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Streit ums alte Clubhaus: Verhandlungen um Golfplatz Frohlinde abgebrochen

FROHLINDEAuch Castrop-Rauxels Bürgermeister konnte nicht mehr schlichten: Die Verpächterin hat Verhandlungen mit dem Golfclub Castrop-Rauxel abgebrochen. Ihr gehören ein Viertel bis ein Drittel der Fläche des Golfplatzes. Nun diskutiert der Vorstand, wie man mit dem Verlust der Fläche umgehen will.

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  • Verhandlungen um Golfplatz Frohlinde abgebrochen
    Die Flächen, die der Verpächterin Grümer gehören, sind blau markiert.

Vergangene Woche erklärte eine Seite die Verhandlungen zwischen dem Golfclub Castrop-Rauxel und der Verpächterin für beendet. Es war die Seite Grümer. Sie erklärte das nicht gegenüber dem Vorstand des Vereins mit seinen 1100 Mitgliedern, sondern am Freitag, 6. Oktober, per Fax über Rechtsanwalt Dr. Matthias Delvo an unsere Redaktion. Ein Schreiben, von dem der Golfclub erst über unsere Recherchearbeit erfuhr. Der reagiert nun: Er plant,  27 Bahnen zu erhalten - aber 18 Turnierbahnen und 9 sogenannte Kurzbahnen. Denn die Fläche schrumpft.

Wir zeichnen den Verlauf des Streits nach. 

(Wenn Sie den Hintergrund schon kennen, können Sie direkt zu dem neuen Vorschlag  springen.)

Ärger in vielerlei Hinsicht

Vor einem Monat berichtete unsere Redaktion über die Hintergründe des Ärgers: hier Elisabeth Grümer (70), Gutsbesitzerin und vor mehr als 30 Jahren die Visionärin und Kämpferin für einen Golfplatz in Castrop-Rauxel; dort der Golfclub, mit dem es in den vergangenen 15 Jahren mehrfach Auseinandersetzungen gab.

Es gab Differenzen zwischen Grümer und dem ehemaligen Präsidenten Ernesto Fuchs, Ärger wegen der Erweiterung des Golfplatzes von 18 auf 27 Löcher und des Neubaus eines Clubhauses westlich der Dortmunder Straße; Ärger wegen Gänsen, die auf dem Bewässerungsteich heimisch wurden und Sportler angriffen. Und Ärger wegen des alten Clubhauses.

Das ist der Ärger, der jetzt zum Abbruch der Gespräche geführt haben soll: Das alte Clubhaus dient dem Golfclub seit der Eröffnung seines Neubaus 2006 nur noch als Abstellraum für Geräte und offensichtlich selten gebrauchte andere Dinge. Und es beherbergt Vorrichtungen für die Bewässerungsanlage des Grüns. Nach Recherchen unserer Redaktion kostet es den Golfclub aber 50.000 Euro Miete im Jahr.

Schlichtungsversuch durch Bürgermeister

Die Gespräche, die der Verein aktiv seit Januar 2017 suchte, die Grümer, wie sie sagt, aber schon längst abgehakt haben wollte, waren sehr verfahren. Dann gab es einen Schlichtungsversuch: Als Vermittler holte man sich im September Bürgermeister Rajko Kravanja. Der sprach zunächst mit der Grümer-Seite, vertreten durch Jurist Delvo und Golf-Berater Arnt Vesper.

In seinem Büro machte Kravanja mit der Grümer-Seite aus, dass man dem Vereinsvorstand eine Vertragsverlängerung der Pacht für zunächst weitere zwei Jahre (bis Dezember 2020) vorschlagen wolle. Darin enthalten eine leichte Anhebung des Pachtzinses für die Grümer-Flächen und die Verpflichtung auf weitere zwei Jahre für die Anmietung des alten Clubhauses. Kosten dafür: rund 100.000 Euro.

Mit diesem Vorschlag ging Kravanja gleich danach in eine Telefonschalte mit Präsident Reiner Kötter und Geschäftsführer Wolfgang Dressler, der auch als Rechtsvertreter für den Verein auftritt. Die verwiesen dabei wohl schon auf die hohen Kosten. Am vergangenen Donnerstag sagte der Golfclub den Vermittlungsvorschlag dann schriftlich ab.

Abgelehnte Angebote

Die Geschichte wird an dieser Stelle etwas verwunderlich, denn Elisabeth Grümer hatte vor Jahren selbst den Vorschlag unterbreitet, das Clubhaus zurückzunehmen und es anderweitig zu vermieten. Wohnmobilstellplätze, eine homöopathische Praxis für Tiere – dafür habe sie Interessenten gehabt.

Sie bot sogar an, den Teil mit der Wasserversorgung abmauern zu lassen, damit der Golfclub die Technik weiter nutzen konnte, und wollte das mit 5000 Euro in Rechnung stellen. Der Verein soll damals abgelehnt haben, so Grümer. Bei einem Ortstermin vor einigen Wochen ärgerte sie sich über den baulichen Zustand, über Verwilderung im Umfeld, über eine angekokelte Zeitung auf der alten Terrasse. 

Der Club unterbreitete einen wie folgt begründeten Gegenvorschlag: Der Vorstand sei für 1,6 Millionen Euro Jahresumsatz verantwortlich und müsse „Grenzen des finanziell Machbaren“ beachten, heißt es in einem Schreiben an Matthias Delvo von Donnerstag (5. Oktober). Die Verlängerung über zwei Jahre helfe in keiner Weise und beinhalte vermeidbare Kosten, die man den Mitgliedern nicht erklären könne.

Schluss mit den Verhandlungen

Die Unsicherheit über die zukünftige Gestaltung des Golfplatzes sei ein „massiver Marketingnachteil“, den man nicht länger hinnehmen könne. 1500 Euro Pachtzins für das Clubhaus pro Monat seien angemessen – also 18.000 Euro im Jahr, weniger als die Hälfte des geforderten Betrags. Die bisherige Pachthöhe sei nur bei Untervermietungsrecht und langfristiger Nutzungsgewähr vertretbar, was auch einen Pachtvertrag über die Flächen einschließe. Der letzte, noch bis Ende 2018 Jahr gültige Vertrag hatte immerhin eine Dauer von 30 Jahren.

Grümer reagierte: Schluss mit den Verhandlungen!

Der Golfclub hat derweil begonnen: Er will nach einem eigenen Brunnen bohren und arbeitet an ersten Plänen einer 18-Loch-Anlage ohne die Grümer-Ländereien - allerdings will man auf die  neun weiteren Bahnen wohl auch nicht ganz verzichten. Man werde den Rückbau unverzüglich planen, heißt es. Anfang November soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung folgen. Diese kündigte der Verein Mittwochnachmittag auf seiner Internetseite an. „Wir sind für den Fall der Fälle präpariert“, so Pressekoordinator Karl-Heinz Platzek.

Golf-Experte Arnt Vesper zweifelt, ob das geht: Er glaube, dass man mit Bauanträgen, dem nötigen Rückbau der Anlage auf Grümer-Land und allen anderen Planungen mit dem einen Jahr kaum hinkomme.

 

Neuer Vorschlag des Architekten

Bei einer Vorstandssitzung am Freitag setzt sich der Vorstand mit einem Architekten zusammen, um über den Rück- und Umbau zu sprechen. Eine Idee, die der Verein verfolgt: Der alte Teil der Anlage östlich der Dortmunder Straße soll neben neun Turnierbahnen neun neue Kurzbahnen erhalten.

Damit würde der Golfclub seinen 1100 Mitgliedern weiterhin 27 Löcher anbieten – auf deutlich weniger Land. Denn bei der 27 handelt sich um ein regionales Alleinstellungsmerkmal. Ein Golfplatz, auf dem offizielle Turniere ausgetragen werden können, hat 18 Löcher. Seit 2004 hat der Platz in Frohlinde 27 turnierfähige Bahnen. Das ermöglicht Spielern das Spielen auf unterschiedlichen Runden: drei verschiedene Parcours (A-Kurs Barbachtal, B-Kurs Frohlinde oder C-Kurs Wollental) mit je neun Löchern.

Neun Kurzbahnen

Viele der Mitglieder, die aus der ganzen Region kommen, wissen genau das offenbar zu schätzen: Eine größere Anlage gibt es in Wuppertal und Schmallenberg, die Plätze im Umkreis von 40 Kilometern verfügen über maximal 18 Bahnen. Es gebe viele, die wegen 18+9 in Castrop-Rauxel Clubmitglied seien, heißt es aus dem Verein.

Darum brauche man weiterhin 18+9 – nur eben mit neun Kurzbahnen. Die sind meist unter 200 Meter lang und damit eher Par-3-Bahnen, sprich: Der Golfer sollte vom Abschlag bis zum Versenken des Balles im Loch drei Schläge brauchen. Die Bahn A7 in Frohlinde hat eine Länge von 507 Metern – eine Par-5-Bahn.

Genauere Pläne will der Verein seinen Mitgliedern bei einer Versammlung Anfang November vorlegen.

In einer vorherigen Version dieses Artikels an drei Stellen sachliche Fehler. Wir haben sie kurz nach der Veröffentlichung korrigiert und bitten, die Fehler zu entschuldigen.

Weitere Infos
...gibt es unter www.gccastroprauxel.de

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