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Sorge um Einnahmen: Heimteams bangen vor neuen Bundesligazeiten

SELMDie Fußball-Bundesliga wartet mit neuen Anstoßzeiten auf - zum Beispiel an fünf Sonntagen um 13.30 Uhr. Dann also, wenn viele Amateurfußballer selber auf dem Platz stehen. Probleme sind vorprogrammiert, Interessenkonflikte abzusehen. Wir haben darüber mit Vereinsvorständen aus Olfen, Selm und Nordkirchen gesprochen.

Heimteams bangen vor neuen Bundesligazeiten
Sonntagsspiele der Bundesliga nehmen den Amateurkickern Zuschauer weg, sagen die Vereinsvorsitzenden aus Selm, Olfen und Nordkirchen. Foto: Sebastian Reith

Olfen:

„Für die Amateursportvereine ist das eine ganz schlimme Geschichte“, sagt Bernhard Bußmann, Vorsitzender des SuS Olfen. Bundesliga-Übertragungen sonntags ab 13.30 Uhr schaden den Amateurfußballern, meint er. „Dann bleiben Zuschauer weg und uns fehlen die Einnahmen.“

Außerdem werde es den einen oder anderen Spieler geben, der selber ins Stadion seines Lieblingsvereins gehen möchte und deshalb in den Konflikt komme, weil er zur selben Zeit ja selbst auf dem Platz stehen müsste. Und gerade in Olfen mit seinen fünf Bundesligafanclubs (Köln, Mönchengladbach, München, Schalke und Dortmund) steige auch die Wahrscheinlichkeit, dass potenzielle Amateurfußball-Zuschauer im Falle eines 13.30-Uhr-Sonntagsspiels ihres Bundesligateams entweder ins Bundesligastadion gehen oder am Bildschirm sitzen, statt die heimischen Fußballer anzufeuern.

Neue Anstoßzeiten führen zu persönlichen Konflikten

Zwischen 100 und 150 Zuschauer zähle der SuS Olfen sonntags im Stadion. „Gut die Hälfte bleibt dann wohl weg“, schätzt Bernhard Bußmann. „Wir können aber nichts machen. Und die Eintrittspreise oder Getränke- und Würstchenpreise werden wir nicht erhöhen, um Einnahmeverluste aufzufangen. Wir wollen ja nicht die treuen Zuschauer vor den Kopf stoßen.“

Dass die neuen Anstoßzeiten auch schon mal zu persönlichen Konflikten führen können, beweist das Beispiel von Martina Marott-von Stetten. Sie ist Pressesprecherin der Fußballabteilung des SuS Olfen und gleichzeitig Fan des FC Schalke 04. Was macht sie, wenn der FC Schalke 04 sonntags um 13.30 Uhr spielt und gleichzeitig der SuS Olfen ein Heimspiel hat? Welches Spiel schaut sie sich an? „In dem Fall würde ich mir das Spiel von Schalke anschauen. Aber so etwas zerreißt einem das Herz.“

Selm:

Eine Meinung, die auch Georg Hillmeister, Chef der SG Selm, teilt: „Ich würde wegen der nicht gerade billigen Jahreskarte nach Schalke fahren, statt ein zeitgleiches Spiel der SG Selm anzusehen. Aber glücklich wäre ich nicht. Gott sei Dank kommt so was ja nicht so häufig vor.“

Seine Devise als Vereinsvorsitzender in Sachen Parallel-Sonntagsspiele der Bundesligavereine und der Amateure: „Man nimmt es, wie es ist.“ Speziell die zusätzliche Anstoßzeit sonntags 13.30 Uhr nimmt Hillmeister recht gelassen: „Sonntagsspiele in der Bundesliga sind grundsätzlich nicht gut für uns Amateurvereine. Wer um 15.30 Uhr Bundesliga gucken möchte, kommt nicht zu unseren Spielen. Da ist die Anstoßzeit 13.30 Uhr nur eine zusätzliche Belastung.“

Ähnliche Entwicklung des deutschen Fußballs wie in England?

Er bemerke in den vergangenen Jahren, dass das Interesse an Amateurfußball nachgelassen habe. „Gibt es gute Spiele, dann merken wir es auch an den Zuschauerzahlen. Spielt man dreimal schlecht, kommen die Leute nicht mehr.“ Was die Bundesliga-Anstoßzeiten betrifft, sehe er eine Entwicklung wie in England auf den deutschen Fußball zukommen: „Da werden zehn Spiele auf vier Tage verteilt und jedes Spiel bekommt eine exklusive Anstoßzeit.“ 

Welche Möglichkeiten hat die SG Selm, um dem Wegbrechen der Zuschauer wegen der Sonntagsbundesligaspiele entgegenzuwirken? Preiserhöhung? „Das wäre kontraproduktiv. Wo wäre denn die Schmerzgrenze bei den Getränke- und Würstchenpreisen?“ Erhöhungen der Verzehr- und der Eintrittspreise werde es aktuell nicht geben.

Nordkirchen:

„Das ist eine große Gefahr für uns“, sagt Ludger Lammers, Geschäftsführer des FC Nordkirchen. „Erst kam das erste Sonntagsspiel in der Bundesliga, dann das zweite und jetzt das dritte. Dann bleiben noch mehr Zuschauer weg. Es werden jedenfalls nicht mehr.“ 

Wie sieht es beim FC Nordkirchen mit dem Thema Preiserhöhung wegen wegbrechender Zuschauerzahlen aus? „Da denken wir nicht drüber nach“, erklärt Bernhard Melchers, zweiter Geschäftsführer der Fußballabteilung des FC Nordkirchen. „Es sind zwar viele Dortmund- und Schalke-Fans unter den Zuschauern und für einen kleinen Verein wie unseren ist das schon viel, wenn die nicht zu uns kommen, sondern nach Dortmund oder Schalke fahren. Aber am Existenzminimum kratzen wir nicht.“

Ärgerlich sei bei der Entwicklung gerade um die Anstoßzeiten: „Es zählt nur noch der Kommerz. Wenn ich dann auch noch die horrenden Ablösesummen sehe - das ist schon heftig.“

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