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Voller Kalender auch im Ruhestand: Vom Lehrer zum ehrenamtlichen Chronisten Lünens

LÜNENHans-Jürgen Korn hat eine Mission. Obwohl der ehemalige Lehrer bereits seit 13 Jahren im Ruhestand ist, möchte er noch etwas tun. Er will zeigen, was einmal war, damit Bedeutendes und Prägendes von Lünen erhalten bleibt. In seiner Wohnung stapeln sich Ordner und Fotoalben. Ein Portrait aus unserer Serie über Lüner Pensionäre.

Vom Lehrer zum ehrenamtlichen Chronisten Lünens
Ordner bis unter die Decke: Hans-Jürgen Korn ist im Ruhestand als Chronist, Buchautor, Künstler und Kurator von Ausstellungen aktiv. Als Ur-Lüner ist es ihm nicht egal, was mit dem kulturellen Erbe passiert. Er bringt sich ein. Foto: Magdalene Quiring-Lategahn

Sein Kalender könnte der eines Managers sein – er ist eng getaktet. Dabei ist Hans-Jürgen Korn seit 13 Jahren im Ruhestand. Doch ihn begeistert ein außergewöhnliches Hobby: Er will das kulturelle Bewusstsein Lünens lebendig halten. Das füllt ihn aus. „Einen Bruch nach dem Berufsleben hat es deshalb für mich nie gegeben“, sagt der 77-Jährige. 

Es gibt nur eines, das er vermisst: den Umgang mit Jugendlichen. Er fand ihn immer „großartig“. In seiner Wohnung stapeln sich Ordner, auf seinem PC finden sich unzählige Computerdateien. Sie sind ein Teil des städtischen Gedächtnisses. Hans-Jürgen Korn sammelt, fotografiert und dokumentiert – die Arbeit eines Chronisten. „Ich möchte zeigen, was einmal war“, sagt er. Denn nur wer sich erinnere, könne Zukunft gestalten. Dem Ur-Lüner ist es nicht egal, was mit Gebäuden oder Kunstschätzen in seiner Stadt geschieht.

Stein kuratiert Lüner Ausstellungen

Beim Tag des Denkmals führte Korn mehr als hundert Besucher durch das bedeutende und von Architekt Hans Scharoun entworfene Gebäude der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Schon 2009 hat er eine Scharoun-Ausstellung konzipiert. Es folgte zum 50. Bestehen des ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Rathauses eine weitere Ausstellung mit Beiträgen in dem dazu erschienen Buch „HochHinHaus“.

Auf Cappenberg hat er eine Ausstellung zu Freiherr-vom-Stein kuratiert. Sie spannt den Bogen zu seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem gleichnamigen Gymnasium. „Ich freue mich noch heute, dass die Schule unter Denkmalschutz steht“, weist er auf die besondere Architektur des Amsterdamer Stils hin.

Begeisterung für die Architektur von Lüner Gebäuden

Als er seinerzeit als Lehrer dorthin kam, habe er fast „einen Herzriss“ bekommen. Durch Reparaturen sei dort viel verdorben worden. Inzwischen ist das Gebäude wieder ein Schmuckstück. Die Entwicklung hat er mit Schülern in der Ausstellung „Registrieren, reparieren und restaurieren“ aufgearbeitet. Bei aller Freude hat das Bau-Ensemble für Korn aber einen Schönheitsfehler: Das Direktorengebäude im selben Stil dürfe der Schule nicht verloren gehen.

Seinen Blick richtet er auch nach Nordlünen. „Es ist dringend notwendig, dass das Gymnasium Altlünen unter Denkmalschutz gestellt wird“, fordert er. Der eigentliche Charakter sei durch Veränderungen schon nicht mehr da.
Woher er die Zeit für die vielen Aktivitäten nimmt, ist schwer vorstellbar.

Engagement in zahlreichen Lüner Vereinen und Gesellschaften

Hans-Jürgen Korn engagiert sich in der Scharoun-Gesellschaft, gehört zum Theater-Förderverein, dem Denkmalpflegeverein, dem Förderverein Stadtbücherei und dem für Kunst und Kultur. Auch in der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft Cappenberg ist er Mitglied.

Korn dokumentierte die Werke des ehemaligen Stadtgrafikers Hermann Nüdling und konzipierte zu dessen 80. Geburtstag eine viel beachtete Ausstellung.

Fotografie, Malerei, Collagen: Stein schafft auch selbst Kunst

Zudem ist er selbst künstlerisch tätig. Unter dem Thema „Zunahme der Entropie“ interessiert ihn, was passiert, wenn man Organismen oder Systeme sich selbst überlässt. „Alle Phasen des Seins sind spannend. Auch in der Vergänglichkeit findet sich Schönheit“, sagt Korn. So hat er die spezielle Ästhetik von Bäumen nach einem Brand im Olivenhain fotografiert. Die Bilder wirken fast grafisch.

Seine Kunst aus Malerei, Grafik, Fotografie und Collagen zeigt Korn jeden zweiten Monat in einer Vernissage in seiner Wohnung. Dort stellt er im Wechsel mit Heidi Meier aus, die Skulpturen und Malerei präsentiert.

Sein Terminkalender ist gut gefüllt. „Dass ich alles freiwillig tue, das ist für mich Freiheit.“

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