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Ehemalige Pestalozzischule: PBC Castrop aufgelöst, weil er Miete zahlen soll

CASTROP-RAUXELDer Poolbillardverein PBC Castrop hat sich aufgelöst. Ein Grund, den der Vorstand angab: Die Stadt stellt die Vereinsräume nach 20 Jahren nicht mehr mietfrei zur Verfügung. Was sagen die anderen Vereine, die die Räume in der ehemaligen Pestalozzischule nutzen? Und was die Stadt als Vermieterin? Wir fragten alle Beteiligten.

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  • PBC Castrop aufgelöst, weil er Miete zahlen soll
    In diesem Gebäude, in dem ganz früher die Pestalozzischule war und heute die Kita Mikado ist, sind auch drei Sportvereine zu Hause. Einer davon hat sich im Juni aufgelöst – weil die Stadt ab 2018 Miete verlangt. Foto: Tobias Weckenbrock

Die Situation beim Mieter PBC Castrop:

Poolbillard war in der Vergangenheit in Castrop-Rauxel kein Kneipensport – dank des PBC Castrop. Der Klub ist allerdings jetzt von der heimischen Bildfläche verschwunden. Er hat sich im Juni aufgelöst. Das bestätigte jetzt Christian Petri, Vorstandsmitglied und Spieler beim PBC. Grund dafür sei starker Mitgliederschwund. Eine komplette Mannschaft schloss sich dem PBV Pool 2000 Herne an, so Petri. Die verbliebenen Aktiven konnten die finanzielle Belastung, die auf dem Verein liegt, nicht mehr stemmen.

Die Stadtverwaltung legte in der Vergangenheit dem PBC für seine Heimstätte in der ehemaligen Pestalozzischule an der Bodelschwingher Straße in Schwerin keine Miete auf. „Bislang haben wir nur die Nebenkosten begleichen müssen“, sagt Petri nun auf Anfrage unserer Redaktion. „Jetzt sollten wir für unsere 200 Quadratmeter pro Monat 1,50 Euro Miete pro Quadrat zahlen. Das war uns nicht möglich.“

Dabei hatte der PBC Castrop mit seinem Vorsitzenden Uwe Löffelbein vor einiger Zeit die Mitgliedsbeiträge pro Monat auf 35 Euro erhöht. Petri sagt: „Ich glaube, im Golfclub zahlt man wohl weniger als bei uns. Wir wollten unseren Mitgliedern aber keine weitere Erhöhung zumuten.“

Die PBC-Verantwortlichen hatten mit ihren Nachbarn im Hause, den Karambol-Billarspielern der BF Schwerin, Kontakt aufgenommen, um womöglich zu fusionieren. „Sie haben allerdings abgewunken, weil sie wohl Angst vor den bei ihnen steigenden Kosten hatten“, sagt Petri. Durch die Auflösung des PBC wurde auch Senioren-Europameisterin Susanne Wessel quasi heimatlos. Sie wechselte zum PBV Pool 2000 Herne.

Christian Petri selbst will zunächst nach 30 Jahren in den Poolbillard-Ruhestand gehen. Das sei für ihn auch das Ende der Ausübung dieses Sports: „Ich werde auf keinen Fall Poolbillard in einer Kneipe spielen.“

Das sagt der Mieter Schweriner KC:

Auch wenn sowohl der Korfballverein als auch die Karamboler der Billardfreunde Schwerin die neuen Kosten nicht unbedingt begrüßen, stehen sie nicht vor dem Aus. „Auch wir müssen zukünftig für unsere Räume an der Bodelschwingher Straße eine Miete bezahlen“, sagt Lennart Schwirtz, 2. Vorsitzender des Schweriner Korfballclubs, auf Anfrage unserer Redaktion.

Das sei eine neue finanzielle Belastung für den Verein: Vorher habe man rund 20 Jahre abgesehen von den Nebenkosten ohne weitere Kosten die rund 90 Quadratmeter nutzen dürfen. „Bezahlen muss man heute aber überall“, sagt der Vorsitzende Ernst-Otto Halberstadt. „Die zusätzlichen Kosten werden wir auf unsere Mitglieder umlegen“, sagt Vorstandskollege Schwirtz. Man habe zurzeit rund 280 Mitglieder – stabil sei die Entwicklung hier.

Die Räume in der Pestalozzischule nutzt der Verein unter anderem für administrative Arbeiten und Vereinsveranstaltungen. Man habe das Angebot der Stadt noch einmal nachverhandelt. „Da ging es um die Laufzeit und Kündigungsrechte“, sagt Halberstadt. „Klar freut es uns nicht, dass die Vereine zur Kasse gebeten werden. Aber es ist jetzt eben so.“
 

Das sagen die Billardfreunde Castrop-Schwerin:

„Wir zahlen ab 2018 zusätzlich zu den Nebenkosten eine Miete, das ist richtig“, so der Vorsitzende Michael Majcherski. Aber: „Wir haben mit der Stadt über die Höhe nachverhandelt.“ Sie betrage jetzt 1,10 Euro pro Quadratmeter. „Ursprünglich hatte die Stadt etwas mehr im Sinn, aber das hätten wir nicht so einfach aufbringen können“, so Majcherski. „Uns hat die Stadt gesagt, man brauche das Geld.“ Der Verein habe wie viele Billardvereine mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Von ehemals 70 Karambol-Spielern seien aktuell 40 aktiv.


Das sagt die Stadtverwaltung:

„Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Vereine PBC, SKC und die Billardfreunde Mieter auf Schwerin. Auf eine Miete hat die Stadtverwaltung seinerzeit verzichtet, es wurden lediglich Betriebskosten verlangt. Ziel war und ist es, die drei Vereine hinsichtlich einer finanziellen Beteiligung an den Kosten gleich zu behandeln – besonders vor dem Hintergrund der eingeführten Sportstättennutzungsgebühren und der Tatsache, dass anderen Vereinen keine städtischen Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt werden können. Die Sportstättennutzungsgebühr beschloss der Rat im Juni 2012 mit dem Haushaltssanierungsplan.

Vor Beendigung der Laufzeit der Verträge wurde mit allen drei Vereinen – teils mehrfach – das Gespräch geführt, um einen Interessenausgleich zwischen Stadt und Mietern herbeizuführen und den Vereinen ausreichend Zeit zu geben. Um eine möglichst gleiche Vertragslaufzeit für alle drei Vereine zu erhalten, wurde vereinbart, die ursprünglich schon für 2016/2017 anvisierte Miete einheitlich ab 1. Januar 2018 zu verlangen. Noch wird also keine Miete verlangt.

Im Sommer 2015 bat der PBC schriftlich um einen neuen langfristigen Vertrag. Ein erstes Gespräch fand im Januar 2016 statt. Vereinbart war in dem Gespräch wie in den Gesprächen mit den anderen Vereinen, die Mietspanne von 1,50 bis 2,17 pro Quadratmeter auf Finanzierbarkeit zu prüfen und die Umsetzung in den Vereinsgremien zu besprechen.

Nach Gesprächen mit allen Vereinen gab es seitens der Stadt ein Entgegenkommen hinsichtlich der zu zahlenden Miete ab 2018 auf 1,10 Euro. Der PBC erbat sich zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht, um die Mitgliederentwicklung 2017 abwarten zu können. Der Entwurf des Neuvertrages mit diesen Konditionen ging dem PBC im März zu. Der Vereinsvorstand erklärte dem Immobilienmanagement gegenüber mehrfach, dass die Mitgliederzahlen erheblich geschrumpft sind. Den bestehenden Mietvertrag kündigte der PBC zum 30. Juni.

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