börsennotierten Unternehmen gibt, war bekannt“, so Meier gegenüber unserer Redaktion, „dabei ging es aber eher um den Lebensmittelbereich oder Produktschädigung.“ Der Sprengstoffanschlag jedoch, bei dem zwei Menschen verletzt wurden und viele mehr hätten getötet werden können, um den Kurs zu manipulieren, sei „von ganz anderer Dimension. An so etwas haben wir nicht gedacht. Das geht über jegliche Vorstellung hinaus.“ 

 

14.18 Uhr Bekennerschreiben am Tatort - "besonders perfide" 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Bekennerschreiben nach dem Anschlag auf den BVB-Bus als „besonders perfide Art, mit der Angst der Bevölkerung zu spielen“ verurteilt. Wenn sich der Verdacht der Ermittler bestätige, habe der Täter versucht, sich als Terrorist auszugeben, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Das zeige, dass es richtig sei, in alle Richtungen zu ermitteln und nicht zu früh Schlussfolgerungen zu ziehen.  Der Verdächtige sei intensiv beobachtet und ausgeleuchtet worden, nachdem es in der vergangenen Woche einen ersten Hinweis gegeben habe.


14.10 Uhr: Tatverdächtiger war Elektriker

Der Tatverdächtige hat seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Heizwerk in Tübingen gearbeitet. Das bestätigte ein Sprecher des Energiekonzerns MVV in Mannheim. Die Bundesanwaltschaft hatte bereits bestätigt, dass der Zeitpunkt der Explosionen sehr präzsise geplant war und der Täter fachkundig vorgegangen war.

 

13.55 Uhr: "Das kann ja überall passieren"

Unsere Reporterin hat am BVB-Mannschaftshotel mit Anwohnern gesprochen. "Wir sind sehr erleichtert", sagt Margit Schneider, die in der Nähe des Tatorts wohnt  Auch ihr Mann Klaus zeigt sich beruhigt - dass der Täter jetzt offenbar gefasst ist, nehme schon ein bisschen Angst, sagt er. 

Im Hotel läuft der Betrieb unterdessen ganz normal weiter. "Es ist sehr ruhig", erzählt Jürgen Adrian, der gerade ausgecheckt hat und auf sein Taxi wartet. Ein anderer Gast reist  an, will einchecken. Ob er mit anderen Gefühlen in der das Hotel geht, in dem er bei Tagungen öfter zu Gast ist? "Nö", sagt er. "Das kann ja überall passieren."

 

13.35 Uhr: Pressekonferenz von NRW-Innenminister Jäger 

Das gesamte Statement von NRW-Innenminister Ralf Jäger sehen Sie hier:
 

 

13.18 Uhr: Innenminister Jäger von Schuld des Tatverdächtigen überzeugt

NRW-Innenminister Ralf Jäger ist von der Schuld des Tatverdächtigen überzeugt. Es gebe „eine Fülle von Indizien, die auf den Tatverdächtigen hinweisen“, sagte Jäger bei einer Pressekonferenz. Er selbst habe vor einigen Tagen zum ersten Mal von dem ungewöhnlichen möglichen Motiv des Mannes gehört. Der SPD-Minister sprach angesichts der vorliegenden Erkenntnisse von einem „niederträchtigen Motiv, mit hoher Kriminalität und Professionalität umgesetzt“.  
 

13.05 Uhr: "Mein erster Gedanke war Erleichterung"

Sportdirektor Michael Zorc redet im Interview über seine Gedanken zur Ergreifung des mutmaßlichen Täters. "Ich glaube, das erste was ich heute morgen gespürt habe, war Erleichterung", sagte Zorc. Ein terroristischer Anschlag sei seiner Meinung nach "genauso krank", wie ein Anschlag aus Geldgier. "Heute sei ein guter Tag". Im Namen der BVB-Spieler dankte Zorc auch der Dortmunder Polizei für ihre Arbeit in den vergangenen Tagen.
 

 

12.50 Uhr: Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft

Das Statement von Frauke Köhler, der Sprecherin der Bundesanwaltschaft, sehen Sie hier:
 

 

12.37 Uhr: Ermittlungen zu Sprengstoffart dauern an

Der mutmaßliche Täter soll am 11. April, dem Anschlagstag insgesamt drei verschiedene Aktienderivate gekauft haben, bestätigte Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft, erneut. Dafür habe er einen Kredit von 78.000 Euro aufgenommen. Die Ermittlungen zur Art des Sprengstoffs dauern derweil an. Dadurch, dass der Sprengstoff vollständig in den Sprengkörpern explodierte, gestalten sich die Untersuchungen als kompliziert.

 

12.30 Uhr Beschuldigter soll noch heute Haftrichter vorgeführt werden

Es gebe derzeit keine Anhaltspunkte für mögliche Komplizen,  sagte Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Der mutmaßliche Täter soll noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

 

12.17 Uhr: War der Umsatz des mutmaßlichen Täters geringer als gedacht?

78.000 Euro soll der mutmaßliche Täter eingesetzt haben, hieß es bislang. Eine Recherche der Wirtschaftswoche soll jetzt ergeben haben, dass am 11. April um 16 Uhr genau 15.000 Put-Optionsscheine auf BVB-Aktien gekauft worden. Die Transkation kam aber laut Wirtschaftswoche bei 18 Cent zustande und nicht bei einem Preis von 5,20 Euro - das ist der Basispreis des Papiers. Demnach hätte der Kaufpreis bei 2.700 Euro gelegen und ein möglicher Gewinn bei maximal 5.000 Euro.
 

12.00 Uhr: "Das wäre grauenhaft"

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat sich das mutmaßliche Motiv für den Sprengstoffanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus scharf verurteilt. „Jedes Motiv für eine solche Tat ist abscheulich - sollte der Beschuldigte tatsächlich aus bloßer Geldgier versucht haben, mehrere Menschen zu töten, wäre das einfach grauenhaft“.

 

11.40 Uhr: "Ich denke, dass sich die Lage jetzt beruhigen kann"

Unsere Sport-Reporter Dirk Krampe kommentiert vor dem BVB-Mannschaftshotel, wo der Anschlag am vergangenen Dienstag passierte:
 

11.35 Uhr: "Aufklärung dieser abscheulichen Tat"

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange ist erleichtert, über die Festnahme des mutmaßlichen Täters. Es bestehe die berechtigte Hoffnung, dass die von dem Täter ausgehende Gefahr für die Mannschaft des BVB jetzt gebannt sei, sagte Lange. „Mit der Aufklärung dieser abscheulichen Tat tragen wir hoffentlich auch zur Beruhigung aller Betroffenen, insbesondere aber unseres verletzten Kollegen, der Mannschaft des BVB und der direkten Anwohner bei.“ Lange dankte dabei dem Verein für eine „hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit“.   

 

11.30 Uhr: "Hoffe, es hilft bei der Verarbeitung"

Nach BVB-Trainer Thomas Tuchel und BVB-Kapitän Marcel Schmelzer hat sich nun auch Sportdirektor Michael Zorc geäußert:
 

11.25 Uhr: Anschläge auf Spieler

Auch in der Vergangenheit kam es zu Angriffen auf Fußballspieler. Hier einige Beispiele:

 

11.10 Uhr: Hätte es Tote gegeben, wäre der Gewinn hoch gewesen

Der mutmaßliche BVB-Attentäter hatte sich 15.000 Wertpapiere mit Put-Optionen im Wert von 75.000 Euro gekauft. Doch was heißt das? Im Grunde handelt es sich um eine Wette: Ein Investor spekuliert darauf, dass ein Kurs fällt, die andere Seite - oft eine Bank - hält dagegen und bekommt dafür eine kleine Prämie. Rutscht nun beispielsweise die BVB-Aktie tatsächlich unter den zwischen beiden Seiten vereinbarten Preis, kann der Investor die Differenz praktisch als Gewinn einstreichen. Vor allem wenn der Kursrutsch schnell und heftig ausfällt, rechnet sich das für den Investor. Laut Berechnungen der Bundesanwaltschaft hätte der Gewinn ein Vielfaches des Einsatzes betragen - vor allen Dingen wenn es Tote gegeben hätte.


10.45 Uhr: Eindrücke aus dem BVB-Hotel

Die Stimmung am Hotel ist ruhig, teilt unsere Reporterin vor Ort mit. Es gibt wenig Laufbetrieb. Ein Kamerateam ist vor Ort. Das Personal äußert sich nicht zu dem Vorfall, „solange die Ermittlungen noch laufen“ . An der Hecke, wo die Sprengsätze zündeten, sind noch immer deutliche Löcher zu sehen.

 

10.40 Uhr: BVB-Aktie erholt sich

Der mutmaßliche Täter hatte auf den Fall der BVB-Aktien spekuliert. Nachdem er geschnappt wurde, hat sich der Aktienkurs aber erholt - sie stiegen am frühen Morgen um 2 Prozent. Am ersten Handelstag nach dem Anschlag war die Aktie zunächst etwas abgerutscht, schloss letztlich aber 1,7 Prozent im Plus. Viel wichtiger für den Kursverlauf waren die sportlichen Leistungen: Am Vortag war die Aktie nach dem endgültigen Aus im Viertelfinale der Champions League um rund 3,5 Prozent gefallen. 

 

 

Das ist passiert - Stand 10.45 Uhr:

Wie die Bundesanwaltschaft am Freitagmorgen mitteilt, handelt es sich bei dem festgenommenen Mann um den 28-jährigen Sergej W., er wurde am frühen Freitagmorgen von der Spezialeinheit GSG 9 in Tübingen festgenommen. W. besitze die deutsche und russische Staatsbürgerschaft, er sol laut NRW-Innenministerium aus dem Schwarzwald stammen. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Das Motiv war offenbar die Aussicht auf das große Geld durch Aktien-Gewinne. Der Mann hatte vor der Tat 15.000 Verkaufsoptionen für die Aktie des BVB im Wert von 78.000 Euro erworben. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni gehabt. Bei Kursverlusten hätte "der Gewinn nach vorläufigen Berechnungen ein Vielfaches des Einsatzes betragen", heißt es in der Pressemitteilung der Bundesanwaltschaft weiter. Mit dem Kursverfall sei zu rechnen gewesen, wenn Spieler des BVB schwer verletzt oder gar getötet worden wären. 

Der Kauf sei wahrscheinlich aus dem Hotel heraus getätigt worden, jedenfalls sei die entsprechende IP-Adresse des Hotels verwendet worden, so schreibt es die die Bild-Zeitung. Die Mitarbeiter der betreffenden Bank hätten, ebenfalls laut Bild, der Polizei eine Verdachtsanzeige gegen den Mann wegen Geldwäsche übermittelt, weil ihnen der Kauf verdächtig erschien.

Sprengsätze waren "optimal geplant"

Der Mann habe bereits am 11. März für den 9. bis 13. April und vom 16. bis 20. April ein Zimmer in dem Mannschaftshotel des BVB reserviert, so die Bundesanwaltschaft, "mit Blick auf den späteren Anschlagsort". Damals stand noch nicht fest, wann die Champions-League-Partie ausgetragen wird. Am 9. April sei er dann tatsächlich ein erstes Mal in dem Hotel gewesen.

Die drei Sprengsätze, die kurz vor der Abfahrt des Busses zum Stadion am Dienstag vergangener Woche explodierten, waren laut den Ermittlungen über eine Länge von 12 Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Busses angebracht. Die Sprengsätze waren mit Metallstift, die einen Durchmesser von 6 Millimeter hatten, gespickt. Die Sprengwirkung der Sprengsätze sei auf den Bus ausgerichtet gewesen. "Die Sprengsätze wurden zeitlich optimal gezündet", heißt es weiter. Schlimmeres verhindert wurde wohl durch einen nicht optimal angebrachten Sprengkörper. Der mittlere Sprengsatz sei zu hoch angebracht gewesen, "um seine Wirkung voll entfalten zu können".  Bei dem Anschlag waren ein Polizist und BVB-Spieler Marc Bartra verletzt worden.

Weitere Komplizen?

"Die Zündung erfolgte nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor", so die Generalbundesanwaltschaft weiter. Wie die "Bild"-Zeitung schreibt, sei Sergej W. allerdings in der Lage professionelle Bomben zu bauen. Er habe einen Schulpreis im Bereich Elektrotechnik und Betriebstechnik gewonnen und besitze "überdurchschnittliche Kenntnisse" im Bereich Elektrotechnik. Die Bundesanwaltschaft will um 12.30 Uhr bei einer Pressekonferenz in Karlsruhe über weitere Details berichten. Laut Bild und dpa fahndet die Polizei aktuell nach zwei weiteren Komplizen des Festgenommenen, die dabei geholfen haben sollen, die Sprengsätze nach Dortmund zu bringen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bedankte sich bei den Beamten für die "mit Hochdrück geführten" Ermittlungen und hofft "dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte". Auch BVB-Kapitän Marcel Schmelzer hofft auf eine lückenlose Aufklärung, "für alle, die im Bus saßen, wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern".

"Gute Nachricht für den Fußball"

"Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv", teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf Twitter mit. NRW-Innenminister Ralf Jäger sprach nach der Ergreifung des mutmaßlichen Täters von einer "guten Nachricht für den Fußball". Bei dem Anschlag sei nur wie durch ein Wunder kein Mensch getötet worden“. Die Festnahme zeige zudem, wie wichtig es sei, in alle Richtungen zu ermitteln. 

Am Tatort hatte man drei Bekennerschreiben gleichen Inhalts gefunden. Sie deuteten auf einen islamistischen Hintergrund hin. Die Ermittler hatten erheblichen Zweifel an der Authentizität der Schreiben. Dies galt auch für weiterhin aufgetauchte Bekennerschreiben, die auf einen links- bzw. rechtsradikalen Hintergrund verwiesen. Insgesamt waren an den Ermittlungen mehrere hundert Beamte des Bundeskriminalamtes sowie der nordrhein-westfälischen und der baden-württembergischen Polizei beteiligt.

Nach dem Anschlag in der vergangenen Woche war das Champions League Spiel gegen den AS Monaco abgesagt und am darauf folgenden Tag nachgeholt worden. BVB-Trainer Thomas Tuchel und einige Spieler hatten den schnellen Nachholplan kritisiert.

mit Material von dpa

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Kommentare
  • mafia?
    von muhny am 21.04.2017 09:03 Uhr

    oder einfach nur irgendeiner, der einen an der murmel hat? wegen ein paar kröten. also echt. auf die scheißidee musst du erstmal kommen. in der größenordnung auch so unauffällig. dazu kreditfinanziert. dämlichkeit ist nach oben echt grenzenlos.

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