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Nachbarn berichten: Anis Amri war im November in Dortmund

DORTMUNDNach dem Tod des mutmaßlichen Berlin-Attentäter Anis Amri rückt auch das radikal-islamistische Netzwerk, in dem sich der Tunesier bewegt hatte, immer mehr in den Vordergrund. Eine der wesentlichen Stützen dieses Netzwerks um den Prediger Abu Walaa war der 1980 in Dortmund geborene Deutsch-Serbe Boban S..

Anis Amri war im November in Dortmund
In diesem Haus in Dortmund fand Anis Amri zumindest zeitweise einen Unterschlupf. Foto: Tobias Großekemper

Bei Boban S. fand Anis Amri phasenweise Unterschlupf, in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung heißt es: „Das engste Verhältnis scheint Amri mit einem der Anführer zu entwickeln, mit dem Mann, der sich Abdul Rahman nennt.“ Anwohner der Straße, in der Boban S. lebte, bestätigten unserer Redaktion bereits am 8. November, dem Tag der Verhaftung von Boban S., dass sich der Deutsch-Serbe seit geraumer Zeit nur noch Abdurahman oder Abdul Rahman nennen ließ.

Auch die weiteren Ausführungen der Nachbarn, dass es in Gesprächen bei geschlechtergetrennten Zusammenkünften in Dortmund immer nur um den Kampf gegen die Ungläubigen, den Heiligen Krieg, den IS und Syrien gegangen sei, bestätigte die SZ am Freitag. Die Zeitung zitiert einen V-Mann aus der Gruppe. „Die Gruppe sei besessen gewesen vom Islamischen Staat. Alle, die dazugehörten, hätten ihre Handys voller Fotos und Videos gehabt, (...) und über nichts anderes mehr geredet, als mit dem IS zu kämpfen oder Anschläge in Deutschland zu begehen.“

In diesem Umfeld war Amri verwurzelt. Der Tunesier lebte zeitweise bis zum Frühjahr 2016 in Dortmund in der Wohnung des konvertierten Deutsch-Serben und dessen ebenfalls konvertierter Freundin.

Verfahren wurde eingeleitet

Durch den V-Mann mit Informationen versorgt, fasst das Landeskriminalamt im März 2016 alle Erkenntnisse über die Gruppe von Abu Walaa zusammen und leitet sie an den Generalbundesanwalt in Karlsruhe weiter. Ein Verfahren wird eingeleitet, am 10. August wird die Wohnung von Boban S. in Dortmund durchsucht, der Mann bleibt in Freiheit. Bis zum 8. November, dann rücken die Ermittler erneut an, diesmal nehmen sie ihn mit: Der Vorwurf gegen Boban S. lautet: dringender Verdacht der Unterstützung der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“.

Boban S. war laut Generalbundesanwaltschaft unter anderem dafür zuständig, als Lehrer radikal-islamische Inhalte zu vermitteln und für den IS zu rekrutieren. Was sich mit dem Umstand deckt, dass Amri Boban S. konsequent gesiezt haben soll.

Der weitere Kreis blieb in Freiheit

Laut dem V-Mann war Anis Amri einer der „Schüler“, die darauf vorbereitet wurden, für den IS zu kämpfen oder etwas in Deutschland zu „unternehmen“. Die Ermittler konzentrierten sich in ihrer Arbeit auf den Kern der Gruppe, den Kopf Abu Walaa und etwa den Lehrer Boban S.. Der weitere Kreis indes blieb in Freiheit.

Am 9. November, einen Tag nach der Verhaftung von Boban S., so berichtet es am Freitag der WDR, sei Anis Amri noch einmal in Dortmund aufgetaucht. Er habe, so berichten es Nachbarn dem Sender, nach Boban S. gesucht. Den Mann, den er suchte, fand er nicht. Dann fuhr Amri zurück nach Berlin. 

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