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Fußball: Guido Silberbach: Von der Bundes- bis zur Kreisliga

WattenscheidGuido Silberbach hat mit Ausnahme der 2. Liga in jeder deutschen Spielklasse ein Tor erzielt. Auf sein sportliches Lebenswerk ist der Stürmer sehr stolz. Doch seine lange Karriere hat Spuren beim 50-Jährigen hinterlassen. Seine Mitmenschen müssen viel Verständnis für Silberbach mitbringen. Ans Aufhören denkt er natürlich trotzdem nicht.

Guido Silberbach: Von der Bundes- bis zur Kreisliga
Das Runde muss ins Eckige: Kaum jemand weiß das so gut wie Guido Silberbach. Foto: Paulitschke

Natürlich konnte und wollte er nicht Nein sagen, natürlich zögerte er eigentlich keine Sekunde mit seinem Ja. Als Guido Silberbach im November 2016 die Anfrage erhielt, ob er nicht noch mal für RW Unna in der Kreisliga D die Fußballschuhe schnüren wolle, "da musste ich wirklich nicht überlegen". Endgültig war ihm der Platz in den Fußball-Büchern dieser Welt gewiss: Der heute 50-Jährige hat in allen Spielklassen in diesem Land von der Bundesliga bis jetzt zur Kreisliga D gespielt, hat überall mit Ausnahme der 2. Liga getroffen.

Erfolgsgeschichte der besonderen Art

Natürlich ist er stolz auf dieses sportliche Lebenswerk. Eine Erfolgsgeschichte der ganz besonderen Art, allenfalls muss er sich die Krone mit einem Herrn namens Werner Rank teilen. "Ich weiß nicht, ob er auch in der Kreisliga D gespielt hat, aber das ist auch nicht wichtig. Er ist eben auch mit dem ganzen Herzen dabei und hat überall gekickt, es ist doch herrlich, dass es so Verrückte wie uns gibt."

Das Wort "verrückt" ist für Guido Silberbach nur positiv besetzt, es ist ein Kompliment. "Ein wenig bekloppt musst du schon sein, um all das zu machen", sagt er, vielleicht auch mehr als nur ein wenig. Denn im Oktober 2013 musste dem Vater von zwei Kindern eine neue Hüfte eingesetzt werden, "eben Verschleiß", wie er lapidar meint.

Unerträgliche Schmerzen

Die Schmerzen waren unerträglich geworden, ein Leben ohne Tabletten war nicht möglich, "nachts, wenn ich mich drehen wollte, musste ich das Bein rüberheben". Eine Operation war unausweichlich, im März sollte er wieder spielen können, im Januar stand er bei einem Hallenturnier auf dem Platz.

Wir treffen uns in Wattenscheid, am Lohrheidestadion, und auf dem Gang zur Geschäftsstelle bleibt Guido Silberbach immer wieder stehen. Schnell entdeckt er das Mannschaftsposter von 1993/94, die SG spielte damals in der 1. Bundesliga, und Guido Silberbach war dabei.

Kurzfristig hochgezogen

Es war der 15. Mai 1993, Guido Silbernach spielte damals eigentlich noch in der Regionalliga-Mannschaft der SG, als er kurzfristig hochgezogen wurde. Und dann legte Marek Lesniak den Ball in der Partie gegen Nürnberg quer zu ihm, es war genau um 17.14 Uhr, und er drosch das Leder zum 4:1-Erfolg in die Maschen. Und er will gar nicht verhehlen, dass er sich dieses Tor immer mal wieder anschaue, so "zwischendurch mal auf Youtube".

Er mag nicht nüchtern, nicht abgeklärt über diese Zeiten reden, sie waren zu schön, sie lassen die Emotionen immer wieder aufleben. Und wenn er auch heute, nach so vielen Jahren, hier immer noch so viele Hände schütteln darf, so viele Freunde und alte Weggefährten hier in den Arm nehmen kann, dann lässt er spüren, wie viel ihm diese Zeit an der Lohrheide gegeben hat.

"Unvergleichliche familiäre Atmosphäre"

Er erinnert sich an den "köstlichen Kaffee vom Franz", der guten Seele des Vereins, die herrlichen Teilchen, nicht gerade beste Sportlernahrung. "An diese unvergleichliche familiäre Atmosphäre", die hier bei einem Erstligisten herrschte. Und natürlich an den Boss, an Klaus Steilmann, den damals so erfolgreichen Textilunternehmer.

 

Der Boss spielte damals in "seinen Alten Herren", auf einem Platz, der mit der Nagelschere gepflegt wurde. Und da der Boss höchst ungern verlor, dafür aber liebend gern Torschützenkönig wurde, kam ihm dieser junge Guido Silberbach in seiner Truppe gerade recht. Erstens wusste er, wo das gegnerische Tor stand, zweitens konnte ihm dieser Jungspund die Bälle trefflich vorlegen.

Allen Wünschen gerecht werden

Guido Silberbach konnte schon damals nicht Nein sagen, er kickte am Samstag in der Klaus-Steilmann-Truppe, am Sonntag in der 1. Mannschaft. Das stieß nicht überall auf helles Entzücken, "das war schwer zu verkaufen, wenn die Leistung nicht perfekt war". Aber er wollte niemanden enttäuschen, wollte allen Wünschen, auch den eigenen, gerecht werden.

Der 50-Jährige, geboren in Wanne-Eickel, war ein klassischer Spätzünder. Mit 18 Jahren kickte er noch in der Kreisliga B für Phönix Bochum, "ich wollte mit meinen Kumpels spielen, die Kameradschaft stand über allem". Doch dann kam der Riesensatz in die Verbandsliga zu Westfalia Herne, "ein solcher Sprung wäre heute nicht mehr möglich". Aber Guido Silberbach tat das, was er am besten kann: Er schoss Tore. 

Ehrgeiz war entbrannt

Der Ehrgeiz war entbrannt, er hatte Blut geleckt, "ich habe alles dafür getan, um dabei zu bleiben". Mit knapp 40 Jahren kickte er noch in der Oberliga für Vorwärts Kornharpen, wurde Torschützenkönig mit 30 Treffern. Ohne Sport, sagt er, sei er ungenießbar, für den Sport habe er immer Zeit gehabt, "ich versuche, alles mitzunehmen". Klar, zu Hause sei er eher seltener, aber seine Freundin habe ihn so kennengelernt, sie habe eine Menge Toleranz, aber manchmal sei es schon schwierig, "immer dafür Verständnis zu haben".

Guido Silberbach bezeichnet sich selbst als Vollblutstürmer. In inzwischen 819 Meisterschaftsspielen hat er 479 Tore erzielt, und er hat ja noch lange nicht gesagt, dass er die Schuhe an den Nageln hängen will. Vor allem, weil da die Zahl von 500 Toren im Raum schwebt. Und sollte es einmal eine Kreisliga E geben, ein Anruf bei Guido Silberbach genügt. Natürlich kann er nicht Nein sagen.

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