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Wilde Äpfel und Birnen: So sieht es auf Selms Streuobstwiesen aus

SELM„Jakob Lebel“, „Harberts Renette“ oder „Geflammter Kardinal“? Das sind weder Schriftsteller noch Gräfinnen noch seltene Vogelarten. Es sind Apfelsorten. Und zwar solche, die man heute nicht mehr im Supermarkt kaufen kann. Solche Apfelsorten wachsen auf Streuobstwiesen - und zwei davon gibt es auch in Selm.

So sieht es auf Selms Streuobstwiesen aus
Uwe Norra an einem Apfelbaum am Selmer Bach. Einer der Äste ist beim letzten Sturm abgeknickt - ganz normal bei Streuobstwiesen. Foto Niehaus Foto: Martina Niehaus

„Hier müsste dringend mal wieder gemäht werden“, sagt Uwe Norra und zeigt um sich. Der Selmer NABU-Pressesprecher ist eigentlich Vogel-Experte, aber auch er weiß, wo sich die beiden Streuobstwiesen auf Selmer Gebiet befinden. Gerade steht er auf einer von ihnen, am Grünen Weg. Genau an der Stelle, wo der Selmer Bach entlang fließt. Und das Gras rings um ihn ist tatsächlich hüfthoch.

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Wilde Natur auf Selms Streuobstwiesen

Hinter Norra sieht man rund 40 knorrige Obstbäume. Hauptsächlich Äpfel, aber auch die ein oder andere Birne oder Pflaume ist dabei. Uralt sehen einige von ihnen aus, doch gepflanzt wurden sie gerade einmal vor 22 Jahren. „Benedikt Warnke hat diese Wiese mit mehreren Leuten angelegt“, erzählt Uwe Norra. „Einmal im Jahr kommen die Pfadfinder. Sie ernten die Äpfel, pressen sie und machen davon Apfelsaft.“

Suche nach Abnehmern für gemähtes Heu

Nur mit dem Mähen der 6500 Quadratmeter großen Wiese gibt es Probleme. „Eine Herde Schafe wäre ideal. Oder jemand, der kommt und das Heu mitnimmt. Wir suchen händeringend Abnehmer. Das ist gutes Viehfutter, sozusagen ein gefundenes Fressen.“ Das Gras sieht in der Tat toll aus; die Gräser, Blumen und Kräuter sind voller Insekten. Bienen, Libellen, seltener Schmetterlinge, Grashüpfer.

Auch in den Bäumen leben Tiere. „Wie haben hier Nistkästen für Steinkäuze und Vorrichtungen für Hornissen in die Bäume gesetzt“, erläutert der Experte. Und seitdem kann man in der Umgebung nachts wieder Käuzchenrufe hören.

Wichtiger Lebensraum für Insekten und Vögel

Dass Streuobstwiesen ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Vogelarten sind, weiß auch Mario Masell von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Unna. „Heute werden selbst Vorgärten zu Schotterwüsten, weil die Leute kein Unkraut mehr zupfen wollen. Dabei ist jede Wildblumenwiese so wichtig und wertvoll“, bedauert er.

Streuobstwiesen wurden früher auch „Hütewald“ genannt, weil das Vieh auf ihnen weidete. Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft sind sie fast verschwunden. Zu unpraktisch waren die vielen Bäume, unter denen keine modernen Maschinen mehr her passten. Es gab sogar Rodungsprämien für die gefällten Bäume.

Wilde Äpfel haben ganz eigenen Geschmack

Im zweiten Selmer Biotop beißt Uwe Norra gerade herzhaft in einen Apfel. „Ich hab keine Angst, bin ja nicht Schneewittchen“, sagt er und lacht. Dann genießt er erst mal. „Lecker“, sagt er. „So was kriegt man im Supermarkt nicht, da schmecken die alle gleich.“

Diese Wiese, auch Ausgleichsfläche Wörth genannt, liegt an der Luisenstraße zwischen Bork und Selm. Rund 30 Bäume wurden dort vor ungefähr zehn Jahren von Michael Dorenkamp und Dirk Niggemann, weiteren NABU-Kollegen, gepflanzt. Auch diese Bäume sehen schon alt aus – weil sie zu den schnell wachsenden Sorten gehören. „Hier mäht immer Bauer König ein- bis zweimal im Jahr“, weiß Norra.

Frösche fühlen sich im hohen, feuchten Gras wohl

Die Wiese inmitten von Mais- und Weizenfeldern wartet gleich mit zwei Besonderheiten auf: Zum einen gibt es dort kleine Tümpel, in denen der seltene Laubfrosch eine Heimat gefunden hat. Zum anderen steht in kurzer Entfernung ein vom NABU gebauter Storchenhorst. Mieter hat er zwar noch nicht, aber Norras Ornithologen-Herz hofft auf baldige Gäste.

Und dann läuft Norra durch das Gras wieder zum Gatter, das die Wiese vom angrenzenden Feld trennt. Und zwar ganz vorsichtig, um nicht einen der vielen kleinen Frösche zu erwischen.

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