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Anti-Terror-Fahnder im Einsatz: IS-Unterstützer Boban S. in Dortmund festgenommen

DORTMUNDDie Beamten des Landeskriminalamtes rollten gegen 6 Uhr am Dienstagmorgen an, es waren nicht wenige. Zwei Mannschaftswagen und mehrere Zivilbeamte, sogenannte Anti-Terror-Fahnder, hatten sich auf den Weg gemacht, um in der ruhigen Wohnstraße in der östlichen Innenstadt den mutmaßlichen IS-Unterstützer Boban S. festzunehmen.

IS-Unterstützer Boban S. in Dortmund festgenommen
In diesem Haus lebte Boban S.. Foto: Tobias Großekemper

Die Adresse war den Beamten schon länger bekannt, bereits am 10. August hatten sie seine Wohnung durchsucht. Der Deutsch-Serbe Boban S. steht im Verdacht, Teil eines Schleusernetzwerkes zu sein. Gemeinsam mit vier weiteren Männern soll S. junge Muslime für den IS angeworben und zur Ausreise nach Syrien und in den Irak aufgefordert haben. Laut der Generalbundesanwaltschaft stehen die fünf festgenommenen Männer in dringendem Verdacht, die terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) unterstützt zu haben.

Der in Dortmund festgenommene Mann war nicht das zentrale Element des Netzwerkes. Doch was Nachbarn von S. am Dienstag berichten, klingt nicht wenig besorgniserregend: Bis zur ersten Durchsuchung am 10. August hätten regelmäßig „Konferenzen“ in der rund 50 Quadratmeter großen Wohnung, die die Freundin von S., Nadine H., angemietet hatte, stattgefunden.

Boban S. soll unterrichtet haben

Immer donnerstags wären geschlechtergetrennt entweder Frauen oder Männer in der Wohnung zusammengekommen. Die Frauen verschleiert, die Männer in traditionellen salafistischen Gewändern und mit Bart. Um was es konkret bei diesen Zusammenkünften gegangen ist, ist den Nachbarn unklar. Laut der Generalbundesanwaltschaft hatte unter anderem S. die Aufgabe, „Gleichgesinnten und Ausreisewilligen neben der arabischen Sprache auch radikal-islamische Inhalte zu lehren. Der Unterricht diente dazu, die ideologischen und sprachlichen Grundlagen für eine zukünftige Tätigkeit beim „IS“, insbesondere für die Teilnahme an Kampfhandlungen, zu schaffen.“

Bis vor ungefähr vier Jahren, so Nachbarn, sei das Dortmunder Paar ganz normal gewesen, häufiger hätten sie „Party gemacht“, dann habe das plötzlich aufgehört. Ein halbes Jahr später habe man Nadine H. zum ersten Mal wieder im Treppenhaus getroffen, dabei sei sie vollverschleiert gewesen. Und Boban S. habe gesagt, man solle ihn ab jetzt Abdurrahman nennen. Unter diesem Namen trat der Konvertit als Prediger auf, dafür soll er in den Nordstadt einen Gebetsraum betrieben haben, der mittlerweile wieder aufgelöst sein soll. In Dortmund, das nicht als Hochburg der IS-Unterstützer gilt, ist es seit mehreren Jahren die Strategie der radikalislamischen Salafisten, ihre Zusammenkünfte konspirativ in Privaträumen stattfinden zu lassen.

Erste Durchsuchung im Sommer

Bereits am 10. August wurden Wohnungen in Duisburg, Hildesheim und Dortmund durchsucht worden. Darunter war auch die Wohnung von Boban S. und Nadine H., bereits damals stand der konkrete Verdacht im Raum, IS-Unterstützer angeworben zu haben. Dennoch kamen alle Verdächtigen im Sommer nicht in Haft. Die Nachbarn von Boban S. hatten sich damals noch gewundert, dass der Mann im Sommer in Freiheit blieb.

Inzwischen ist sich die Generalbundesanwaltschaft sicher, belegen zu können, dass das Netzwerk um Abu Walaa, der im richtigen Leben Ahmad Abdelazziz A. hieß, in Hildesheim predigte und am Dienstag im niederrheinische Tönisvorst festgenommen worden war, nachweislich einen jungen Mann samt dessen Familie nach Syrien zum IS geschleust zu haben. Zu einer weiteren Festnahme in diesem Zusammenhang kam es am Dienstag in Duisburg.

„Den Festnahmen sind umfassende und intensive gemeinsame Ermittlungen des Generalbundesanwalts und des Landeskriminalamtes vorausgegangen. Uns ist heute ein wichtiger Schlag gegen die salafistischen Strippenzieher und IS-Unterstützer gelungen“, sagte Innenminister Ralf Jäger. Die Ermittlungen gegen die Gruppe hatten im vergangenen Herbst begonnen.

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