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Mit Fotostrecke: So verwandelt eine Bodypainterin Menschen in Tiere

DORTMUNDAuf den ersten, vielleicht auch den zweiten und dritten Blick ist nicht zu erkennen, dass dieser Schwan kein echter Schwan ist, sondern ein Mensch. Gesine Marwedel beherrscht die Kunst, allein mit Farbe und Pinsel Menschen wie Tiere aussehen zu lassen. Wir zeigen einige ihrer spektakulärsten Arbeiten.

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  • So verwandelt eine Bodypainterin Menschen in Tiere
    Bevor „Schwan“ Barbara Wegener (l.) sich für das Foto in Position legt, korrigiert Gesine Marwedel noch mit ein paar Pinselstrichen den Schwanenkopf auf der Hand ihres Models. Alles soll perfekt aussehen. Foto: Stephan Schütze

Es ist ein wunderschöner, wolkenloser Tag, neulich, als es noch ein wenig wärmer ist, als Gesine Marwedel und Barbara Wegener durch den Botanischen Garten Rombergpark spazieren und nach einer geeigneten Stelle suchen, um den Schwan zum Leben zu erwecken.

Barbara Wegener ist nur in ein Silber glänzendes Tuch gehüllt, mit den Händen hält sie es vorsichtig zusammen. Ihr Körper ist nackt. Zumindest fast. Er ist bemalt mit grauer Farbe. Eine Hand ist Orange. Ihr Gesicht blau, als hätte sie sich im Dreck gesuhlt. Gesine Marwedel geht neben ihr. Auch ihr Arm ist voller Farbe. Sie hält eine Tasche in der Hand, aus der ein paar Pinsel hervorlugen. Pinsel und Farbe – das ist alles, was sie zum Arbeiten braucht. Die 29-jährige Dortmunderin ist Bodypainterin.

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So verwandelt Gesine Marwedel Menschen in Tiere

Es war 2008, als sie das erste Mal auf Haut malte. Ein Fotograf sprach sie damals an, ob sie nicht ein Gesicht bemalen könnte. Bis dahin hatte sie immer nur auf Leinwand gearbeitet. Seither sind ihre Leinwände lebendig. Vor Kurzem hat sich die ausgebildete Sprach- und Kunsttherapeutin mit ihrem Hobby sogar selbstständig macht.

Körper-Landschaften

Gesine Marwedel malt Landschaften auf die Körper anderer Menschen: Berge, Wellen, Wälder. Manchmal malt sie wilde Ganzkörper-Muster, die erst im Schwarzlicht zu sehen sind und aussehen wie hautenge Anzüge. Besonders beeindruckend aber sind die Bodypaintings, in denen sie Menschen zu Tieren macht.

Genau das hat sie an diesem Tag auch mit Barbara Wegener vor. Für einen Auftrag stellt Gesine Marwedel einen Kalender zusammen, der Tiere in Landschaften zeigt – diese Tiere entstehen alle durch ihre Körperbemalung. Eine Schildkröte, einen roten Panda, einen Waschbär, ein Reh und eine Schnecke hat sie schon gemalt und fotografiert. Barbara Wegener wird nun zum Schwan.

Viele Fotos im Rombergpark

An dem kleinen Gewässer hinter dem großen See im Rombergpark findet Gesine Marwedel eine gute Stelle, um ihr Model in die richtige Position zu legen. Einen Großteil ihrer Motive hat sie hier, in dem Park im Dortmunder Süden, aufgenommen, weil er so abwechslungsreich, so hübsch ist.

Die Fotos sollen möglichst so aussehen, als könnten sie real sein. „Das schwierigste ist sich beim Malen vorzustellen, wie sich das Model später für das Foto hinlegt“, sagt Gesine Marwedel. Barbara Wegener hat sie nur auf der rechten Körperseite bemalt, weil die linke im Bild später gar nicht zu sehen ist.

Gesine Marwedel malt aus dem Kopf, aber sie nimmt sich Fotos von echten Tieren als Vorlage. Auf ihrem Handy hat sie eines von einem Schwan abgespeichert, zwischendurch schaut sie immer mal wieder darauf. Am Seeufer findet sie eine Stelle zwischen ein paar Sträuchern, wo Barbara Wegener sich positionieren kann. Die 26-Jährige arbeitet schon zum fünften Mal mit Gesine Marwedel zusammen. Eigentlich ist sie Schauspielerin in Bonn.

Nur eine Hälfte bemalt

Sie legt sich an der Stelle am Ufer wie ein Embryo im Mutterleib in den Matsch – die Knie sind angezogen, der Rücken darüber gebeugt. Ihren Kopf hält sie ganz tief gebeugt. Weil das Gesicht auch angemalt ist, verschwindet es in der Landschaft. Und hinter dem kleinen Huckel zwischen Wiese und Ufer ist ihr Kopf ohnehin nicht mehr zu sehen. Den linken Arm hält sie nach hinten, nur die Hände sind gespreizt nach oben gestreckt, sodass sie aussehen wie der Bürzel. Den rechten Arm streckt sie erst nach hinten und dann nach oben, die Finger zeigen nach vorn, sie sind zusammengedrückt.

Gesine Marwedel beäugt die Pose, schaut auf ihr Schwan-Foto auf dem Handy, beugt den Arm ihres Models noch ein wenig, dann schießt sie ein Testfoto. In dem Moment geht ein kleiner Junge an dem See vorbei, er ruft zu seiner Mutter: „Guck mal Mama, da ist ein Schwan.“ Als Barbara Wegener ihren Kopf hebt, kichert er.
Ganz zufrieden ist Gesine Marwedel aber noch nicht, das Auge des Schwans ist zu klein. Rasch tupft sie den Pinsel in die schwarze Farbe und streicht dann vorsichtig damit über Barbara Wegeners Hand.

"Körperteile müssen verschwinden"

Noch einmal zurück in die Pose. „Das ist gar nicht so einfach“, sagt Gesine Marwedel. „Die Körperteile müssen verschwinden.“ Sie arbeitet dafür vor allem mit Schattierungen. Mit dunklen Farben macht sie das, was nicht zu sehen sein soll, so gut wie unsichtbar.

Beim zweiten Versuch ist die Bodypainterin glücklich, alles ist so, wie sie es sich vorgestellt hat. Gut, dass jetzt auch Papa Peter Marwedel da ist. Er macht das Foto für den Tier-Kalender. Barbara Wegener muss sich noch einmal konzentrieren, das Gesicht in den Schlamm drücken, den Arm schön strecken – und dann, für einen Moment, lebt er, der menschliche Schwan am See.

2015 hat Gesine Marwedel mit einem Körper-Kunstwerk die niederländische Bodypainting-Meisterschaft gewonnen. Ihr Tiermotiv-Kalender soll 2018 erscheinen. Sie malt für Fotografien, macht aber auch Live-Paintings – man kann also bei Malen zusehen – und nimmt an Wettbewerben teil. Erreichbar ist Marwedel über ihre Internetseite, wo man sie auch buchen kann.

 

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