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Nach sexueller Belästigung in Asseln: Polizei: Keine Bilder von Verdächtigen bei Whatsapp verbreiten

ASSELNZwei Mal innerhalb von zwei Tagen hat ein 14-Jähriger in Asseln junge Grundschülerinnen am Freitag und Samstag sexuell belästigt. Während die Polizei ermittelt, macht auf Whatsapp ein Foto des Verdächtigen die Runde, um andere Eltern und deren Kinder zu warnen. Was menschlich nachvollziehbar ist, bleibt juristisch äußerst bedenklich.

Polizei: Keine Bilder von Verdächtigen bei Whatsapp verbreiten
Auf diesem Spielplatzes entblößte sich ein 14-Jähriger am Samstag – der Jugendliche ist bekannt und wurde noch am gleichen Tag vernommen. Foto: Oliver Schaper

Die Taten geschahen am Rande eines Grundschulfestes und an einer Kirche in Asseln: An der Grundschule hat sich der Jugendliche nach Angaben der Polizei entblößt und in den eigenen Schritt gegriffen. Eine Erstklässlerin soll er dabei aufgefordert haben, ihren Schlüpfer auszuziehen. Die Siebenjährige rannte sofort weg.

Bereits am nächsten Tag wurde der Verdächtige nur wenige hundert Meter entfernt erneut auffällig: Auf einem Spielplatz an einer Kirche zeigte er erneut sein Geschlechtsteil und soll, so geben es Eltern an, eine weitere Grundschülerin gefragt haben, ob sie Sex mit ihm haben wolle. Auch hier rannte die Grundschülerin, ein ebenfalls siebenjähriges Mädchen, sofort weg.

Mutmaßlicher Täter wurde bereits vernommen

Da Freunde und ein Geschwisterkind eines der Opfer den mutmaßlichen Täter kannte, war er schnell ermittelt, noch am Samstagabend wurde er durch die Kriminalpolizei im Beisein seiner Eltern vernommen. Die Taten werden für ihn, da er mit 14 Jahren strafmündig ist, Konsequenzen haben.

Eigentlich ist es also ein relativ klarer Fall für die Polizei, die Karten liegen ja auf dem Tisch – und dennoch ist er hochproblematisch: Denn erneut kursieren in sozialen Netzwerken, diesmal ist es Whatsapp, diverse Warnungen in entsprechenden Elterngruppen. Samt des Namens und eines Fotos, das den Tatverdächtigen zeigen soll. Das Bild wurde offenbar von einem Elternteil aufgenommen.

Fall in Derne: Mann zu Unrecht als Kinderschänder verunglimpft

Erst am vergangenen Samstag hatte unsere Redaktion über einen ähnlichen gelagerten Fall berichtet, er ereignete sich in Derne: Dort soll ein Mann ein Kind mehrfach morgens auf dem Schulweg angesprochen und ihm Geschenke gemacht haben.

Auch hier wurde ein Foto aufgenommen, es verteilte sich über Whatsapp und Facebook, taucht immer wieder auf – inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass der abgebildete Mann gar nichts mit den Taten zu tun hat, er aber dennoch als potentieller Kinderschänder bezeichnet und sein Bild in diesem Kontext weiterverbreitet wird.

Wer postet, kann sich strafbar machen

„Wenn solche Bilder verbreitet werden, zumal in geschlossenen Gruppen, können wir nicht kontrollieren, was weiter passiert. Genausowenig wie die Person, die das Bild als erste aufgenommen und weiterverbreitet hat, das, was weiter geschieht, kontrollieren kann“, sagt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt. Das gelte auch, wenn so ein Bild in eine geschlossene Gruppe gepostet – auch das kann zivil- wie strafrechtliche Folgen haben.

„Natürlich“, so ihr Kollege Sven Schönberg, „kann man sehr gut verstehen, dass die Eltern in großer Sorge sind.“ Doch Ermittlungen seien Polizeiarbeit. Bilder oder Namen gehörten nicht in soziale Netzwerke, sondern zur Polizei.

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