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Emschergenossenschaft warnt: Unvorsichtige Spaziergänger können in der Bolmke ertrinken

BRÜNNINGHAUSENZerstörte Zäune, widerrechtlich aufgeschlossene Tore: Parkbesucher verschaffen sich in der Bolmke immer wieder unrechtmäßigen Zugang zur Emscher - und riskieren damit neben ihrem eigenen auch das Leben anderer Menschen.

Unvorsichtige Spaziergänger können in der Bolmke ertrinken
Immer wieder öffnen Spaziergänger die Tore zur Emscher in der Bolmke. Das ist gefährlich. Foto: Eva-Maria Spiller

Über die aufgeschlossenen Tore beschwerte sich kürzlich ein Bürger in der Bürgersprechstunde der Bezirksvertretung Hombruch. Für die Emschergenossenschaft (EG) ein Zwiespalt.

„Es ist ein großes Problem und es ist uns bekannt“, sagt Ilias Abawi, Pressesprecher der Emschergenossenschaft. Die EG verwaltet die Emschergewässer, so auch den Abschnitt der Emscher, der durch die Bolmke fließt.

Betonoberfläche des Emscherufers ist gefährlich glatt

Insbesondere Hundehalter, sagt Abawi, ließen sich nicht davon abbringen, die Metalltore der EG am Ufer mithilfe eines Dreikants zu öffnen. Und sie nach ihrem Spaziergang offen zulassen. „Wenn die Tore offen stehen, besteht unmittelbare Ertrinkungsgefahr“, sagt Abawi. Und wenn das Öffnen des Schlosses nicht klappe, dann werde der Hund über das Tor gehoben.

Besonders gefährlich sei es, sagt Abawi, wenn ein Gewässer noch nicht oder erst vor Kurzem renaturiert wurde. Fällt jemand in ein verschaltes, also noch nicht renaturiertes Gewässer, droht Lebensgefahr. Denn die Betonoberfläche am Ufer sei so glatt, sagt Abawi, dass sich die Person an den 45 bis 60 Grad steilen Rändern nicht festhalten kann. „Bei gewisser Strömung wird es wirklich gefährlich“, sagt Abawi.

Aber auch erst jüngst renaturierte Gewässer bergen Gefahr: „Weil sich hier kaum Gestrüpp gebildet hat, kann man sich nirgendwo festhalten, wenn man ins Wasser fällt“, sagt Abawi. Anders liege die Sachlage bei alten, renaturierten Gewässern, von deren Ufer ausreichend Gestrüpp ins Wasser ragt. Diese seien dann oft freigegeben.

DLRG: nicht sofort hinterherspringen

Sollte es zum Abrutschen an der Uferkante kommen, weiß Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgemeinschaft (DLRG), was zu tun ist. „Wer in eine Strömung gerät, sollte sich auf den Rücken legen, den Kopf oben halten und sich von der Strömung tragen lassen.“ Anstatt im rechten Winkel ans Ufer zu rudern, sollte der in Not Geratene lieber versuchen, sich mit der Strömung an den Rand gleiten zu lassen. „Das kann schon ein paar Hundert Meter Wasserweg in Anspruch nehmen“, sagt Wiese.

Beobachten Spaziergänger einen solchen Unfall, sollten sie Ruhe bewahren und nicht sofort hinterher springen. Beobachter müssen erst einschätzen, ob sie körperlich in der Lage sind zu helfen. Der Experte empfiehlt, 112 zu wählen. Es sei wichtig, dass derjenige, der retten möchte, 100 Meter am Ufer vorweg läuft, bevor er ins Wasser steigt. „Es ist klüger einem Notleidenden entgegen zu schwimmen, als an der Unfallstelle hineinzuspringen.“ Besonders Kinder würden aufgrund ihres leichten Körpergewichtes sehr schnell von der Strömung vorangetragen werden.

Erneute Prüfung

Es sei ein Dilemma, sagt Abawi, und zwar an allen Emschergewässern: „Wir können nur einen Platzverweis erteilen.“ Das Recht, jemanden festzuhalten, bis die Polizei eintrifft, hat die EG nicht. Allerdings: „Wenn ein Bereich stark betroffen ist, ersetzen wir das Schloss durch eines, das man nur noch mit einem speziellen Schlüssel aufbekommt“, sagt Abawi.

Nun wolle man auch noch einmal die Lage in der Bolmke untersuchen. Generell aber gelte: „Zäune muss man respektieren. Sie werden aus gutem Grund aufgestellt.“ Das Gleiche gelte für die Hinweisschilder, die in für Kinder einfacher Sprache gehalten seien und auf die Lebensgefahr im Wasserbereich hinweisen.

Ursprünglich hatte sich ein Bürger an die Bezirksvertretung Hombruch gewandt, mit der Bitte, zerstörte Zäune in der Bolmke instand zu setzen, weil er sich um die Sicherheit von Kindern und älteren Menschen sorgte.
Weil der Fluss allerdings Sache der Emschergenossenschaft sei, falle dies nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt Dortmund, teilte Pressesprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit.

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Kommentare
  • Tipp
    von Darum am 24.04.2017 15:54 Uhr

    Gehen Sie doch mal in der Bolmke joggen. Wenn der Geruch Sie nicht überzeugt, dann spätestens die sichtbar im Wasser schwimmenden Fäkalien samt Klopapier: da fließt es oberirdisch.
    Sie können ja auch gerne mal den "wie glitschig ist die Rinne?"-Test machen und hier davon berichten, wenn Sie so überzeugt davon sind, dass es nicht so ist.

  • Dann sind Sie sicherlich so nett...
    von vaikl am 25.04.2017 00:50 Uhr

    ...und zeigen uns z.B. anhand von Google-Map-Koordinaten, wo denn bitte die Emscher im Bereich Bolmke bzw. Brünninghausen noch ihr altes, V-förmiges Betonbett besitzt. Was die Kleingärtner, Spaziergänger und auch Jogger dort jetzt noch an eigenem Unrat und Fäkalien in den renaturierten Bach absondern, wäre ein Fall fürs Umweltamt und Ordnungsbehörden, hat aber weder mit der kolportierten "Warnung" noch mit dem Castroper Unfall etwas zu tun.

  • Einladung steht
    von Darum am 25.04.2017 09:24 Uhr

    Kommen Sie vorbei und machen sich selbst ein Bild.
    Die Emscher ist voller Fäkalien, das Bett ist rutschig, man kann ertrinken, wenn man reinfällt. Sie können mich gerne mit einem beherzten Sprung ins kühle Nass vom Gegenteil überzeugen. Interesse?

  • Und die renaturierten Emscherzuflüsse in der Bolmke haben...
    von vaikl am 24.04.2017 13:35 Uhr

    ...jetzt genau was mit den damals wie heute noch lange nicht abgeschlossenen Umbaumaßnahmen in Castrop zu tun?? Wenn Sie hier "globale Szenarien" entwerfen, dann sollte der Artikel nicht im Dortmunder Lokalteil steckenbleiben, aber bis dahin sollte man schon noch unterscheiden können, wo die Kloake bereits getrennt unterirdisch fließt und wo nicht.

  • Kein Quatsch
    von Darum am 24.04.2017 13:12 Uhr

    Die Rinnen sind leider immer noch genau so glitschig:
    http://www.derwesten.de/staedte/castrop-rauxel/dortmunder-stirbt-nach-rettung-aus-der-emscher-id10251016.html

    Und Sicherheitswarnungen als "dumme Angstszenarien" zu bezeichnen ist schon sehr kurz gedacht.

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