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Viele Initiatoren ausgestiegen: Probleme beim Sparkassen-Wohnprojekt in Schwerte

SCHWERTEEin Wohnprojekt für die Generation 55 plus gemeinsam mit einer ZWAR-Gruppe – dafür bekam die Sparkasse vom Rat der Stadt Schwerte 2016 den Zuschlag für ein Grundstück an der Ostenstraße. Doch die meisten Ehrenamtlichen sind 2017 gar nicht mehr dabei. Sie sind aus der Kooperation ausgestiegen – abgeschreckt von den Mietpreisen.

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  • Probleme beim Sparkassen-Wohnprojekt in Schwerte
    Das Wohnprojekt an der Schwerter Ostenstraße - so soll das Projekt aussehen, wenn es fertig ist. Grafik: Schamp und Schmalöer

Hinter verschlossenen Türen hatten die Mitglieder der zuständigen Ratsausschüsse den Verkauf des Grundstücks an der Ostenstraße im März 2016 genehmigt. Die Sparkasse war damals nicht der Bieter mit dem höchsten Angebot, aber der mit dem besten Konzept, wie die Ratsmitglieder im Nachhinein betonten.

Denn ein Wohnprojekt, das gemeinsam mit einer Gruppe aus dem Programm „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ (ZWAR) verwirklicht wird, sei besser als Biomarkt, Hindutempel oder Wohnbebauung, die andere Bieter hier errichten wollten. Und noch beim ersten Spatenstich im Mai dieses Jahres griffen die Sprecherinnen der Gruppe, Elisabeth Schaar und Hildegard Schulze Zumhülsen, zum Spaten.

Nur noch zwei Leute der ZWAR-Gruppe dabei

Jetzt sind sie beide nicht mehr an Bord. Abgeschreckt durch die immer höher kalkulierten Mietpreise. „Wir fühlen uns von der Sparkasse ausgebootet“, so Elisabeth Schaar. Nachdem man den Quadratmeterpreis von anfänglich unter 9 Euro, erst auf unter 10 Euro und dann auf knapp über 10 Euro hochgesetzt habe, stand dann in den Mietverträgen noch eine Staffelmiete mit jährlichen Steigerungen.

11,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete sollen die Bewohner des Wohnprojekts am Ende der Vertragslaufzeit ab dem 1. April 2025 zahlen. Für Elisabeth Schaar war das zu viel. Von ihrer ursprünglichen rund 15 Leute starken ZWAR-Gruppe seien ohnehin nur noch zwei Interessenten dabei. „Die haben ihre Häuser schon verkauft und können gar nicht mehr zurück“, so Schaar.

Sparkassenchef Ullrich Bartscher glaubt hingegen, dass die Mietpreise für das Wohnprojekt angemessen sind. Er betonte am Montag auf Anfrage: „Wir vermieten zu einem ortsüblichen Mietniveau.“ Und das Konzept des Wohnprojekts bleibe auch nach dem Ausstieg des überwiegenden Teils der Gruppe bestehen.

21 Wohneinheiten entstehen

Von einem Mietpreis von unter 9 Euro sei auch in den Vorgesprächen nie die Rede gewesen. „Das ist offensichtlich nur bei den Interessentinnen so angekommen.“ Dass die Mieten nicht überteuert seien, sehe man schon daran, dass die Nachfrage nach den Wohnungen sehr groß sei.

21 Wohneinheiten baut die Sparkasse derzeit auf dem Grundstück. Das viergeschossige Gebäude wird mit einer Tiefgarage und Gemeinschaftsraum ausgestattet. Wegen des problematischen Grundstücks, nah am Mühlenstrang und mit Überresten einer Ziegelei belastet, muss das gesamte Gebäude in einer Betonwanne stehen.

Bester architektonischer Entwurf

Die Sparkasse war der zweithöchste Bieter für das 1992 Quadratmeter große Grundstück. Sie lag mit ihrem Gebot von 290.000 Euro 35.000 Euro unter dem Höchstgebot. Der Rat habe der Sparkasse nicht nur den Zuschlag erteilt, weil man mit der Gruppe kooperiert habe, sondern auch wegen des besten architektonischen Entwurfs.

Die WfS hatte damals gegen den Beschluss Einspruch erhoben, weil die Stadt als Haushaltssicherungskommune nicht an den Höchstbieter verkauft hatte. Der Kreis, als Kommunalaufsicht, gab dem Einspruch aber nicht statt.



Redakteur Heiko Mühlbauer kommentiert:

Überprüfen kann das niemand

Aus welchem Grund sie sich für die Sparkasse als Käufer entschieden haben, wissen wohl nur die Ratsmitglieder selber. Denn auch, wenn es nach deren offiziellen Darstellungen um das Konzept und den Entwurf ging, hatten sie das 2016 nur hinter verschlossenen Türen diskutiert. Und genau das fällt jetzt allen wieder vor die Füße.

Denn die Mitglieder der ZWAR-Gruppe gehen davon aus, dass sie der eigentliche Grund dafür waren, dass die Sparkasse den Zuschlag erhielt. An den Haaren herbei gezogen ist das nicht. Denn die beiden Sprecherinnen waren bei Pressekonferenzen und Spatenstich immer in der ersten Reihe.

Doch ob sie tatsächlich den Ausschlag gaben oder andere Gründe. Überprüfen kann das niemand, weil die Ratsmitglieder (außer der WfS) sich damals für eine Diskussion hinter verschlossen Türen entschieden hatten, der dadurch der Geruch der Kungelei anhaftet.

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Kommentare
  • Staffelmiete kritisch
    von Ruhrstadt am 12.10.2017 09:31 Uhr

    Die Vereinbarung einer Staffelmiete wird offenbar von der Sparkasse nicht bestritten. Mietervereine raten in der Regel davon ab, sich auf eine Staffelmiete einzulassen, weil sie das Kostenrisiko einseitig zu Lasten der Mieter regelt. Hier sei den potenziellen Mietern dringend empfohlen, zumindest die Staffelmietvereinbarung abzulehnen. Herr Bartscher soll ja auch gesagt haben, es werde dadurch die "Inflationsrate von 2 Prozent abgebildet". Die Geldentwertung trifft aber sämtliche Mieter ebenso. Sollte die Mieten in Schwerte dagegen stagnieren oder sogar fallen, sind alle Mieter an der Ostenstraße dennoch an die staffelmäßigen Erhöhung gebunden! Gerade eine Sparkasse als kommunales Kreditinstitut, das sich als Dienstleister für die unteren und mittleren Einkommensbezieher versteht, sollte von einer solchen Regelung Abstand nehmen.

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