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Östliche Innenstadt: Razzia: Polizei durchsucht Wohnung von Islamisten

DORTMUNDEin in Dortmund lebender Islamist soll versucht haben, Mitglieder und Unterstützer für die ausländische Terrororganisation "Islamischer Staat" zu rekrutieren. Die Polizei durchsuchte am Mittwoch seine Wohnung in der östlichen Innenstadt. Es ist nicht die erste Spur islamistischer Terrorverdächtiger nach Dortmund.

Razzia: Polizei durchsucht Wohnung von Islamisten
15. Februar 2014: Eine große Anzahl von Muslimen beteiligt sich an dem öffentlichen Gebet in der Kamptstraße, zu dem die islamistischen Hass-Prediger Pierre Vogel und Sven Lau aufgerufen hatten. Foto: Peter Bandermann (A)

Festgenommen wurde der Verdächtige nicht. Weitere Details wollte eine Sprecherin des Generalbundesanwalts am Mittwoch auf Anfrage nicht nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Der Generalbundesanwalt führt die Ermittlungen.

Der in Dortmund lebende Islamist soll in der Nordstadt einen privaten Gebetsraum betrieben haben. Wie zu erfahren war, soll dieser Gebetsraum bereits aufgelöst worden sein. Durchsucht wurden auch Räume in Duisburg, Düsseldorf und in Tönisvorst bei Krefeld. Einer der Verdächtigen soll den selbst ernannten „Islamischen Staat“ (IS) auch finanziell und logistisch unterstützt haben.

Keine Untersuchungshaft

Zwar besteht der Verdacht, dass die drei Männer eine ausländische Terrororganisation unterstützt haben. Doch für eine Untersuchungshaft reichte dieser Verdacht nicht. Genauer begründen wollte die Generalbundesanwaltschaft das nicht.

Verbunden mit den Moschee-Gemeinden seien diese Islamisten nicht, betonte am Mittwoch der Sprecher des Rates der muslimischen Gemeinden in Dortmund, Ahmad Aweimer: „Diese Leute arbeiten verdeckt. Sie kommen nicht in unsere Moscheen, weil sie dort Widerspruch erfahren. Allein können sie sich besser radikalisieren“, erklärte der 62-Jährige, der seit sechs Jahren für die muslimischen Gemeinden Dortmunds spricht. Stadtweit gibt es 37 Moscheen und Moscheevereine.

Sehr kritisch blickt Ahmad Aweimer auf die „Lies-mich“-Kampagne politischer Islamisten, die radikale Positionen vertreten und in der Innenstadt den Koran verteilen. „Für den Koran gibt es 36 Übersetzungen. Von der Lies-Mich-Kampagne halte ich nicht viel. Diese provokative Art schadet uns nur.“

Nicht die erste Spur

Mit der Durchsuchung am Mittwoch in der östlichen Innenstadt führte nicht zum ersten Mal eine Spur islamistischer Terrorverdächtiger nach Dortmund. Auch radikale politische Salafisten traten in Dortmund schon öffentlich auf. Eine Übersicht:

  • 2. März 2016: Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf beginnt der Prozess gegen den 23-jährigen Kerim Marc B. – er soll über Amsterdam und die Türkei nach Syrien gereist sein und dort ab 2013 unter dem Namen „Abu Zulfikar“ für den selbst ernannten „Islamischen Staat“ gekämpft haben. Kerim Marc B. ist gebürtiger Dortmunder.
     
  • 26. November 2015: In Berlin nimmt die Polizei zwei 28 und 46 Jahre alte Terrorverdächtige aus Syrien und Tunesien vorläufig fest. Zuvor gab es Hinweise auf drohende Terroranschläge in Dortmund. Der Verdacht bestätigte sich nicht.
     
  • 6. Oktober 2015: Ein Spezialeinsatzkommando überwältigt in der südlichen Innenstadt den mutmaßlichen Terroristen Fadi Rudolf S., der für zwei Terrororganisationen im Irak und in Syrien gekämpft haben soll.
     
  • 15. Februar 2014: Die gebürtigen deutschen Hass-Prediger Pierre Vogel und Sven Lau rufen auf der Kampstraße in der Innenstadt zu einem öffentlichen Gebet auf. Sven Lau sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Behörden halten ihm vor, den bewaffneten Dschihad zu befürworten und Glaubensbrüder zu motivieren, in den Krieg zu ziehen. Unter den Teilnehmern auf der Kampstraße war auch der frühere Linksterrorist Bernhard Falk („Antiimperialistische Zelle“), der vorübergehend in Dortmund wohnte und zuvor 13 Jahre im Gefängnis saß. Er konvertierte zum Islam und betreibt eine „Gefangenenhilfe“.
     
  • 22. April 2009: Das Oberlandesgericht Düsseldorf eröffnete das Verfahren gegen die aus vier Männern bestehende „Sauerland-Gruppe“, die eine Terrorzelle der in Pakistan und Afghanistan aktiven terroristischen Vereinigung „Islamische Jihad-Union“ war. Ein Haus im Sauerland, in dem die 23 bis 30 Jahre alten Terroristen Zutaten für den Bombenbau lagerten, mieteten sie bei dem Besitzer in Dortmund an. 
Dortmund ist einer von sieben Standorten in Nordrhein-Westfalen, an dem Spezialisten in Schulen, Vereinen und Familien beraten, um Jugendliche vor dem Abgleiten in den gewaltbereiten Salafismus zu bewahren. Das Beratungs-Projekt heißt „Wegweiser“ und wird betrieben vom Multikulturellen Forum am Friedensplatz (Tel. 53 21 46 14).

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