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Ab 2018 im Kreis Unna: Freilaufende Katzen müssen kastriert werden

LÜNEN/SELMStreunende Katzen sind ein Problem. So argumentiert der Kreis Unna und verordnet eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Ab 2018 gilt: Wer seine Katze nicht kastriert, sie aber frei herum laufen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Und das kann teuer werden.

Freilaufende Katzen müssen kastriert werden
Vor einer Kastration untersucht der Tierarzt die Katze zuerst einmal gründlich. Ab 2018 ist die Kastration für alle Katzen Pflicht. M. Marten (Deutscher Tierschutzbund)

Darauf mussten insbesondere die Tierschutzvereine im Kreis Unna lange warten: Der Kreistag hat am Dienstag einstimmig die Einführung einer Kastrationspflicht für freilebende Katzen ab 2018 beschlossen. „Ein Segen“, nennt diese Entscheidung Stefanie Hirschfelder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Lünen. Weit über 20 Jungkatzen habe der Verein alleine in diesem Jahr an private Haushalte vermittelt:

„Die Tiere pflanzen sich munter fort“, sagt Hirschfelder, „das ist ein großes Katzen-Elend.“ Vor allem die Tiere, die jetzt in den kalten und nassen Monaten in der freien Natur geboren werden, hätten es schwer. „Die meisten leiden unter Katzenschnupfen, da bleibt uns oft nichts anderes übrig, als die einzuschläfern.“ Nicht alle Katzen kann der Tierschutzverein in Familien vermitteln, rund 100 freilebende Tiere werden jeden Tag im Lüner Stadtgebiet gefüttert. Die Kastrationspflicht sei also „absolut notwendig.“

Probleme auch in Selm

Auch in Selm gibt es eine Katzenproblematik. Das bestätigte Dr. Anja Dirksen, Leiterin des Sachgebiets Veterinärwesen vom Kreistierheim Unna, auf Anfrage. Bei Wildpopulationen litten die Tiere oftmals unter Krankheiten oder Mangelernährung. Die Selmerin Susanne Hübner, die sich um verwilderte Tiere kümmert, begrüßte die Entscheidung des Kreistags. „Das ist der richtige Weg, um die Probleme zu lösen und das sinnlose Lied zu beenden“, so die Tierschützerin. Denn verwilderte Katzen leben deutlich stressfreier, wenn sie kastriert seien, weil dadurch die Revierkämpfe und damit die Verletzungen der Tiere weniger würden.

Probleme mit zu vielen frei lebenden und verwilderten Katzen hatte der Kreis Unna bereits Anfang des Jahres bestätigt. Im Kreis Unna seien in fast allen Städten und Gemeinden sogenannte „Katzenhotspots“ in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierschutzvereinen festgestellt worden. So bezeichnet der Kreis eine große Ansammlung von verwilderten Katzen. Zu viele Tiere in einem Gebiet führen zu hohem Infektionsdruck und damit zu Leiden der Tiere.

Entscheidung "im Sinne der Katzen"

Der Kreis nutzt nun die vom Gesetzgeber 2015 eröffnete Möglichkeit und steuert ab Januar 2018 mit einer Verordnung gegen. Dabei arbeitet der Kreis eng mit den Tierschutzvereinen zusammen, die sich bislang bei der Betreuung verwilderter Katzen engagiert haben. Dem einstimmigen Votum folgte der Applaus der Tierschützerinnen. Stephanie Schmidt von den Grünen begrüßte als Antragsstellerin die Entscheidung „im Sinne der Katzen“.

Denn die Verordnung dient vor allem dem Schutz frei lebender Katzen im Kreisgebiet Unna. Mit dem zehn Paragrafen umfassenden Regelwerk soll der Leidensdruck frei umherstreifender Katzen gesenkt werden. „Wir setzen auf das Verständnis und die Verantwortung der Halter“, sagte Constanze Rauert von der Pressestelle des Kreises Unna.

Kosten für Kastration

Die Kosten für die Kastration frei lebender Katzen trägt zum Teil der Kreis Unna, aber auch die Tierschutzvereine finanzieren sie im ersten Jahr mit. Der Kreis stellt 40.000 Euro bereit. Den Rest zahlen die Tierschutzvereine.

Wie viel an den Vereinen hängen bleiben wird und ob die das überhaupt stemmen können, weiß Stefanie Hirschfelder vom Tierschutzverein Lünen noch nicht. „Wir haben uns deshalb erst einmal nur für ein Jahr verpflichtet, in die Bresche zu springen“, sagt sie. Die Kastration und Kennzeichnung eines weiblichen Tieres kostet rund 130 Euro, bei einem männlichen Tier rund 90 Euro. Die Vereine hoffen auf Unterstützung über das Förderprogramm „Katzenkastration“ des Landes NRW.

Pflicht zum Chippen

Aber nicht nur die Kastration ist Pflicht: Halter sogenannter Freigängerkatzen müssen künftig ihr Haustier durch einen Mikrochip kennzeichnen, registrieren und außerdem kastrieren lassen. Um eine unkontrollierte Fortpflanzung zu vermeiden, müssen sich Besitzer fortpflanzungsfähiger Katzen auch darum kümmern, dass die Vierbeiner keinen Auslauf bekommen.

Bei fortpflanzungsfähigen, aber noch nicht kastrierten Katern und Katzen mit Freigang, kann eine Kastration auf Kosten des Besitzers angeordnet werden. Nach Inkrafttreten der Verordnung zum 1. Januar 2018 gilt eine sechsmonatige Übergangsfrist. 

Bis zu 1000 Euro Strafe

Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Und die kann, so steht es in der am Dienstag beschlossenen „Verordnung zum Schutz freilebender Katzen, teuer werden: „Ordnungswidrigkeiten können mit Geldbußen bis zu je 1000 Euro geahndet werden.“ 

Nicht ganz optimal findet Stefanie Hirschfelder vom Tierschutzverein Lünen, dass man den Katzen künftig nicht ansieht, ob sie kastriert sind oder nicht. Den Mikrochip können nur Tierärzte auslesen. Sie hätte sich deshalb beispielsweise eine entsprechende Tätowierung im Ohr gewünscht, damit nicht die selben kastrierten Tiere mehrmals unnötigerweise zum Tierarzt gebracht werden – das kostet Zeit und Nerven.

 

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