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Übergangseinrichtung schließt: Die Flüchtlinge verlassen die Frenzelschule

HÖRDEDie ehemalige Frenzelschule an der Straße Entenpoth war einer von fünf Orten im Stadtbezirk Hörde, an denen ab Herbst 2015 Geflüchtete nach ihre Ankunft in Dortmund gelebt haben. Zum 1. Oktober schließt die Einrichtung. Ein letzter Besuch.

Die Flüchtlinge verlassen die Frenzelschule
Die Frenzelschule in Hörde war zwei Jahren lang eine Unterkunft für geflüchtete Menschen. Foto: Felix Guth

Gedämpfte Stimmen sind zu hören im steinernen Treppenhaus der alten Schule. Der Geruch von Currygewürz weht durch die Flure mit den blass-gelben Wänden. Vor dem Zugang zur ehemaligen Turnhalle stehen aufgereiht sechs Kinderwagen. Für 67 Menschen, die aus Krisenregionen nach Deutschland geflohen sind und Asyl beantragt habe, ist dieser Ort ein Zuhause auf Zeit. Bis Ende des Monats.

Dann müssen die vier Großfamilien und rund 30 Alleinreisenden, die noch in der Frenzelschule leben, eine eigene Wohnung gefunden haben, sofern ihr Asylstatus das erlaubt. Die Diakonie und das Sozialamt begleiten sie dabei. „Es ist Teil der Arbeit von Übergangseinrichtungen, Bewohner auf diesen Schritt vorzubereiten. Dazu zählt auch Aufklärung über kulturelle Unterschiede. Das gilt für die Bewohner- genauso wie für die Vermieterseite“, sagt Martina Herold.

Ulrich Piechota ergänzt: „Bisher gelingt uns das in Dortmund recht gut. Die Vermieter leisten eine ganze Menge.“ Rund 65 Prozent der anerkannten Asylbewerber leben in eigenen Wohnungen. Aber gerade bei Wohnraum für größere Familien und für Alleinstehende bleibe die Situation schwierig.

Ehrenamtliche bleiben

Wenn es in der Frenzelschule wieder still wird, bleibt trotzdem vieles von dieser Zeit. Sechs Kinder sind seit Oktober 2015 hier geboren, eines davon trägt den Namen Angela. Es sind viele persönliche Beziehungen entstanden zwischen den Bewohnern und den Menschen, die sich hier ehrenamtlich eingebracht haben.

Bis zu 60 Personen groß ist dieser Kreis. „Sie haben dazu beigetragen, dass es hier ein Angebot auf vielen Ebenen gibt“, sagt Martina Herold. „Dieses Hörder Netz möchten wir weiter nutzen und jetzt sehen, welche Dinge wir belassen“, sagt sie. Im Stadtteil wird eine Anlaufstelle unter dem Titel „Lokal Willkommen“ entstehen – die zweite nach dem Pilotprojekt im Stadtbezirk Brackel gibt.

„Dass Einrichtungen geschlossen werden, hat mit der veränderten Kapazitätsplanung und den Zuweisungen an Flüchtlingen zu tun, die vom Land kommen. Welche Einrichtungen geschlossen werden, hängt unter anderem davon ab, wann Mietverträge oder Verträge mit den Betreibern der Einrichtungen ablaufen, und in welchem Zustand die Objekte sind“, sagt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki.

Haus Husen ist letzte Unterkunft in Hörde

In Hörde ist mittlerweile nur noch das Haus Husen in Syburg als Flüchtlingsdomizil in Betrieb. Die Unterkünfte in der ehemaligen Polizeiwache an der Alten Benninghofer Straße, im Landhaus Syburg und im Lernzentrum Wellinghofen sind bereits geschlossen. Die Ex-Polizeiwache soll zum Wohnhaus werden. Bei den anderen Immobilien ist laut Stadt noch nichts „spruchreif“.

Zumindest, was das ehemalige Hotel Landhaus Syburg angeht, sorgt das vor Ort für Verdruss. Die Dortmunder Politik hatte mit einer Mehrheit zuletzt abgelehnt, hier die städtische Frauenübernachtungsstelle anzusiedeln. Hördes Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris (SPD) versteht das nicht und findet es „nicht glücklich, dass jetzt hier nicht gehandelt wird.“

Landhaus Syburg steht nach wie vor leer

Gastronomen und Anwohner im Umfeld beklagten den sich verschlechternden Zustand des leer stehenden Landhaus-Gebäudes. „Es besteht die Gefahr, dass ein Schandfleck entsteht“, sagt Hillgeris und sieht dazu die Stadt Dortmund in der Pflicht. Diese hat das Gebäude bis 2025 von der BAG-Bankaktiengesellschaft angemietet.

Hochphase als Unterkunft bis Juni 2016
Die ehemalige Förderschule wurde 2014 geschlossen. Was künftig mit dem Gebäude geplant ist, steht noch nicht fest. Am 22. Oktober 2015 zogen die ersten Geflüchteten ein. Es lebten bis zu 130 Menschen in 21 Klassenräumen und der ehemaligen Hausmeisterwohnung. Bis Juni 2016 sei die Zahl der Ein- und Auszüge konstant hoch geblieben, so die Einrichtungsleitung.

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