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Asylbewerber verurteilt: Flüchtlingshelferin erstochen: 13 Jahre Haft

AHAUSEr hatte 21 Mal auf sein Opfer eingestochen: Nach dem gewaltsamen Tod einer Flüchtlingshelferin aus Ahaus ist ein 28-Jähriger am Landgericht in Münster wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Flüchtlingshelferin erstochen: 13 Jahre Haft
Der Angeklagte am Mitttwoch vor der Urteilsverkündung im Landgericht in Münster Foto:dpa

Die Eltern und der Bruder tragen Schwarz, als sie im Landgerichtssaal am Nebenklagetisch sitzen. Sie warten darauf, dass die Strafkammer ihr Urteil spricht im Prozess um den gewaltsamen Tod der Tochter, der Schwester. Die 22 Jahre alte Studentin aus Ahaus ist in der Nacht auf den 11. Februar von einem Mann erstochen worden, der nun ebenfalls den Saal betritt – hereingeführt von Wachtmeistern des Gerichts. Er ist angeklagt wegen Mordes. Die Mutter des Opfers weint. Zu 13 Jahren Gefängnis, erklärt dann die Vorsitzende Richterin, werde der Angeklagte verurteilt. Allerdings nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags.

Als die Richterin dann mit ihrer fast zweistündigen Urteilsbegründung beginnt, kann sich die Mutter kaum mehr zusammennehmen. Die Angehörigen führen sie aus dem Saal. Als der Bruder des Opfers an dem Angeklagten vorbeigeht, wirft er einen Stuhl um und schreit den Mann sinngemäß mit den Worten an „Siehst du, was Du getan hast?“ Die Richterin bleibt ruhig und erklärt, warum der Asylbewerber aus Nigeria nicht wegen Mordes verurteilt werde, wie die Staatsanwältin beantragt hatte. Ebenso, dass das Gericht die „besondere Schwere der Schuld“ feststellen möge, die eine Haftentlassung nach frühestens 15 Jahren ausschließt.

Große Emotionen

Die Richterin indes betont, dass Taten wie diese in Ahaus „die Emotionen in der Bevölkerung hochschlagen lassen“. Aufgabe des Gerichts allerdings sei es, sich „nicht von diesen Gefühlen beeinflussen zu lassen, sondern bestehende Gesetze anzuwenden“. Sie zeichnet das Geschehen vor, während und nach der Tat nach: Die Studentin der sozialen Arbeit hatte offenbar ein kurzes sexuelles Verhältnis mit dem Asylbewerber, dessen Antrag das Bundesamt später als „unbegründet“ ablehnen sollte. Der 28-Jährige stellte ihr nach, zettelte eine Prügelei mit einem Zimmernachbarn in der Unterkunft am Kalkbruch an, den er als Nebenbuhler wähnte.

Am späten Abend des 10. Februar habe die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin dann noch einmal die elterliche Wohnung verlassen. „Wo sie hin wollte, war für die Strafkammer nicht feststellbar.“ Mehrere Aspekte des Tatverlaufs seien „nicht eindeutig klärbar“, so die Richterin, die mehrmals aktuelle Rechtsprechungen des Bundesgerichtshofes zitiert. Deswegen seien Kriterien für den Tatbestand „Mord“ in diesem Fall nicht eindeutig erfüllt. Wenn auch eines klar sei: Der Angeklagte „handelte in der Absicht, sie zu töten“.

 

 

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