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Verzögerung: Schwerter Bahnhofstraße bleibt lange eine Baustelle

SCHWERTEAus der Bahnhofstraße in Schwerte soll ein Boulevard werden. Doch vier Wochen hängen die Arbeiten nun schon hinter dem Zeitplan. Warum sich die Arbeiten verzögern und wie die Händler mit der Baustelle vor ihrer Tür umgehen, zeigt ein Besuch in der Innenstadt.

Schwerter Bahnhofstraße bleibt lange eine Baustelle
Flanieren zwischen Bauzäunen: Ein einmaliges Boulevardgefühl können die Besucher der Bahnhofstraße während der Baustellenphase erleben. Foto: Bernd Paulitschke

Der Schotterhaufen vor der Sparkasse hat Symbolcharakter. Denn etliche Lagen von dem Material mussten im Untergrund der Bahnhofstraße versenkt werden, damit der neue Straßenbelag nicht wieder absackt. Vier Wochen hinke man schon hinter der Bauplanung her, bestätigt Stadtplaner Adrian Mork. Um dann zu betonen: „Dass dies eine schwierige Baustelle werden würde, war uns von vornherein klar.“

Nach den Diskussionen über die Probleme der Händler entlang der Baustelle hatten Stadtplanung, SEG und die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) zu einem gemeinsamen Termin an der Baustelle eingeladen. Dabei erläuterten die Planer und Bauherren, was bereits geschafft ist, und wie es weiter geht. Fest steht, mindestens bis zum kommenden Sommer wird an der Straße vom Bahnhof bis zur Fußgängerzone weiter gewerkelt.

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So sieht es zurzeit auf der Baustelle an der Bahnhofstraße aus

Straßendecke lag direkt auf dem historischen Pflaster

Der Grund für die Verzögerung: „Die Bahnhofstraße war einst quasi ohne Packungsmaterial gebaut worden“, so Stadtplaner Mork. Über dem historischen Pflaster war direkt die Straßendecke aufgebracht. Die extremen Regenfälle im Sommer ließen den Untergrund immer wieder absinken.

Nachdem man auch durch den Einbau von immer mehr Schotter den Untergrund nicht stabilisiert bekam, habe man Kalk zu Hilfe genommen, um eine feste Basis für den neuen Straßenbelag zu schaffen, so Andreas Kruse von der Stadtentwässerung (SEG), die im Auftrag der Stadt die Straße baut.

Auch wenn mancher Beobachter einen anderen Eindruck habe, an der Baustelle werde mit Hochdruck gearbeitet. „Wir haben mit der ausführenden Firma vereinbart, dass 50 Stunden pro Woche gearbeitet wird“, betont SEG-Prokurist Markus Borchert.

Händler besänftigen Kunden mit kleinen Geschenken

Die Händler kämen mit den Einschränkungen gut zurecht, glaubt Bernhard Druffel von der ISG. „Wir konnten die Kunden durch besondere Aktionen halten“, erklärt er. In diesem Monat gibt es für die treuen Stammkunden Plätzchen von Bäcker Becker. Im Vormonat erhielten sie ein Mini-Schuhputzset für ihren Einkauf in der Baustelle.

Um den Bürgersteig für ihre Kunden sauber zu halten, geht Auszubildende Emely Gomes regelmäßig mit dem Piassava-Besen vor die Tür des Friseursalons Regina Winkler. „Damit der Schutt nicht in den Laden getreten wird“, sagt sie. Der Krach der Baumaschinen sei dagegen kein Problem: „Von der Lautstärke bemerken wir nichts. Es ist alles gut gedämmt.“

Ein paar Schritte weiter lässt sich auch Christiane Niedergriese von Tita Schuhmode von den Baggern vor ihren Schaufenstern nicht schrecken. Sie stellt sich schon vor, welch schöne Einkaufsmeile dort irgendwann im kommenden Jahr entstehe. Das hilft über alles hinweg. „Ich bin positiv gestimmt, weil ich mich darauf freue“, erklärt die Geschäftsfrau: „Im Grunde ist alles gut.“ Und die Bauleute seien alle freundlich und hilfsbereit. 

Grabsträuße und Buketts vor Schotter und Geröll

Ganz offensichtlich mit der Situation arrangiert haben sich ebenfalls die Mitarbeiterinnen von Blumen Risse. Direkt neben dem Dixie-Klo haben sie den Bürgersteig-Rand – die Novembertage werfen ihre Schatten voraus – mit einer Ausstellung von Grabsträußen und Buketts dekoriert. Vor dem Hintergrund eines Gewirrs aus Schotter und Folienrollen.

„Das ist schon ein einmaliger Boulevard“, sagt Immobilien-Makler Siegfried Lusse mit Blick auf den schmalen Asphaltstreifen, der derzeit in der Mitte der Bahnhofstraße für die Fußgänger geblieben ist. Rechts und links begleiten sie zwar Bauzäune und Matsch. Dafür brauchen sie aber keine Autos zu fürchten. Der motorisierte Durchgangsverkehr im Baustellenbereich ist gesperrt.

Bewegen dürfen sich in dem Areal nur die Baufahrzeuge, auf die Markus Mainka aus dem Schwerter Reisebüro an der Ecke zur Gasstraße nicht nur den besten Blick hat. Er spürt sie auch. „Wir sitzen wie auf einem Vibrationsteller“, berichtet der Geschäfts-Inhaber. Auch die Geräuschkulisse erschwere bisweilen die Arbeit. Seine Kunden haben aber schon Ausweichmöglichkeiten gefunden: „Viele kontaktieren uns per E-Mail oder Telefon. Da geht es.“

Kunden sehnen Ende der Bauarbeiten herbei

Und man erspart sich die Suche nach Parkplätzen, die durch den Wegfall der Flächen vor dem Stadtpark knapper geworden sind. An der oberen Bahnhofstraße – zwischen den Einmündungen von Post- und Karl-Gerharts-Straße – sind zum Glück für die dortigen Geschäfte aber bislang die Stellfächen erhalten geblieben.

„Im Moment geht es bei uns noch“, sagt Beate Wilkes zur Situation in ihrer Fleischerei. Aber man wisse ja nicht, wie es wird, wenn die Baustelle im nächsten Schritt in ihren Bereich weiterwandert. Die Kunden scheinen jetzt schon die Fertigstellung herbeizusehnen: „Sie fragen alle, wie lange das noch dauert.“

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Kommentare
  • Fatalismus
    von Ruhrstadt am 12.10.2017 09:37 Uhr

    Wie man den Umbau der Bahnhofstraße als "Sargnagel" für die Einkaufsstadt Schwerte bezeichnen kann, ist mir unbegreiflich. So können nur Miesmacher und Fatalisten sprechen. Man kann natürlich beim Status quo stehen bleiben – dann würde Schwerte demnächst auch noch vom letzten Dorf an Attraktivität überholt. Sollte aber am Ende ein Ergebnis stehen, das man heute z. B. schon auf der Mittelstraße in Gevelsberg bewundern kann, hat Schwerte mit Sicherheit einen großen Schritt nach vorn gemacht. Denn gerade die Bahnhofstraße als Entrée in die Innenstadt muss dringend aufgewertet werden. Bleibt zu hoffen – und hier darf man sicherlich skeptischer sein –, dass sich künftig wieder mehr (Fach-)Geschäfte in der Bahnhofstraße ansiedeln. Der Umbau kann hierfür nur ein kleiner Baustein sein.

  • Der letzte Saargnagel...
    von Red-Bull am 11.10.2017 21:35 Uhr

    .. an der "Einkaufstadt" Schwerte!

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