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Landessportbund klagt: Betrugsvorwurf gegen Eissport-Funktionär Friedrich Dieck

DORTMUNDDer Dortmunder Sportfunktionär Friedrich Dieck, Mitarbeiter am Olympia-Stützpunkt Westfalen und Vize-Präsident des NRW-Eissportverbandes, hat sich massiven Ärger mit dem Landessportbund (LSB) NRW eingehandelt: Der LSB hat Strafanzeige gegen Dieck erstattet. Dieck soll Fördergelder vom LSB erschlichen haben.

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  • Betrugsvorwurf gegen Eissport-Funktionär Friedrich Dieck
    Im Eissportzentrum an der Strobelallee ist nicht nur das Eishockey-Team Eisadler zu Hause. Als Mitarbeiter am Olympia-Stützpunkt Westfalen hat Friedrich Dieck die Leitung über die Sportstätten wie Helmut-Körnig-Halle und eben des Eissportzentrums inne. Foto: Nils Foltynowicz (Archiv)

Hinter vorgehaltener Hand spricht man beim LSB in Duisburg von „fortgesetztem Betrug und Urkundenfälschung“. Sprecher Frank-Michael Rall formuliert etwas zurückhaltender: Bei einer internen Revision Anfang des Jahres sei aufgefallen, „dass der Umgang mit beantragten Geldern nicht korrekt verlaufen ist.“ Deshalb habe man im Mai Strafanzeige gegen Dieck in seiner Funktion als Eissport-Vize erstattet.

Der LSB ist die Dachorganisation für den organisierten Breitensport. Dort können Verbände, in besonderen Fällen auch Vereine, Fördergelder und Zuschüsse für Maßnahmen wie Aus- und Weiterbildungsseminare sowie für Übungsleiter oder die Jugendarbeit beantragen. Das hat auch Dieck getan - nur anders als üblich und vorgeschrieben.

Seminare nur frei erfunden?

Nach Informationen unserer Redaktion sollen dem LSB teilweise Belege und Verwendungsnachweise für Fortbildungskurse untergejubelt worden sein, deren Teilnehmer allerdings zum selben Zeitpunkt in verschiedenen Seminaren saßen. Der LSB fürchtet, dass ein Teil der Seminare frei erfunden war. Er sieht sich betrogen und hat die offenbar über Jahre ertricksten Gelder zurückgefordert – und im Februar vom Eissportverband auch prompt eine Rückzahlung von „rund 18.000 Euro“ erhalten.

Ausgestanden ist die Sache für Dieck damit aber noch nicht: Hinter vorgehaltener Hand spricht man beim LSB von „hoher krimineller Energie“ - und hat deshalb im Mai eine Strafanzeige nachgeschoben. Staatsanwältin Sonja Frodermann bestätigt den Eingang, wollte sich aber noch nicht weiter äußern: „Wir prüfen jetzt, ob es einen Anfangsverdacht gibt.“ Wohin die Gelder im Einzelnen geflossen sind, kann LSB-Sprecher Rall nicht sagen. Zumindest habe man „keine Hinweise auf persönliche Bereicherung“ gefunden.

Leitung über Körnig-Halle und das Eissportzentrum

Zwar sind unter dem Dach des Landes-Eissportverbandes (LEV) NRW fünf verschiedene Disziplinen angesiedelt. Insider allerdings würden sich nicht wundern, wenn vor allem die Sparte Eiskunstlauf profitiert hätte. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Sportfunktionär Dieck und dessen Familie dem Eiskunstlauf frönen. Als Mitarbeiter am Olympia-Stützpunkt Westfalen hat Dieck die Leitung über die Sportstätten wie Helmut-Körnig-Halle und Eissportzentrum inne. Als Vize des Eissport-Verbandes entscheiden er und Präsident Wolfgang Sorge im Alleingang, wenn es um die Verteilung von Geldern an die einzelnen Sparten geht.

Und selbst innerhalb des Verbandes droht Dieck Ungemach: Die Eishockey-Vereine fühlen sich von „ihren“ Verbandsspitzen, Präsident Sorge und Vize Dieck, nicht angemessen vertreten und spalten sich Ende des Jahres vom Eissportverband ab. Sie haben einen eigene Organisation gegründet: den „Eishockeyverband NRW“ (EHV), der sowohl vom Landessportbund als auch vom Deutschen Eishockeyverband anerkannt wird.

Gespannt sehen dessen Funktionäre der kommenden Jahreshauptversammlung des Eissportverbandes am 29. August in Dortmund entgegen. Die Zeichen stehen auf Sturm: Mehrere Vereine haben Anträge gestellt, Präsident Sorge aus dem laufenden Amt heraus abzuwählen. Widerstand macht sich auch gegen die Wiederwahl von Dieck breit: Eine starke Opposition möchte ihn verhindern und will einen Gegenkandidaten präsentieren.

Gefecht um Vermögen des Eissportverbandes

Und es könnte noch dicker kommen: Insider erwarten ein hartes Gefecht um das Vermögen des Eissportverbandes: Die Eishockeyclubs im neuen EHV wollen prüfen, ob sie Anspruch auf Teile der Immobilien Strobelallee 60 und 60a erheben können. Ihr Wert soll sich auf gut eine Million Euro belaufen. Die Häuser gehören zwar dem Eissportverband, sind aber vermögensrechtlich stets der Sparte „Eishockey“ zugeordnet worden. Zusätzlich will der EHV auf die Rückzahlung von insgesamt 305.000 Euro pochen – Geld, das bei der Eishockey-WM 2010 an den Eissportverband geflossen war und nun erstattet werden soll. „Es wird Feuer unter dem Dach geben“, sagt ein Insider voraus.

Eissport-Vize Dieck, zurzeit in Urlaub, war zu all dem nicht zu erreichen. Trotz zahlloser Versuche unserer Redaktion seit Dienstag, 2. August, Dieck über Handy, SMS, E-Mails und mittels eines Hausbesuchs. Dieck war bislang zu keiner Kontaktaufnahme und zu keiner Stellungnahme bereit.

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