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Busfahrer verlangt Extra-Ticket: Familie wegen Kinderfahrrad nicht mitgenommen

SCHWERTEEine Mutter mit zwei kleinen Kindern wollte mit dem Bus in die Stadt. Der Sohn hatte sein Kinderfahrrad dabei. Dafür wollte der Busfahrer extra kassieren. Am Ende ging die Familie drei Kilometer zu Fuß. „Alles korrekt“, sagt die Bahn und verweist auf ihre Tarifbestimmungen, während die Mutter verspätet zum Integrationskurs erschien.

Familie wegen Kinderfahrrad nicht mitgenommen
Farideh Solizadeh mit ihren Kindern Stefan und Ella und dem Kinderfahrrad, das den Streit mit dem Busfahrer auslöste. Der hielt sich an die Beförderungsrichtlinien. Foto: Bernd Paulitschke

Für die Beförderung eines „mit Muskelkraft betriebenes Radfahrzeugs“ darf das Busunternehmen Geld nehmen. Der Fahrpreis muss in Euro und möglichst passend entrichtet werden. So steht es in den Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Die gelten auch für die Linie 594 des Busverkehrs Rheinland. Und auch für das Fahrrad des dreieinhalbjährigen Stefan.

Farideh Solizadeh nahm Anfang September wie jeden Morgen mit ihren beiden Kindern den Bus von Wandhofen nach Schwerte-Bahnhof. „Der Kleine wollte unbedingt sein Fahrrad in den Kindergarten mitnehmen“, berichtet die junge Mutter. „Die kleinere Tochter hatte ich auf dem Arm.“ Beim Einstieg in den Bus trug die Mutter, Besitzerin eines Abo-Tickets, das Kinderrad. „Da sagte der Busfahrer plötzlich, dass ich für das Rad ein Ticket für 1,70 Euro kaufen muss“, erinnert sich Farideh.

Mutter kommt verspätet zum Integrationskurs

Also habe sie ihre Geldbörse aus der Tasche gekramt. Mit der Kleinen auf dem Arm, dem Fahrrad und dem Sohn habe sie kaum eine Hand frei gehabt, um das Geld aus dem Portemonnaie zu holen. Letztlich habe sie eine Handvoll kleiner Münzen auf die Geldschale beim Fahrer gelegt. „Das war auf jeden Fall genug“, erklärt die gebürtige Iranerin. „Aber der Busfahrer hat sich geweigert, die passenden Münzen herauszusuchen. Wir mussten wieder aussteigen.“

Mit den beiden Kleinkindern und dem Rad sei sie dann die drei Kilometer bis zum Kindergarten des Sohnes gelaufen – mit der Tochter auf dem Arm. „Ich hatte ja an diesem Tag keinen Kinderwagen dabei.“ Sie selbst sei 45 Minuten zu spät zu ihrem Integrationskurs gekommen, den sie täglich in der Innenstadt besucht.

Ihr Ehemann hat nach dieser Begebenheit eine Beschwerde-Mail an die VKU geschickt, deren Name auf dem Abo-Ticket aufgedruckt ist. Von dort gab es allerdings nur den Hinweis, dass man die Linie 594 nicht bediene und deshalb nicht zuständig sei.

Busfahrer handelte korrekt

Die Redaktion hat bei der Deutschen Bahn AG, zuständig für den Busverkehr Rheinland, nachgefragt und dort erfahren, dass der Busfahrer sich korrekt verhalten habe. Ein Bahnsprecher: „Das Fahrrad war voll verkehrstauglich und ist deshalb kein Spielzeug. Hier hat sich der Busfahrer korrekt verhalten und die Tarifbestimmungen, die Grundlage seiner Arbeit sind, richtig angewendet. Dennoch bedauern wir, dass es zu diesem Vorfall gekommen ist.“

Außerdem behauptet der Busfahrer, der im Unternehmen als gewissenhaft und korrekt gilt, die junge Mutter habe lediglich 40 Cent für das Zusatz-Ticket bezahlen wollen. Der Busfahrer habe der Kundin mitgeteilt, dass dieser Betrag nicht ausreiche und ihr angeboten, das Fahrrad an der Haltestelle abzuschließen. Dann könne er sie mitnehmen. Die Frau habe dies aber abgelehnt und sei daraufhin freiwillig ausgestiegen.


Unsere Redakteurin Petra Berkenbusch kommentiert die Sachlage: 

"Natürlich gibt es bei uns für alles eine Richtlinie. Auch für Dinge, die man im Bus kostenlos transportieren darf oder nicht. Ein Kinder-Laufrädchen hätte nichts gekostet, ein zusammengefaltetes Klapprad gilt als Gepäckstück und wird kostenlos mitgenommen. Für Stefans Kinderfahrrad fielen 1,70 Euro an.

Die hatte die Frau nicht parat und musste aussteigen. Oder das Fahrrad draußen lassen. Alles regelkonform. Leider gibt es keine verbindlichen Regeln für das Zwischenmenschliche. Fest steht wohl, dass ein wenig mehr Entgegenkommen und Freundlichkeit unsere Welt einfach ein bisschen liebenswerter machen würden. Nicht nur in Bus und Bahn. Überall."

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Kommentare
  • Ihr Kommentar, Frau Berkenbusch
    von motte am 14.09.2017 10:04 Uhr

    Sehr geehrte Frau Berkenbusch, grundsätzlich stimme ich Ihrem Kommentar zu, dass man mal eine Auge zudrücken sollte. Aber versetzen Sie sich bitte einmal in die Rolle des Busfahrers. Hätte er das Rad unentgeldlich mitgenommen, hätte er gegen die Vorschriften seines Arbeitgebers verstoßen. Wenn der Arbeitgeber eben kein Auge zudrückt kann dies arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Heutzutage werden Mitarbeiter schon für Centbeträge abgemahnt, und wenn es nur das Laden des eigenen Smartphones am Arbeitsplatz ist. Soll der Busfahrer ein persönliches Risiko eingehen weil er Vorschriften unterwandert? In welche Situation kommt ein Kollege beim nächsten Mal wenn ihm erzählt wird, "Ihr Kollege lässt das auch durchgehen"? Ich bin mir sicher, auch in Ihrem Beruf wird es Vorschriften geben und Sie werden nicht aus Gefälligkeiten anderen Gegenüber dagegen verstoßen wenn Sie persönliche Konsequenzen fürchten müssen.

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