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Einsatzzahlen für Lünen und Selm: Mehr Rettungsdienst-Fahrten wegen Lappalien?

SELM/LÜNENDie Rettungsdienste beklagen stetig steigende Einsatzzahlen. Bei der Berufsfeuerwehr Lünen, die auch für Einsätze auf Selmer Gebiet zuständig ist, ist man inzwischen "mit dem Latein am Ende". Greifen die Menschen heutzutage etwa auch wegen Lappalien zum Hörer und wählen den Notruf?

Es ist drei Uhr nachts, und der kaputte Backenzahn tut ganz schön weh. Klar, schließlich hatte man in den vergangenen zwei Wochen auch irgendwie keine Zeit zum Zahnarztbesuch. Aber jetzt – autsch! Was tun? So mancher Schmerzgeplagte greift dann tatsächlich zum Hörer und ruft den Rettungsdienst an.

Das bestätigt der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Lünen, Stephan Dörnbrack. Dort ist man für die Einsätze auf Lüner und Selmer Gebiet zuständig. „Wir hören oft die Klagen der Rettungsdienstkollegen“, erzählt der 48-Jährige.

Nicht nur die Anzahl der Rettungsfahrten hat zugenommen, auch die Qualität der Einsätze habe sich verändert. „Der Notruf wird oft missbraucht, die Patienten haben da eine ganz andere Sicht drauf“, sagt er – die Kosten sogenannter „Fehlfahrten“ zahlt dann die Allgemeinheit.

Auch mehr Menschen in den Notaufnahmen

Georg Wirth von der Kreisleitstelle der Feuerwehr in Unna möchte so einfach aber keine Verbindung zwischen der gestiegenen Anzahl von Einsätzen und Lappalien herstellen. Er warnt sogar ausdrücklich davor. „Ja, wir haben mehr Einsätze. Aber das liegt nicht allein daran, dass die Menschen jetzt schneller zum Hörer greifen und einfach den Notruf wählen“, sagt er.

Vielmehr griffen weitaus mehr Gründe ineinander. „Wir haben mehr Menschen etwa in Ballungsgebieten, im ländlichen Raum zeitgleich weniger Ärzte – irgendwie müssen ja alle Menschen versorgt werden. Da wird dann schon mal der Notruf häufiger gewählt. Genauso kommen auch mehr Menschen in die Notaufnahmen. Man kann das gar nicht so genau sagen, warum die Einsätze ansteigen“, sagt er.

Reibereien mit Patienten

Sicher ist aber: Der Rettungswagen würde im Bewusstsein der Bevölkerung immer mehr als „schnelles Taxiunternehmen“ wahrgenommen. „Die Kollegen sind mit ihrem Latein am Ende“, sagt Dörnbrack. Oft gebe es dann vor Ort Diskussionen oder sogar Reibereien mit dem Patienten, die beim vorherigen Anruf in der Leitstelle ihre Beschwerden oder Schmerzen dramatisierten. „Das Personal in der Leitstelle ist schon sehr gut geschult, und die versuchen alles so gut wie möglich abzufragen“, weiß der Feuerwehrmann.

Trotzdem erfassten die Kollegen ja nur den Moment am Telefon. „Es gibt Überlegungen, dass ein Mediziner in Zukunft mit in der Leitstelle sitzt. Wir wissen noch nicht genau, wie wir mit solchen Fällen umgehen sollen“, sagt Wirth.
Zudem seien die Leute hilfloser geworden; gerade bei Unfällen mit Kindern würde schnell der Notarzt gerufen. Dabei hat Dörnbrack durchaus Verständnis für aufgeregte Eltern. Nur bei Zahnschmerzen, da hört es dann allmählich auf.

„Komischerweise denkt man immer, dass alte Leute den Krankenwagen öfter rufen, als junge Menschen. Meines Wissens nach ist das aber gar nicht der Fall. Vielmehr rufen Leute zwischen 30 und 35 Jahren öfter den Notruf“, sagt Wirth – auch hier spielen die Hilflosigkeit und Unwissenheit sowie der voreilige Griff zum Telefon eine große Rolle.

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