Ein Angebot aus dem Medienhaus Lensing

Aquaponik im Unionviertel: Wie ein Dortmunder mit Fischen Gemüse züchtet - und umgekehrt

DORTMUNDFisch, nicht Fleisch. Und Gemüse. Das ist die Welt von Axel Störzner. Sein Geschäftsmodell: Fische düngen Pflanzen, die wiederum das Wasser der Fische filtern. Es ist ein altes Prinzip. Doch in Zeiten, in denen regionale Selbstversorgung en vogue ist, will Störzner ihm zu neuem Glanz verhelfen. Und natürlich Geld verdienen.

Wie ein Dortmunder mit Fischen Gemüse züchtet - und umgekehrt
Nur für das Foto kamen die beiden Schleien kurz in dieses Schaubecken. Ihnen geht es gut ? wie den Tomaten. Foto: Dieter Menne

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur so genannten Aquaponik:

Um was geht es?

Um Fisch und Gemüse. Die beiden Systeme Aquakultur (Fischzucht) und die Hydrokultur (Pflanzenzucht) werden dabei verbunden. Der Nährstoffüberschuss, salopp formuliert die Fischkacke, düngt die Pflanzen. Das gefilterte Wasser wird dann den Fischen wieder zugeführt. Es ist ein geschlossenes System und damit wenig anfällig für Schadstoffe von außen.

Und das ist nicht neu?

Nein. Beziehungsweise jein. Das Prinzip ist kein neues, schon die Khmer in Kambodscha haben Karpfen in ihre Reisfelder gesetzt, um so den Reis zu düngen. Als geschlossenen Kreislauf in einem Gewächshaus kennt man es aber erst seit einigen Jahren.

Welche Fische und welches Gemüse passen zusammen?

Das ist unterschiedlich, letztlich müssen PH-Werte zusammenpassen. In den im Moment laufenden Systemen düngen Schleien Tomaten, Zucchini und diverse Kartenkräuter. Laut Störzner gäbe es rund 400 Pflanzensorten, die so ernährt werden können. Weitere Fischsorten sind Welse oder Karpfen.

Was ist der Vorteil dieser Art der Nahrungsmittelgewinnung?

Neben dem geschlossenem Kreislaufsystem gibt es Dinge, die auf der Hand liegen: Da ist einerseits die Überfischung der Meere, die so abgemildert werden könnte. Andererseits ist das System ziemlich effizient. So müssen in der Rindfleischproduktion acht Kilogramm Futter für ein Kilo Rind eingesetzt werden. Laut Störzner ergibt ein Kilo Futter (hier getrocknete Soldatenfliegenlarven) ein Kilo Fisch.

Was kostet eine solche Anlage?

Unterschiedlich: Preislich geht es bei 1500 Euro los, sagt Störzner, aber ein vernünftiges Modell mit Gewächshaus und allem drum und drin liegt bei rund 5000 Euro.

Wie viel Platz braucht man für so eine Anlage und was bringt sie ein?

Kommt darauf an. Mit einem Fischbecken von einem Kubikmeter Größe kann man 10 Quadratmeter Pflanzfläche düngen. Wie viel Fisch eine solche Anlage produziere, darauf will sich Störzner nicht festlegen lassen, das hänge neben der Fischart auch von der Erfahrung des Betreibers ab. Systemabhängig sei der Ertrag, der Hobbygedanke stehe noch im Vordergrund. „Und darum, Fisch und Gemüse selbst zu produzieren.“

Was ist sonst noch interessant?

Wenn Störzner von seiner Arbeit erzählt, werden ihm immer zwei Fragen gestellt. Schmecken die Tomaten nach Fisch? Und: Wie geht es den Fischen? Die erste Frage lässt sich klar mit "Nein" beantworten. Die Tomaten schmecken nach Tomaten. Die zweite Frage ist schwierig, Fische sagen ja für gewöhnlich nichts. Störzner hingegen sagt: Wenn es den Fischen schlecht gehe, würden sie Stresshormone abgeben, die könne man wiederum im Wasser nachweisen. Ihnen ginge es gut.

Wo kann man sich weiter informieren?

Auf der Firmenhomepage. Und, nicht nur, aber auch bei einem Symposium, das am 1. Oktober im Saal des Zentrums für Gehörlosenkultur e.V. Dortmund auf dem Gelände des Union-Gewerbehofes, Huckarder Straße 2-8, stattfindet. Beginn ist um 9.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Der etwas sperrige Titel der Veranstaltung lautet „Urbane Landwirtschaft – Innovationspotentiale und Zukunftsperspektiven in der Stadtentwicklung“.

Darin soll es um den aktuellen Stand der Dinge im „Urban Gardening“ gehen, also um die Produktion von Lebensmitteln in Ballungsgebieten. Verschiedene Redner betrachten die unterschiedlichen Perspektiven dieser Lebensmittelgewinnung, so spricht etwa Dr. Lutz Kosack über die „essbare Stadt“, gemeint ist hier Andernach. Dort hatte der städtische Sachbearbeiter Kosack die Idee, statt Blumenrabatten auf den städtischen Flächen Gemüse und Obst anzupflanzen. Am Anfang hielt man das für einen Scherz, inzwischen verbreitet sich die Idee immer weiter.

Zur Startseite >

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars unsere Kommentarregeln.

Verkehr ohne Verkehrsregeln führt ins Chaos. Internet-Debatten ohne Verhaltensregeln auch. Deshalb gibt es diese Kommentarregeln. Sie definieren den Rahmen, der eine sachliche, niveauvolle, faire und offene Diskussionskultur möglich machen soll. Wir bitten alle Leserinnen und Leser, sich an die folgenden Regeln zu halten:

  • Registrierung: Um bei uns mitdiskutieren zu können, müssen Sie sich registrieren. Bitte tun Sie dies mit Ihrem tatsächlichen Namen. Wir behalten uns das Recht vor, Accounts mit Fantasienamen zu sperren.
  • Seien Sie freundlich, fair und tolerant! Ein guter Umgangston ist die Grundlage für eine gute Diskussion. Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden möchten.
  • Das bedeutet: Keine persönlichen Angriffe auf andere Nutzer! Beleidigende, rassistische, sexistische, vulgäre, hetzerische oder gewaltverherrlichende Töne sind bei uns nicht erwünscht und werden vom Administrator gelöscht. Gleiches gilt für Links auf entsprechende Seiten im Internet.
  • Teilen Sie Informationen mit uns! Schenken Sie uns und den anderen Lesern Ihr Expertenwissen! Schildern Sie uns Ihre Beobachtungen als Augenzeuge! Stellen Sie Fragen und sagen Sie uns, wozu Sie noch mehr erfahren wollen!
  • Das Veröffentlichen urheberrechtlich geschützter Inhalte - zum Beispiel kompletter Artikel anderer Internetseiten - ist nicht erlaubt. Inhalte und Links mit werblichem oder kommerziellem Charakter werden gelöscht.
  • Es ist verboten, private Daten (Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen) zu veröffentlichen.
  • Beachten Sie das Thema einer Diskussion - Off-Topic-Beiträge sind unerwünscht.
  • Mit der Teilnahme an der Diskussion erkennen Sie die Kommentarregeln an. Bei Verstößen kann ein Diskussionsteilnehmer dauerhaft ausgeschlossen werden. Eine Registrierung unter einem anderen Namen wird nicht gestattet.
  • Wir behalten uns vor, einzelne Nutzerbeiträge in anderen Medien zu veröffentlichen. Ein Anspruch auf ein Honorar besteht nicht.
  • Bei technischen Problemen schreiben Sie bitte eine E-Mail an online@ruhrnachrichten.de.
Sie können bis zu 1000 Zeichen als Text schreiben.

Mehr aus diesem Ressort

Auch interessant

Weitere Artikel

Nach Oben
© 2016 Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG