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Wittbräucker Straße: Nach 34 Jahren schließt das "Höchstener Rast"

HÖCHSTENAuf der Wittbräucker Straße geht eine Ära zu Ende: Noch in diesem Monat schließt das Imbiss-Restaurant Höchstener Rast. Nach 34 Jahren. Ein Abschiedsbesuch.

Nach 34 Jahren schließt das "Höchstener Rast"
Rotraud Ellinghaus und Ehemann Günther Braband nehmen langsam Abschied von ihrem "Stübchen" – und von all jenen Kunden, die im Laufe der Jahrzehnte zu Freunden geworden sind. Foto: Andreas Klinke

Wenn Rotraud Ellinghaus zurückblickt, macht sie aus ihrer aufkommenden Wehmut keinen Hehl. „Damals, als wir eröffnet haben, gab es hier schließlich noch gar nichts.“„Gar nichts“ mag vielleicht etwas übertrieben sein. Also wird die 74-jährige etwas genauer. „Der Kiosk gegenüber existierte noch nicht. Auch keine Pizzeria. Und eigentlich auch noch kein Bürgersteig.“ Das war 1982. Um die Nahversorgungslücke ein wenig zu schließen, beschloss die Dortmunderin: „Ich mach einen Kiosk.“ 

Kurze Zeit später eröffnete sie im Gebäude an der Höchstener Straße 397. Direkt neben einer Drogerie, in jener Zeit eines der wenigen Geschäfte vor Ort. Neben ihrer Arbeit als Sekretärin an der Universität verkaufte sie, unterstützt mit zwei Mitarbeiterinnen neben Getränken und Tabakwaren auch Schuhcreme oder Zahnpasta. „Wie ein richtiger Tante-Emma-Laden.“

Goldrichtige Entscheidung

„Als die Drogistin ein Jahr später in den Ruhestand ging, bin ich mehrfach darauf angesprochen worden, dass hier auf jeden Fall ein Imbiss fehle.“ Da hat sie nicht lange gezögert – ein Jahr später eröffnete sie ihr „Höchstener Raststübchen“. Und schon bei der Eröffnung zeigte sich, dass die Entscheidung goldrichtig war: „Sofort war es rappelvoll bei uns.“ Und die Gäste kamnen nicht nur zum Essen. Das Raststübchen entwickelte sich zum Treffpunkt, vor allem für junge Leute. „Damals gab es ja noch kein Facebook und keine Handys. Also traf man sich bei uns.“

Schnell wurde der Imbiss zur Institution – weit über die Grenzen im Dortmunder Süden hinaus. Rotraud Ellinghaus ist überzeugt, dass die über die Jahre gleichbleibende Qualität dafür verantwortlich ist. „Unsere Produkte haben sich in all den Jahren nicht verändert.“ Die Soßen hat sie stets selbst zubereitet und sich dabei auf den gleichen Lieferanten verlassen. „Immer 1A-Ware.“ Für sie ein Grund, dass sie auch Kundschaft von außerhalb hat. „Manche kommen aus Paderborn oder dem Sauerland. Wenn sie in der Region zu tun haben, schauen sie bei uns rein.“

"Für die Leute hier blieb es aber immer das Raststübchen"

1996 schließlich beschloss sie, ihr Stübchen deutlich zu vergrößern. „Wir hatten ja nur vier Tische, ein paar Bänke und Stehtische. Der Kiosk wanderte auf die andere Straßenseite und die Mauer zwischen dem alten Lädchen und dem Imbiss wurde eingerissen. „Sechs Wochen hatten wir geschlossen“, erinnert sich Ellinghaus. Danach hatte der Imbiss 32 Sitzplätze und eine Terrasse. Das „-stübchen“ aus dem Namen wurde gestrichen, nun kehrte man im „Höchstener Rast“ ein. „Für die Leute hier blieb es aber immer das Raststübchen“, sagt sie.

Nun hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Günther schweren Herzens die Entscheidung getroffen: Ende August landen die letzten Bratwürstchen auf dem Grill, die letzten Pommes in der Fritteuse und der letzte Eintopf auf den Tischen. „Unsere Mitarbeiter sind mit uns gealtert, haben nur noch Mini-Jobs. Eigentlich hätte sie ja gerne weitergemacht. „Zehn oder 20 Jahre“, versichert die heute 74-Jährige.

Neues Lebensgefühl: Freizeit

Mit dem Gedanken, bald Rentnerin zu sein, kann sich Rotraud Ellinghaus noch nicht so richtig anfreunden. „Aber das ging der Drogistin damals auch so“, erinnert sie sich. „Und die hat sich dann doch schnell daran gewöhnt.“ Immerhin kommt auf sie und ihren Mann bald etwas zu, dass sie lange Jahre kaum kannten: Freizeit.

„Mein Mann steht von 6 bis 22 Uhr im Laden, ich komme zum Mittagsgeschäft dazu“, berichtet sie. Und nachdem der Imbiss geschlossen hat, kümmert sie sich um die Kasse. Urlaub hatten beide zuletzt 1991. „Da waren wir 14 Tage in Spanien.“ Zudem haben stets sechs Angestellte mitgearbeitet. Und vor drei Jahren haben sich Rotraud und Günther ein paar Stunden freigenommen. „Wir mussten in die Stadt.“ Da hat sie dann ihren langjährigen Lebensgefährten endlich geheiratet.

Bisher hat das Betreiber-Paar über ihrem Restaurant gewohnt. Das wird sich aber ändern. „Das hätte uns zu sehr weh getan“, so Ellinghaus. Auch künftig soll es an der Höchstener Straße 397 eine Gastronomie geben. In welcher Form weiß Rotraud Ellinghaus allerdings nicht. Auf jeden Fall soll werden beide noch zu einer großen Abschiedsparty einladen.

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